Superyacht: Baltic verleiht seinem neuen 142 Fußer Flügel mit Ainslie-Know-How

Auftrieb für Baltic

Die finnische Werft Baltic Yachts hat Details seiner 43.3 Meter langen segelnden Superyacht Baltic 142 Custom veröffentlicht, die 2019 ausgeliefert werden soll. Erstmals bei einer so großen Yacht sorgt ein Unterwasser-Flügel für bessere Leistungsdaten.

Baltic 142

Die Baltic-142 Custom weist eine verschiebbare Tragfläche im Rumpf auf. © Baltic

Baltic spricht medienwirksam davon, den ersten Superyacht-Foiler entwickelt zu haben und erzeugt damit das Bild der fliegenden America’s Cup Katamarane im Kopf. Und der Hinweis darauf, dass Know How aus einer Kooperation mit Ben Ainslies America’s Cup Team BAR eingeflossen ist, deutet in die gleiche Richtung.

Aber so ist es dann doch nicht. Es geht nicht um echtes Abheben, sondern das Dynamic Stability System DSS. Dabei entwickelt eine nach Lee aus dem Rumpf geschobene Tragfläche höhere Stabilität und das Kielgewicht kann reduziert werden.

Der australische 100 Fuß Supermaxi “Wild Oats XI” griff schon auf dieses System zurück, um das Sydney Hobart Race erneut zu gewinnen. Ziel war es, bei harten Raumgängen mehr Auftrieb im Vorschiff zu erreichen. Der Flügel ist inzwischen aber wieder abgebaut worden, um Gewicht zu sparen.

Wild Oats XI

Auf der Planke. 2,75 Meter kann das DSS Schwert per Hdraulik seitlich aus dem Rumpf gefahren werden. © Andrea Francolini

Auch der DSS-Flügel bei der Baltic 142 Custom ist schwer und hat gewaltige Dimensionen. Er kann bis zu neun Meter auf beiden Seiten aus dem Rumpf geschoben werden. Eine Konstruktion aus vier Reihen mit 25 Kugellagern in Titan-Kassetten macht die Bewegung möglich.

Bei Baltic heißt es, das System sei schon bei kleineren Yachten getestet aber noch nie auf so einer großen Superyacht angewandt worden. Dahinter steckt insbesondere das Know How der französischen Werft Infiniti Performance Yachts, die auch einen 46 Fußer auf Querflügeln durchs Wasser schäumen lässt.

Fliegen mit dem DSS-Prinzip

Die extremere Variante ist dann der Quant23 Foiler, der sich wie der Mini SEAir  mit dem DSS-Prinzip gänzlich aus dem Wasser hebt. Dazwischen bewegen sich die Semi-Foiler der IMOCA-Klasse, die nur bei bestimmten Bedingungen die benetzte Fläche des Rumpfes verringern können.

Davon ist die schwere Superyacht weit entfernt. Schließlich soll das Schiff Luxus-Kabinen für bis zu acht Gäste bereitstellen und mittschiffs eine umfangreiche Eigner-Kajüte. Aber der Flügel soll den Top-Speed der Yacht um 5 bis 20 Prozent erhöhen.

 

Baltic 142

Die Mechanik des Foils. Es wird durch den Rumpf geschoben und sorgt in Lee für Auftrieb. © Baltic

Mit dem Projekt kann sich Baltic mal wieder positiv in den Schlagzeilen positionieren. Zuletzt war die Werft insbesondere durch die Fehde der Millardäre Näder und Happel ins Gerede gekommen.

Der Spiegel hat den “Ärger unter Reichen” aufgegriffen. Der Disput soll ernste Folgen für die finnische Werft haben können, die Hans Georg Näder auch für den Bau seiner eignen Superyacht “Pink Gin VI” übernommen hat.

Otto Happel besteht auf die Übernahme der Kosten einer Mängelbehebung für seine 2011 bei Baltic entstandene Superyacht “Hetairos”.  Der Streitwert soll 30 Millionen Euro erreicht haben. In den ersten zwei Jahren nach der Auslieferung habe der Zweimaster wegen Ausfällen und Reparaturen 500 Tage in der Werft verbracht bis Happel genervt eine Runderneuerung bei der niederländischen Werft Vitters für rund 23 Millionen Euro beschloss.

 

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Carsten Kemmling

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