Speedsegeln: V_Rex King of Speed – Konzept für neuen 60-Knoten-Segler aus Österreich

Segeln mit Luft-Schwert

Der österreichische Segler Peter Steinkogler hat ein revolutionäres Segelboot-Konzept patentieren lassen, das die Foiler-Technik noch extremer interpretiert. Er hält aktuelle Tragflächen-Kats für unökonomisch bei der Energie-Verwertung.

Peter Steinkogler will der aktuellen Debatte um das effektivste Segelfahrzeug auf Tragflächen eine weitere Umdrehung hinzufügen. Sein V_REX treibt die Foiler-Technik auf die Spitze und nähert sich deutlich an die Moth an, die ihre Effektivität insbesondere am Wind durch extreme Luvkrängung erlangt.

V_REX Foiler

Am-Wind-Modus. Wie Motte oder Windsurfer nach Luv gekippt. © Steinkogler

Dabei sind neben dem bekannten Unterwasser-Konzept die beiden am Rumpf montierten Tragflächen besonders. Sie stehen in einem Winkel von 33 Grad vom Rumpf ab und der Luv-Flügel kippt dann im Am-Wind-Modus parallel zur Wasser-Oberfläche.

“Aerodynamischer Lateralplan”

Der Lee-Flügel steht dann aufrecht in der Luft und erzeugt Auftrieb wie ein herkömmliches Schwert im Wasser. Steinkogler nennt diesen Hauptteil seiner Erfindung “den ersten aerodynamischen Lateralplan in der Geschichte des Segelns”. In die Enden der Flügel kann Wasserballast gepumpt werden, um das aufrichtende Moment zu verbessern.

V_REX Foiler

Die Luv-Tragfläche wird parallel zur Wasseroberfläche geführt. © Steinkogler

Zusätzlich ist am Bug ein Flügel angebracht, wie er bei einigen Kriegsflugzeugen montiert ist. Bei hoher Geschwindigkeit soll er Auftrieb erzeugen und das Unterschneiden des Vorschiffs verhindern.

Gedacht ist V_REX für zwei Segler. Der vordere Pilot kontrolliert per Pedalen das Steuer und per Joystick den Lift und die Krängung. Der hintere arbeitet mit den Segeln und bedient das System der Ballast Tanks.

60 Knoten Speed

“Eigentlich wollte ich keinen Rekordbrecher schaffen”, sagt Steinkogler. “Es ging nur darum, ein Segelboot für den möglichst effektiven Gebrauch der Segelkräfte zu nutzen.” Am Ende soll aber dabei eine Konstruktion entstehen, die in der Lage ist, 60 Knoten Speed zu erreichen.

V_REX Foiler

Der V_REX Foiler von unten. © Steinkogler

Aktuelle Katamaran-Foiler, wie die AC72 vom vergangenen America’s Cup, überzeugen ihn nicht, weil sie extrem viel Druck auf der Lee-Tragfläche erzeugen. Der AC72 wiege inklusive Crew 7,9 Tonnen, das Lee-Foil müsse aber eine Last von 15 Tonnen tragen und entsprechend viel Lift erzeugen. Dadurch werde ein großer Widerstand im Wasser produziert.

Ein Windsurfer dagegen kippt sein Rigg nach Luv und erzeugt nach oben “positiven Druck”, wie Steinkogler es nennt. Dabei wird die zu tragende Last sogar geringer. Diesen Effekt soll der V_REX noch auf die Spitze treiben. Dass es funktioniert, sei von Dr. Antonios Mantouvalos beim Mediterranean Hydrodynamic Research Centre zumindest bei Computer-Simulationen schon bewiesen worden.

America’s Cup Know How

Und auch Untersuchungen der Technical University Graz sollen zeigen, dass V_REX sich so stabil vorwärts bewegt, dass nur minimaler Auftrieb von den Tragflächen im Wasser notwendig ist.

V_REX Foiler

Draufsicht. Mehr Flugzeug als Segelboot. © Steinkogler

Bisher ist V_REX nur ein Konzept. Aber der Österreicher, der selber eine Olympia-Kampagne absolvierte und 17 nationale Titel gewonnen hat, ist kein Einzelkämpfer, sondern hat seine Arbeit Spezialisten aus der America’s  Cup Szene vorgelegt, die ihre Unterstützung zugesagt haben.

Mit ihnen arbeitet er an der Realisierung eines tragfähigen Budgets. Ob V_REX Realität wird, bleibt abzuwarten. Aber Steinkogler ist davon überzeugt, ein revolutionäres Segelboot bauen zu können, das sich auf dem Wasser “schneller und sicherer vorwärts bewegt als alle Segelfahrzeuge, die wir bisher kennen”

V_REX Website

V_REX Foiler

Die Flügel stehen im Winkel von 33 Grad vom Rumpf ab. © Steinkogler

V_REX Foiler

Aufrechter Vorwind-Modus. © Steinkogler

 

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Carsten Kemmling

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2 Kommentare zu „Speedsegeln: V_Rex King of Speed – Konzept für neuen 60-Knoten-Segler aus Österreich“

  1. avatar christian1968 sagt:

    Ich find’ sowas ja wirklich interessant und spannend, aber sich das durchsetzt und dann die
    Häfen voller Halberg Rassys und Hanses mit solchen Flügeln sind, klappern nicht mehr die Fallen am
    Mast, sondern diese Ausleger am Hafenmeisterhäuschen 🙂

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 7 Daumen runter 2

    • avatar Philipp sagt:

      Der V Rex ist ja offensichtlich nicht zum Blauwassercruisen gedacht. Oder Glaubst du ein AC72 Kat steht neben einer Bavaria….

      Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 6 Daumen runter 3

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