Technik: Hydroptère-Erfinder Alain Thébault entwickelt “Sea Bubble” Foiler-Taxis

Rekordsegler auf neuen Wegen

Wassertaxi, Foil, Umwelt

Das Auto auf Foils wird elektrisch angetrieben © sea bubble

Im Elektromotor-Taxi auf vier Foils buchstäblich über die Seine flitzen – Alain Thébault wird dem Segeln untreu und bleibt dennoch seiner Leidenschaft fürs “Fliegen über die Wasser” verbunden.

Eins muss man Alain Thébault lassen: Der Mann hat Biss. Er bleibt an seinem Thema, ohne „wenn“ und „aber“, ein Leben lang. Seit seiner Kindheit träumt der leidenschaftliche Bastler, später Techniker, Segler und Wissenschaftler davon, Boote über die Wasser zu heben und „fliegen“ zu lassen.

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Alain Thebaults “Sea Bubble” – ein Wassertaxi auf Foils © sea bubble

Und kein anderer Sportsmann hat sich dieser Idee so konsequent verschrieben, wie der heute 53-Jährige. Auf seinen legendären „Hydroptère“-Rennern brach er mehrere Geschwindigkeitsrekorde und zeigte der Welt, dass die Zukunft des Segelns knapp über der Wasseroberfläche liegt.

Nur auf hoher See hatten Thébault und sein „Dreamteam“ (u.a. die Hochseestars Parlier und Le Cam) bisher wenig Glück: In den Wellen und Wetterkapriolen der Meere wollte noch kein Hydroptère-Rekord gelingen. Worauf sich die bis dato treuen Sponsoren nach teils episch langen Wartezeiten auf geeignete Wetterfenster, beispielsweise für einen Trans-Pacific-Rekord, etwas dünne machten.

Die Töchter wollten mal was anderes

Wie so oft im Leben, kam auch für Thébault ein neuer, zündender Gedanke aus einer unvermuteten Richtung. Als er von einer seiner langen Wartephasen im fernen Kalifornien wieder nach Frankreich zu seiner Familie zurückkehrte, nölten die beiden Töchter, er möge doch mal was Sinnvolles mit seinem ganzen Wissen über Hydrodynamik, Foiltechnik, Ressourcenschonung etc. anfangen.

Wassertaxi, Foil, Umwelt

Alain Thébault auf Hydroptère in seinem Element © hydroptere

„Wie wäre es zum Beispiel mit einem Beitrag zur Reduzierung der Luftverschmutzung in den Metropolen?“ Worauf sich für Thébault die Frage stellte: „Wie kann man mit Booten auf Foils die Luft sauber halten?“ Die Antwort ist einfach: Indem sie schmutzige Transportmittel ersetzen!

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So könnte es aussehen, wenn zukünftig “Uber” seine Sea Bubble Wassertaxis über die Seine schickt © sea bubble

So entstand die Idee zu Thébaults „Sea Bubble“. Die kleinen und knuffigen, an Kleinwagen auf Stelzen erinnernden Kabinenfahrzeuge, werden von Elektromotoren angetrieben. Ab einer Geschwindigkeit von ca. 10 km/h heben sie sich auf vier Foils, wodurch der Wasserwiderstand deutlich reduziert wird. Weniger Widerstand ergibt weniger Energieverbrauch und der elektrische Antrieb verzichtet sowieso (in der Anwendung) auf lästigen CO2-Ausstoss.

Sponsoren begeistert

Mit dem Konzept im Portfolio machte sich Thébault auf Sponsorensuche. Und wurde schnell fündig: Das HighTech-Unternehmen Parrot (produziert u.a. für die Automobilindustrie, für Smartphones und Tablets sowie für zivile Drohnen) stieg als Hauptsponsor ein und die Bürgermeisterin von Paris wünschte sich in einem Schreiben an Thébault, Paris möge die erste Metropole sein, auf deren Gewässer die „Sea Bubbles“ eingesetzt werden.

Gesagt, getan. Mit der Star-Designerin Coqueline, die für das Projekt ein eigenes Start-Up gründete und gleich mal 100.000 Euro investierte, entwarf Thébault das Outfit des neuen „Kabinenbootes auf Foils“. Die „Sea Bubble“, in dem vier Personen Platz finden, soll zunächst als eine Art Wassertaxi eingesetzt werden.

Später sieht Thébault sein Elektroboot auf Foils auch für die private Nutzung geeignet. Die Kosten des derzeit noch auf 18 km/h gedrosselten Elektro-Foilers schätzt er als Serienprodukt auf 13.000 Euro. Die ersten Prototypen sollen in diesem Sommer über die Seine foilen.

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Sea Bubble vor dem Wahrzeichen von Paris © sea bubble

Der Automobilhersteller Renault und Unternehmen wie „Uber“ sowie lokale Taxi-Flotten haben bereits großes Interesse bekundet. Auch, weil die Stadt offenbar den Einsatz der umweltfreundlichen Taxis finanziell unterstützen will. Andere Metropolen sollen sich ebenfalls bereits gemeldet haben, allerdings wurde die Nachricht, dass auch London in Kürze Sea Bubbles auf der Themse einsetzen wird, wieder dementiert.

Wirklich effizient?

Überhaupt haben sich mittlerweile einige kritische Stimmen zu dem Projekt gemeldet. Da Paris nun nicht gerade eine von Kanälen durchzogene Stadt ist wie etwa Venedig oder Amsterdam, wird der verkehrsstrategische Nutzen der „Sea Bubbles“ zumindest angezweifelt. Und ob sich Taxi-Unternehmen darauf einlässt, für einen „Sea Bubble“ auch tatsächlich ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor aus dem Verkehr zu nehmen, sei dahingestellt.

 

Selbst die Idee zum Prinzip als solchem kann sich Thébault nicht auf die Fahnen schreiben. So flitzen schon seit einigen Jahren Elektromotorboote, wie etwa die slowenischen „Quadrofoils“, ziemlich zügig auf vier Foils über die Wasser. Thébault ist allerdings sicher, dass sich diese Art der urbanen Personenbeförderung nicht nur in Paris durchsetzen wird. „Sea Bubble“ habe Zukunft, beteuert der Tragflächen- und Foil-Pionier immer wieder. 2017 soll das Wasserfahrzeug in Serie gehen…

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Michael Kunst

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