Tourensegeln: Nonstop auf dem F-18 Katamaran durch die Dänische Südsee

Schlaflos vor Samsø

26 Stunden, 380 Kilometer, gefühlt null Schlaf und nie genug Kekse an Bord. Bericht und Video eines kultigen Abenteuers.

Zwei eingefleischte Capricorn-F18-Segler, die bisher eher die Kieler Förde unsicher machten und nur selten weiter als die üblichen Dreiecks- oder Up-and-Down-Kurse gekommen sind, wollten endlich wissen, ob es hinterm Horizont tatsächlich noch weiter geht. Einfach mal nonstop mit dem Katamaran durch die Dänische Südsee fahren. Nur kurz, sogar ohne Hund (!) an Bord.

Entspannt im Touren-Modus © Raben

Entspannt im Touren-Modus © Raben

Und weil sich Martin Raben und Sebastian Zabel letztes Jahr bei genau diesem Abenteuer ganz offensichtlich köstlich amüsierten, wollten sie es sozusagen für die Nachwelt und sonstigen Interessierten verewigen. Nicht wie üblich durch mündliche Überlieferung („es nervt, wenn man andauernd die gleiche Geschichte erzählen muss!“) sondern in Form eines detaillierten, schriftlichen Berichts. Erfrischend locker und durchweg stilsicher geschrieben, mit überraschenden Wendungen und manchmal etwas abstrusen Gedankengängen, umwabert den Text ein Hauch von Kultcharakter.

Zum Anfixen einige Textauszüge zu ausgewählten Themen.

Zeitraum

Es ist Herbst und der Regattakalender neigt sich der norddeutschen Pizza aus Wismar zu. Der ideale Zeitpunkt um die freigewordenen Kapazitäten des Segelhobbys eben wieder mit diesem zu füllen.

Kurz, knapp klar die Verabredung © raben

Kurz, knapp, klar die Verabredung © raben

Im passenden Coworking Space ‚Bierkneipe Wubke’ und in Anwesenheit leerer Bierhumpen zeichnen nun also abwechselnd Skepsis und Selbstüberschätzung die unterschiedlichsten Routen wild in die Dänische Südsee ein. Mit ein paar Strichen ist alles erreicht – erstaunlich, wie einfach und schnell man in der bequemen Bar doch Verreisen kann.

Wetterprognosen

Eine richtige Vorhersage wird dann mit einer präpotenten Selbstverständlichkeit hingenommen, die Falschaussage rückwirkend mit verwirrender Verwendung jüngst aufgeschnappter Wetterphänomene unlogisch erklärt. Jaja, Windfinder meldet grundsätzliche zu viel und Windguru zu wenig Wind, je nach Tagesform aber auch mal andersherum. Dem DWD sind die Segler mittlerweile egal, der Däne lügt und der Hundertjährige steigt aus dem Fenster und nimmt hoffentlich mal seinen scheiß Kalender mit.

Ernährung

Auch wurde kurzfristig mit dem Gedanken gespielt zwecks Minimierung der Stuhlfrequenz eine ballaststoffarme Ernährung in Form von Astronautennahrung einzunehmen, aber Juri Gagarins Speiseplan in Ehren, wir machen hier Urlaub!

Frühstück is' fertig! © raben

Frühstück is’ fertig! © raben

Mittagessen ist wahlweise eine kalte Dose Ravioli oder ein kalter Reistopf – etwas nachgesalzen. Dies ist jetzt nicht direkt unserem Ernährungsplan und der Vorstellung eines ausgeglichenen Elektrolythaushalts, wohl aber unserem Bootsdesign und der vorherrschenden Wellenhöhe geschuldet.

Ausrüstung

Notmesser, Signalstab, Knicklicht, Handy, Funkgerät, Kompass, Kopflampe, GPS, AIS, und aufblasbare Fahne gehören zur persönlichen Ausrüstung und haben, auch wenn es sich anders anhört, nicht wirklich der Bewegungsfreiheit geschadet.

Schlafmanagement

Vielleicht ist dies auch eine Gewöhnungssache, welche sich zu Hause gut trainieren lässt: Trockenanzug an, in die Badewanne legen und jemanden bitten einem in unregelmäßigen Abständen die Duschbrause kurz ins Gesicht zu halten – kalt, versteht sich.

So kommt man ja auch nie zum Schlafen! © raben

So kommt man ja auch nie zum Schlafen! © raben

Überraschungen auf See

Irritiert von der stehenden Peilung zum querliegenden Schiff, fahren wir schließlich an einem alten rostigen unbewohnt wirkenden Tanker vorbei, der da so fernab vom Land ankernd in den Wellen liegt. Ein Musterdrehort für einen Horrorfilm – hier bitte nicht kentern!

Schlafmanagement II

Die erste Runde lässt trotz der 34 Stunden Schlaflosigkeit mal wieder nur tief entspanntes Dösen zu – immerhin. Nach einem Wechsel und konsequentem Fahren auf einer Kufe schafft zumindest einer von uns bei den etwas trockeneren Verhältnissen einen Powernap von 20 Minuten.

Wellenhöhe

Wie die Fischgröße bei Anglern variiert die Wahrnehmung und Einschätzung von Wellenhöhen unter Seglern immer stark nach Stimmungslage, Betrachtungsperspektive und jeweiliger Zuhörerschaft. Wir sparen uns also den 15-Meter-Schnack und belassen es bei ‚subjektiv groß‘.

Die Einsamkeit auf See wird jäh unterbrochen © raben

Die Einsamkeit auf See wird jäh unterbrochen © raben

 Ankommen

Wie so häufig gibt es auch hier ein gutes Gefühl nur auf Kredit. Wer 26 Stunden vor dem Abbauen davonfährt ist anschließend so kaputt, dass ein konstantes Verhältnis zwischen Segelzeit und Abbauvergnügen dennoch gewahrt bleibt.

Was bleibt?

Der Capricorn F18 ist und bleibt ein gutes Boot – Es gibt nie genug Kekse an Bord – Aufgeweichte Hände trocknen wieder – so viel Welle in der Dunkelheit muss nicht noch mal sein – Kaffeeentwöhnung ist hart, aber machbar – Wochenendabenteuer sind möglich – Murphy’s Law hat uns dieses Mal verschont – Tourentauglich wird im Kopf definiert…

Website mit vollständigem, sehr lesenswertem Bericht

Hinterm Horizont geht doch noch weiter © raben

Hinterm Horizont geht doch noch weiter © raben

Spenden
https://northsails.com/sailing/3di-nordac

7 Kommentare zu „Tourensegeln: Nonstop auf dem F-18 Katamaran durch die Dänische Südsee“

  1. avatar Jörg Gosche sagt:

    Cool!

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  2. avatar Arwed Wolf sagt:

    Wunderschönes Abenteuer und reife sportliche Leistung. Große Klasse und meinen Respekt !

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  3. Sehr schön! Wenn ihr demnächst ‘nen Hund braucht, sagt Bescheid.

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    • avatar Sven 14Footer sagt:

      Du willst doch nicht etwa Polly ausleihen oder weggeben! Ich vermute, dass würde Sie Dir sehr übel nehmen.

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  4. avatar Kluchschieter sagt:

    Sehr coole Nummer und wirklich klasse geschrieben!

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  5. avatar Stefan sagt:

    Unvernünftig, unseemännisch, verrückt. Dafür leben wir aber doch, dass wir auch das Unvernünftige und Verrückte machen.

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  6. avatar Erdmann Braschos sagt:

    Kühl

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