Sommertörn: Schwestern segeln mit ihrem IF-Boot rund Fünen

Jenseits der Regattabahnen

Die Crew © MC

Die Crew – die Folkemädels von der “Janthina” © MC

„Aaaah, die Folkemädels!“ werden meine Schwester Svenja und ich von unserem Stegnachbarn begrüßt, als wir die unzähligen Taschen und Lebensmittel auf unser IF-Boot schleppen. Wir liegen in diesem Kieler Hafen zwar erst seit Anfang der Saison, aber der Name hat sich gleich eingebürgert. Früher im 420er wurden wir „die Christiansens“ genannt, nun also „die Folkemädels“.

Na gut, wir fallen wahrscheinlich auch ein bisschen auf. Zum einen, weil wir zwei Mädels sind (und eine durch und durch weibliche Crew ist relativ selten anzutreffen in der Fahrtenseglerszene), zum anderen, weil unser IF-Boot „Janthina“ knallrot angemalt und sowieso unserer Meinung nach das schönste Schiff der Welt ist. Wir sind allerdings auch ein bisschen voreingenommen.

Das Boot © MC

Das Boot: ein IF-Boot mit den Folkeboot Linien © MC

Vor dreißig Jahren schon hat unser Papa Janthina gekauft, unsere halbe Kindheit verbrachten wir auf ihr, machten Törns nach Dänemark und Schweden. Neben der zunehmenden Regattasegelei wurde die Zeit, die wir auf Janthina verbrachten, allerdings immer kürzer; Meisterschaften, Trainingslager, Ferienjobs und Praktika ließen die ursprünglich wochenlang dauernden Törns in den letzten Jahren auf kurze Wochenendtrips zusammenschrumpfen.

Dieses Jahr soll aber alles anders werden. Svenja und ich haben im Frühjahr Janthina von unseren Eltern (welche nun eine H35 segeln) komplett übernommen. Zwischen Segelbundesliga, Tauchscheinprüfungen und Bigband-Auftritten schaufeln wir anderthalb Wochen frei mit dem vagen Ziel, in der dänischen Südsee segeln zu gehen. Wann wohin wie lang? Ist doch egal, wir werden sehen, wie der Wind weht. Rund Fyn bietet sich an, soweit reichen auch unsere Seekarten. Und so packe ich am Dienstag das Auto voll, fahre von Hamburg nach Kiel, sammele Svenja ein und ab geht die wilde Fahrt.

Tag 1 – Wind da, Tankdeckel weg

Möwengekreisch und das Donnern der Brandung an der Mole. In der Ferne ein klapperndes Fall, ab und zu pfeift leise der Wind durch die Wanten, der Vollmond scheint durch die geöffnete Luke ins Vorschiff. Heute sind wir noch nicht so weit gekommen wie eigentlich geplant – statt Lyø Schilksee, statt Dänemark immer noch Deutschland. Egal. Das Olympiazentrum hat auch seine schönen Seiten. Wirklich. Man muss den grauen Gebäuden nur den Rücken zuwenden. Dann hat man nämlich einen klasse Ausblick auf die Ostsee. Gepaart mit einer Eisschokolade vom Italiener oben auf der Promenade ist das doch sehr erträglich.

Aperitif in Schilksee © MC

Aperitif in Schilksee © MC

Warum wir es bei wunderbaren fünf Windstärken und sechs Knoten Bootsspeed nicht geschafft haben, mehr als sieben Meilen zu segeln, hat zum einen etwas mit unserer generellen Verplantheit zu tun. Zum anderen damit, dass irgendein Witzbold den Tankdeckel vom Auto geklaut hat. Ich kam mir noch nie so dumm vor wie in den beiden Autohäusern, in denen wir waren, um einen Ersatz zu besorgen. Bei Ziegelmayer bin ich lieber.

Um sechs Uhr abends ging es dann aber los. Und wie: Wir rasten geradezu die Förde entlang, sodass wir nur anderthalb Stunden später in Schilksee festmachten. Kurz noch etwas einkaufen, dann wurde angestoßen: Auf Janthina!  Auf den Beginn unseres Törns! Auf uns! Auf Rasmus! Oha, hoffentlich mag Rasmus auch alkoholfrei…

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10 Kommentare zu „Sommertörn: Schwestern segeln mit ihrem IF-Boot rund Fünen“

  1. avatar Digger sagt:

    Ha ha. Schöne Parallelen zwischen uns. “Wir Ertrunkenen” – seit dem großartigen Buch ist Marstal ein anderes Marstal. Und ihr müsst allein deshalb auf jeden Fall nochmal ins Søfartsmuseet gehen.

    Beim Lesen hatte ich auch ne Idee: Man sollte einen neuen Wettbewerb ins Leben rufen: Cobb Slalom. Wer am schnellsten durch die Massen an Cobbs gelaufen ist, bekommt einen Einweggrill.

    Schreibt weiter, macht Spaß zu lesen!

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  2. avatar Sven sagt:

    Digger hat Recht! Sehr kurzweilig zu lesen und tolle Fotos.

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  3. avatar Schnellschuss sagt:

    Das macht echt Lust sich wieder den kleinen Ostsee-Klassiker vorzunehmen.
    Vor 20 Jahren wurde der einmal pro Jahr abgesegelt und es war genauso wie Maike es beschreibt.
    Immer wieder ein Erlebnis der besonderen Art. Vielen Dank für die wundervollen Erinnerungs-Flashes.

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  4. avatar Ballbreaker sagt:

    Cooler Trip!

    Sogar das Essen sieht essbar aus 😉

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  5. avatar 12er Enthusiast sagt:

    einfach schön zu lesen…danke für die schönen Momente.

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  6. avatar Peter sagt:

    Können wir dislikes nicht nur noch mit Erklärung zulassen? Das verstehe ich nun wirklich nicht….

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  7. avatar 23421 sagt:

    Rasmus ist reinster Alkoholiker. Der mag nur Sherry und Rum.
    Wie kommt man überhaupt auf die doofe Idee dem was ohne Alkohol andrehen zu wollen.

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  8. avatar Segler sagt:

    Ein IF-Boot in surf zu bringen?
    Fast unmöglich. Ich wette ihr seit nicht die Wellen runter gesurft. Die Wellen sind von achtern durchgelaufen.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 2 Daumen runter 6

  9. avatar Fabian sagt:

    Das ist ja jetzt mal witzig, denn den Törn haben wir Jungs 14-15 Jahre alt auch mit einem if in diesem Sommer gemacht und genau die gleiche Strecke!

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  10. super Beitrag, es hat sehr viel Spaß gemacht ihn zu lesen.

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