SpeedDream: 50-Fußer soll 2014 vom Stapel laufen – Mike Golding ist Skipper

"Goldiger" Traum vom Speed

SpeedDream, Mike Golding

Konstruktionszeichnung der neuen 50-Fuß-SpeedDream II. 115 qm Segelfläche sollen das Teil auf optimale Geschwindigkeit bringen – auch in der Welle

Das SpeedDream-Team will mit einem neuen 50-Fuß-Monohull eine neue Ära im Blauwassersegeln einläuten. Steuern soll die britische Hochsee-Legende Mike Golding. 2014 geht er zu Wasser.

„Wir überlassen die Inshore-Meile der „Vestas Sail-Rocket“ und den America’s Cup den fliegenden „AC 72-Katamaranen“. Unser Traum reicht bis zum Horizont und weiter – wir wollen Hochseerekorde brechen!“ kündigen  gewohnt selbstbewusst die SpeedDream-Designer Vlad Murnikov, Rodger Martin und Ross Weene an. „Und dafür beginnen wir in Kürze mit dem Bau unserer SpeedDream II!“

Ausgerüstet mit einem revolutionär anmutenden Neigekiel, der hoch am Wind in Luv bis zu 82° gezogen weit aus dem Wasser ragt, bestückt mit Wavepiercer-Bug an einem extrem schmalen Rumpf und 115 Quadratmeter Segelfläche am Wind soll die 50 Fuß lange SpeedDream II ein weiterer Schritt in Richtung Endziel sein: Den schnellsten Offshore-Einrumpfer der Welt zu bauen, der alle Monohull-Weltrekorde sozusagen pulverisieren wird. Sogar von einem 1.000-sm-Etmal war schon die Rede – 1.000 sm in 24 Stunden, wohlgmerkt.

SpeedDream, Hochsee, 100-Fuß-Prototyp

Hochsee-Legende Mike Golding konnte für das SpeedDream-Projekt begeistert und als Steuermann verpflichtet werden © VG

Zwischen Impertinenz und Genialität

Tatsächlich polarisieren das Projekt SpeedDream und ihre Macher, wo sie nur auftreten (also nicht nur in der SR-Community!). In der Theorie immer perfekt aufgestellt, PR-spezifisch mitunter etwas diffus, präsentierten die SpeedDream-Enthusiasten über Jahre hinweg zunächst einmal nichts anderes als… Geschwindigkeitsträume.

Und sie wurden genau dafür von allen Seiten heftig kritisiert. „Nichts als Schaumschlägerei!“, völlig „irrelevante Theorien“ und „bis an die Lächerlichkeit grenzende Impertinenz“ wurde ihnen allerorten, vor allem aber im Internet, vorgeworfen. Andrerseits schafften sie es mit ihrem Projekt in BBC-Dokumentationen als besonders zukunftsweisendes Projekt und werden besonders von jungen Schiffsbauingenieuren mehr als ernst genommen. Und unter Segellegenden gab es immer mehr Befürworter für das Prinzip als solches. Was jedoch fehlte, war handfestes “Anschauungsmaterial”.

Das Beste zweier Welten?

Vor Jahresfrist ließen Murnikov und Co. schließlich  – nach wirklich attraktiven, aber irgendwie zu filigranen, viel zu teuer wirkenden Einhand-Skiffs – die SpeedDream I, einen 27-Fuß-Prototypen zu Wasser, der zumindest die übelsten Unkenrufe (zeitweise) zum Verstummen brachte. Das futuristisch anmutende Segelgefährt aus Karbon, dessen Rumpf eher an einen Katamaran-Schwimmer erinnerte als an den Schiffskörper eines Monohulls und das angeblich das „Beste zweier Welten“ (Wavepiercing der Mehr- und  das Gleiten der Einrumpfer) vereinen sollte, segelte tatsächlich.

SpeedDream, Hochsee, 100-Fuß-Prototyp

Die SpeedDream I im Speed-Modus, freilich bei sehr moderaten Winden. Deutlich: der quer stehende Kiel an der frischen Luft © SpeedDream

Zwar ausgesprochen nass – der extrem lange Piercing-Bug tauchte schon bei geschätzten 3-4 Beaufort unter Gennaker vollständig in die kurzen Solent-Wellen – aber flott war die SpeedDream schon unterwegs. Zumindest gefühlt.

Womit dann auch die eigentliche Konfusion des Projektes angesprochen wäre: SpeedDream geht ausgesprochen verhalten mit Zahlenmaterial an die Öffentlichkeit. Oder besser gesagt: Es gibt eigentlich keine offiziellen Werte, wie schnell das Boot bei welcher Windstärke in welchem Winkel zum Wind unterwegs ist. Man hält sich bedeckt – weil die Ergebnisse peinlich waren oder weil man feststellte, dass es noch reichlich zu tun gibt, um die Versprechungen vom schnellsten Konzept aller Zeiten einzuhalten?

Funktionalität: Sehr gut!

Genau das kritisierte – zwischen den Zeilen – die britische Vendée-Globe-Hochseelegende Mike Golding in mehreren Gesprächen, die als Interviews „getarnt“ auf der SpeedDream-Website nachzulesen sind. Er war im Sommer wochenlang vor Cardiff/Solent im „SpeedDream I“ als Steuermann unterwegs und machte sich offenbar ein Bild von der mittel- bis langfristigen Tauglichkeit des Projektes.  Das Boot „segele hervorragend, sei raumschots „spurtreu wie auf Schienen“  und  sowieso „gefühlt auf allen Kursen ziemlich schnell unterwegs“.

SpeedDream, Hochsee, 100-Fuß-Prototyp

Die neuen IMOCA – hier Golding auf seinem VG-Modell – werden in der Bugsektion mit mehr Auftrieb aufgepeppt. Und nun soll der Wavepiercer in die Wellen tauchen? © VG

Nur: echte Vergleiche mit anderen Booten, etwa klassischer Bauart, aber gleicher Länge, fehlen bis dato. Lediglich die Funktionalität des Systems als solches wurde überprüft. Und – Kunststück – für „sehr gut!“ befunden. Golding: “Hier passiert wirklich etwas Zukunftsweisendes! Der Umstand, dass der Kiel bis 82° angehoben werden kann, zieht eine leichtere Kielbombe nach sich und gibt dem Schiff insgesamt mehr Leistung.”

Auf die Frage, ob der Kiel auch Offshore aus dem Wasser gehoben werden könne, antwortete Golding diplomatisch: “Auch Hochseekatamarane segeln nur bei perfekten Bedingungen mit einem Schwimmer in der Luft. Meistens sind sie mit beiden Rümpfen im Wasser – ähnlich wird es auch bei der SpeedDream werden.”  Soll heißen: Wenn alle Parameter stimmen, dann kann der Kiel an die frische Luft, ansonsten wird er wohl durchs Wasser gezogen werden!

Golding neuer Steuermann

Mit Hilfe ihres Hauptsponsors „Yandex“, dem Betreiber einer russischne Internet-Suchmaschine, die dem SpeedDream-Projekt neben gewaltigen Rechnerstärken für ausgiebige Trockentests am Computer wohl auch ausreichend Kleingeld zur Verfügung stellt,  fühlen sich die SpeedDream-Spezialisten rund um Vlad Murnikov  nun aber durchaus in der Lage, den Traum vom „großen Schiff“, das den Schritt von Inshore hinaus aufs Blauwasser wagen kann, in die Realität umzusetzen.

In Kürze wolle man bekannt geben, mit welchen bekannten französischen Designbüros am „Feinschliff““ gearbeitet wird. Und als kleine Sensation am Rande wurde hinzugefügt: „Mike Golding, die britische Hochseelegende, ist ab sofort fester Bestandteil des Teams!“ Er soll die „SpeedDream II“ über die Ozeane der Welt im Rekordmodus skippern, sozusagen als Geheimwaffe am Steuer stehen!

Golding (mit Kappe) erstmals an der Pinne der SpeedDream I  vor Cardiff © SpeedDream

Golding (mit Kappe) erstmals an der Pinne der SpeedDream I vor Cardiff © SpeedDream

Golding: Hoffentlich kein PR-Coup!

Bleibt abzuwarten, wann nun tatsächlich die ersten Karbonfasern für den Rekordrumpf gelegt werden. In der Szene wird die Rekrutierung Goldings jedenfalls als sehr positiver Schritt bewertet. „Wenn sich eine Legende wie Mike G. für so ein Projekt zur Verfügung stellt, muss was dran sein!“ heißt es neuerdings allerorten. Doch der gibt sich zurückhaltend: „Das Potential ist da,“ sagt er gelassen. „Alles andere muss sich in der Praxis zeigen!“

Und ob der Renner dann tatsächlich in der kernigen Atlantik- oder der mörderischen Southern-Ocean-Welle zumindest das hält, was die Class 40,  IMOCA  oder eine „Maserati“ immerhin schon ausgehalten haben werden, bleibt abzuwarten. Denn genau daran wird sich die neue SpeedDream II ihre Hörner bzw. ihren Wavepiercer-Bug abstoßen müssen. Rekorde sind dann erst in zweiter Linie spannend.

SpeedDream, Mike Golding

Dank starker Rechnerleistung auch Stark in der Theorie – wie weit die SpeedDream II auch in der Praxis glänzen wird, kann ab Spätjahr 2014 begutachtet werden © SpeedDream

 

 

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Michael Kunst

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4 Kommentare zu „SpeedDream: 50-Fußer soll 2014 vom Stapel laufen – Mike Golding ist Skipper“

  1. avatar Piet sagt:

    Warum ne Bombe die 3m seitlich in 1m höhe aus dem Wasser ragt
    und anscheinend nur dazu dient ungeliebten Mitseglern, Regatta gegnern, Möwen einen klaps auf den Hinterkopf zu geben.

    Dann kann man auch gleich einen Kat oder Trimaran daraus machen.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 5 Daumen runter 7

    • avatar ac pro sagt:

      …oder eine Libera. Im Trapez über die Weltmeere – das wäre nun eine wirkliche Revolution.

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  2. avatar Super-Spät-Segler sagt:

    Ich glaube, ich habe ein Problem dieses Bootes gefunden:

    Der hohe Auftrieb am Heck und der geringe am Bug verbunden mit der Ausrichtung der Schwerter!

    Für schnelle Fahrt mit wenig Krängung müssen die Schwerter parallel zur Mittelachse (~Fahrtrichtung)
    ausgerichtet sein, um möglichst wenig Widerstand zu bieten. Den Bildern nach sind sie auch so ausgerichtet.

    Krängt das Boot jetzt, ist es, als würde man ein “A” an einem der Füße anheben. Die Fahrtrichtung bzw.
    Strömungsrichtung) ändert sich in Richtung parallel zu Lee-Außenkante (Der Schenkel vom “A”, der auf dem
    Tisch liegenbleibt). Kann man auf den großen Bildern auch gut erkennen.
    Die ursprüngliche Idee hinter dem Hochkippen war vermutlich, bei Krängung eine lange schmale Wasserlinie
    zu bekommen, ähnlich wie bei einem Katamaran.
    Problem dabei: Das weiterhin parallel zur Mittelachse ausgerichtete Leeschwert, welches (den Bug)
    nach unten zieht. Das bremst und erklärt neben dem zu geringen Volumen im Bug das Unterschneiden
    selbst bei moderatem Wind.

    Die grundsätzlich ähnlich aufgebauten Open 60 sind im Gegensatz dazu am Heck verjüngt und
    ihr Unterwasserschiff ist zum Heck hin leicht hochgezogen. Sie haben daher achtern weniger Auftrieb
    und das Hochkippen wie ein “A” tritt nicht auf. Sie behalten auch bei Krängung die Fahrtrichtung ca. in Richtung
    Mittelachse und das Leeschwert funktioniert weiterhin korrekt.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 7 Daumen runter 0

  3. avatar o_O sagt:

    115m^2 am Wind bei 50′ ist nicht soo viel. kaum mehr als bei ner hanse gleicher große…

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