Technik: Weltgrößtes Schiffshebewerk beginnt Testbetrieb – erste Videoaufnahmen

Gigantomanisch oder monumental?

An der chinesischen Drei-Schluchten-Talsperre wird auch beim Schiffshebewerk mit Gigantomanie nicht gespart. Trotz aller ökologischen Bedenken: die Technik ist beeindruckend.

Wohl kaum ein anderes Großbauprojekt auf der Welt war und ist so umstritten wie die Drei-Schluchten-Talsperre in der Volksrepublik China. Mit ihr soll endlich der 6.380 km lange Jangtsekiang-Fluß (drittlängster Fluß der Erde) gebändigt werden. Der Strom verursachte unzählige Überschwemmungskatastrophen im Laufe der chinesischen Geschichte; zuletzt kamen 1954 mehr als 30.000 Menschen ums Leben und beim Hochwasser 1994 entstand ein Sachschaden von umgerechnet 20 Milliarden Euro.

Seit dem Baubeginn 1994 steht das Drei-Schluchten-Projekt in der weltweiten Kritik. Die ökologischen Folgen des Monumentalwerkes – der Fluss wird auf eine Länge von mehr als 600 Kilometern gestaut – sind gewaltig; 1,3 Millionen Menschen mussten umgesiedelt werden, 13 Städte und 657 Fabriken wurden überflutet; die geologischen Gefährdungspotentiale können nur geschätzt werden und die soziokulturellen Folgen des Projektes sind unabsehbar.

Deutsche beteiligt

Dennoch hielten die chinesischen Regierungen und ihre internationalen Geldgeber – das Projekt wird allerdings hauptsächlich vom chinesischen Volk finanziert, das seit 20 Jahren eine Sondersteuer leistet – an ihrem mittlerweile 75 Milliarden Euro teuren Vorhaben fest. Seit 1994 wird an der Talsperre, dem Schiffshebwerk und dem Wasserkraftwerk gebaut. Das Deutsche Unternehmen Siemens lieferte Generatoren und Transformatoren, das Unternehmen Voith die Wasserturbinen.

Die Schifffahrt muss an der Staumauer eine Hubhöhe von 113 Metern überwinden. Dafür stehen eine zweizügige, aus fünf Schleusenkammern bestehende Schleusentreppe sowie nun ein Senkrecht-Schiffshebewerk nach dem Gegengewichtsprinzip bereit.

Aus Sicherheitsgründen entschied sich der chinesische Staatsrat für ein „Schiffshebewerk mit Zahnradantrieb und Drehriegelmutterbackensicherung“ und gegen ein System mit Seilwindenaufzug.

Die Planung und Durchführungsüberwachung wurde 2004 der German Design Group übergeben, ein Deutsches Joint Venture.

Technische Daten: maximale Hubhöhe 113m, minimale Hubhöhe 71m. Maximale Tragfähigkeit: 3.000 Tonnen. Bewegte Masse: 34.000 Tonnen. Fahrtzeit: 21 Minuten. Betriebsfahrten pro Tag: 18 Auf- und Abfahrten.

Trotz aller ökologischen und soziokulturellen Bedenken: Das Video zeigt eine beeindruckende Technik in einem monumentalen Bauwerk. Am kommenden Sonntag soll das Schiffshebewerk in die offizielle Testphase unter realen Bedingungen gehen.

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Michael Kunst

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