Strandkat-Weltumseglung: Yvan Bourgnon – Zusammenstoß mit Fischer

Flaute, Stecker, Kollision

Bourgnon erzählt mit bezeichnenden Gesten von seinem Stecker

Im Roten Meer war’s unerwartet ruhig, die ägyptischen Zollbehörden waren übelst gelaunt und im Mittelmeer warteten mehr Überraschungen. Mit einem Bourgnon wird es nie langweilig!

„Eigentlich waren das die schönsten Segeltage, seitdem ich von Sri Lanka aus mit dem neuen Boot zum letzten Drittel meiner Weltumseglung gestartet bin!“ Der Schweizer Yvan Bourgnon spricht von den ersten Tagen im Roten Meer, wo er auf edlen Reach-Kursen, bei angenehmen Windstärken die besten Tagesetmale seiner Weltumseglung schaffte (SR berichtete mehrfach). Und ausgerechnet vor diesem Teilstück seines Abenteuers hatte er wegen der Piratengefahr reichlich Respekt!

Weltumseglung, Yvan Bourgnon, Strandkat

GPS-Hasser: Navigiert wird nur wie es die Altvorderen auch gemacht haben © defi bourgnon

“Warum hängt der Außenborder nicht mittig?”

„Statt permanenter Angst konnte ich endlich mal durchatmen, das Segeln genießen und mich darauf freuen, dass ich in gar nicht mal so langer Zeit den Kreis schließen werde!“

Doch wer seine Weltumseglung in einem offenen Strandkat, ohne Schlupfkajüte, dafür aber mit asketisch hartem „Schlafsofa“ aus Karbon, bei SegelReporter mitverfolgt hat, der ahnt schon, dass dieser entspannte Cruising-Modus wohl nicht von langer Dauer sein wird. Denn auf dem Weg zum nächsten Nadelöhr seiner Reise nahm der Schiffsverkehr logischerweise enorm zu, “ich lief Tag und Nacht Gefahr von einem dieser Riesen unbemerkt überfahren zu werden”.

Weltumseglung, Yvan Bourgnon

Nur ein kleines Nickerchen, nach durchwachter Nacht © defi bourgnon

Vor der Einfahrt in den Suezkanal, eine weitere Hürde: Die Bürokratie in Person einiger falscher und echter Beamte, wichtigen und weniger wichtigen Uniformierten und Kassierern. Um es kurz zu machen: Als erfahrener Weltenbummler und Seemann wusste Bourgnon, wem, wieviel und vor allem wann ein Bakschisch zugesteckt werden musste. Es lief also zunächst alles glatt.

Da ein Befahren des Kanals nur unter Segeln verboten ist, musste Yvan einen uralten Außenborder von einem Ägypter, der rein zufällig gestern fertig restauriert wurde, kaufen. Einmal am Heck des Kats angebracht, wollte das Teil aber nicht mehr funktionieren – was sich keiner der zahlreichen Zuschauer erklären konnte. Also langwierige Reparatur des „wie-neu-Motors“, untermalt mit zahlreichen, ungemein wertvollen Ratschlägen in Arabisch.

Weltumseglung, Yvan Bourgnon, Strandkat

Ganz zen bleiben, jetzt keine Nerven zeigen! © defi bourgnon

Doch kurz vor dem Einlaufen in den Kanal, als alle Verabschiedungen erledigt waren, kam dann doch noch einer auf die Idee, den sowieso so fremdartig aussehenden Strandkat auf seine Sicherheit zu überprüfen.

Mit Fragen wie: „Warum der Außenbordmotor nicht in der mittigen Schiffsachse angebracht sei“, brachte man Bourgnon dann doch an den Rand des Nervenzusammenbruchs. Als dann auch besagter Beamter den Motor auf seine Funktionalität überprüfte, indem er ihn minutenlang voll aufdrehte, daraufhin die Halterung sich löste und das (zum Glück mit einem Tampen gesicherte) Gerät ins Wasser hüpfte, da war es kurz, ganz kurz nur um die Geduld des Weltumseglers geschehen.

Eiskaltes erwischt

Natürlich ist das schnell vergessen, wenn man denn endlich, endlich wieder in eher heimatlich anmutenden Meeren unterwegs ist. Das „Mare Mediterraneum“ , letztes großes Wasser bevor der Weltumrundungskreis im Atlantik geschlossen wird, zeigte sich zunächst von einer ganz ungewöhnlichen Seite.

Als der Segler Richtung Sizilien steuerte, war es zunächst einmal… saukalt! Tagelang blieb Bourgnon in seinem Trockenanzug, zwischendurch stellte er sogar seinen persönlichen Bekleidungsrekord ein: Vier Schichten Pullis, Shirts und Faserpelz unterm Trocki, dazu kältesteife Finger bei Temperaturen teilweise unter fünf Grad Celsius – das hätte alles ein wenig freundlicher sein können.

Weltumseglung, Yvan Bourgnon, Strandkat

“Mal wieder reichlich Schwein gehabt!” Bourgnon rammt einen Fischer, aber ohne Schäden © defi bourgnon

Als es dann wärmer wurde, kam die Flaute: tagelange Dümpelpassagen, eingekeilt zwischen riesigen Fischfangflotten. „Viel geschlafen habe ich nicht,“ betonte er bei einem Landgang auf Malta lapidar.

Die Schwachwindzonen wurden mit plötzlichen einfallenden Böen aufgemischt, die Bourgnon „schlimmer als im Atlantik oder Pazifik“ empfand. Einmal fuhr er nachts einen Stecker, blieb sekundenlang („eine gefühlte Ewigkeit“) mit dem Heck in der Luft stehen und klatschte dann zur Seite. Ein kleines Stoßgebet… und Bourgnon entkam knapp seiner dritten Durchkenterung während seiner Weltumseglung.

Schlafend in die Beinahe-Katastrophe

Und dann war da noch diese Kollision. Einer dieser Umstände, bei denen man sich fragt, ob diese wilden Vögel im Stile eines Yvan Bourgnon nicht doch einen besonders effizienten Schutzengel haben. Der zwar gerne mal ein wenig spät eingreift, aber immerhin eingreift.

Nach einer durchwachten Nacht zwischen Handelsschiffen, Unmengen Fischerbooten und durchreisenden Fischfangflotten, war Yvan Bourgnon im ersten Tageslicht eingeschlafen. Ähnliche Situation wie vor seinem Schiffbruch an der Küste Sri Lankas: Aus den paar Minütchen wurde wohl eine halbe Stunde, in der eine weitaus größere Strecke als geplant zurückgelegt wurde. Irgendwann tauchte dieses (arbeitende) tunesische Fischerboot auf, das – Murphys Law – Bourgnons Katamaran gepflegt rammte.

Weltumseglung, Yvan Bourgnon, Strandkat

Wie kann das überhaupt möglich sein: Weltumseglung auf so einer Kiste © defi bourgnon

„Es war mal wieder alles meine Schuld,“ gab der Schweizer kurz darauf über Funk zu. „Die Typen waren am Arbeiten, ich muss ausweichen und vor allem aufpassen, wohin mein Kat segelt!“. Da der Wind jedoch eher verhalten blies und der Kat mit relativ wenig Beseglung fuhr, hatte die Kollision nur Kratzer verursacht. „Die Fischer waren entspannt, kontrollierten kurz ihre Seitenwand und winkten dann freundlich, ich solle weiterfahren!“ berichtet Bourgnon auf seiner Facebook-Site.

Nach kurzer Inspektion seiner Bugpartie, machte sich dann auch Bourgnon wieder auf seinen Weg. Und als wollten die Götter alles wieder gutmachen, schickten sie genehme Winde für stundenlange Surf-Strecken mit Speed um die 18 Knoten.

Die Straße von Gibraltar und der Atlantik locken. Und dann nur noch mal eben schnell hoch nach Ouistreham im Ärmelkanal, dem Ausgangsort der Weltumseglung. Peanuts, eigentlich. Doch Bourgnon wird schon dafür sorgen, dass es spannend bleibt.

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Michael Kunst

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