Einhandsegler strandet

Tragisches Ende für Lüchtenborg

Bernt Lüchtenborg, der Langfahrtsegler in besseren Zeiten © U. Röttgering

"Horizons" beim Stop auf Gran Canaria, wo Lüchtenborg die zweite Weltumsegelung in Gegenrichtung vorbereitete. © segelreporter.com

Der deutsche Einhandsegler Bernd Lüchtenborg (56) ist mit seiner “Horizons” in Chile gestrandet. Einem chilenischen Pressebericht zu Folge finge die lokalen Behörden in Puerto Williams am Mittwoch morgen um 7 Uhr ein Notsignal auf aus der Bahia Cook nahe Ushuaia. Sie schickten ein Suchflugzeug, das um 11:30 Uhr Sichtkontakt meldete. Die “Horizons” war auf die Felsen gespült worden. Als kurze Zeit später das Patrouillenboot “Sibbald” am Ort des Geschehens ein traf, war das Schiff schon halb gesunken.

Der Skipper befand sich in Sicherheit an Land. Er wurde von den Chilenen an Bord genommen und später per Helikopter nach Puerto Williams in ein Krankenhaus geflogen. Eine Wunde an der rechten Augenbraue wurde behandelt und der Splitterbruch des Unterarms, den er vor ein paar Tagen im Sturm bei einem Knockdown seiner Yacht erlitten hatte. Auf Lüchtenborgs Homepage steht: “Die SY Horizons ist am Eingang des Beagle-Kanals (Chile) an die Felsen getrieben worden und dort zerschellt…Bernt Lüchtenborg ist soweit wohlauf und wird später nähere Informationen abgeben.”
Es ist nicht genau klar, wie es zu der Strandung gekommen ist. Nach Informationen von SEGELreporter.com hat Lüchtenborg seinen Rettern den Unfallhergang so geschildert, dass sich Kelp – eine Seetang Art – im Propeller seiner Yacht verfangen und den Motor lahm gelegt hat. Nachdem ein Versuch, den Propeller frei zu schneiden, gescheitert war, sei die Yacht bei Flaute auf die Felsen getrieben. Dort schlug sie leck und sank.

Lüchtenborg im Mast auf Gran Canaria. Eigentlich wollte er zweimal einhand nonstop in Hin- und Gegenrichtung um die Welt. Der Plan entpuppte sich aber als Schwindel. © segelreporter.com

Erich Wilts, der mit seiner Yacht Freydis jahrelang die Gewässer um Feuerland besegelt hat, zeigt sich auf Nachfrage von SEGELreporter.com erstaunt, dass Kelp einen über 130 PS starken Bootsmotor abgewürgt haben soll. Während der vielen tausend Meilen, die er in diesen Gewässern gesegelt ist, wurde nach seinen Angaben der deutlich schwächere Motor seiner Yacht selbst beim Durchfahren großer Kelpfelder nicht einmal gestoppt. Dass eine Yacht in der Bahia Cook selbst bei Flaute an den Felsen zerschellen kann, hält der erfahrene Segler dagegen für gut möglich, da selbst in diesen auf der Karte geschützt aussehenden Gewässern oft ein starker Schwell steht, der eine Yacht mit erheblicher Wucht auf die Felsen schlagen lassen könne.

Dennoch bleibt die Frage, wie die Yacht so schnell sinken konnte, bevor Hilfe eintraf. Über die Konstruktion des Rumpfes der Horizons ist auf Lüchtenborgs Homepage folgendes zu lesen:

„Der wesentliche Sicherheitsfaktor ist jedoch die spezielle Konstruktion des Rumpfes.Das Schiff verfügt über 3 Schotten! Das erste Schott befindet sich 1,5 m hinter dem Heck. Das zweite Schott wird durch die Achterwand des Deckshauses gebildet, das dritte Schott befindet sich 2 m hinter dem Bug. Zwischen dem mittleren und vorderen Schott sind die Tanks für Diesel, Wasser und Brauchwasser in den Schiffsrumpf eingeschweißt und bilden somit in Höhe der Wasserlinie funktionell eine zweite Außenhaut. Bei einem Riss oder Loch des Rumpfes in diesem Bereich tritt lediglich Wasser oder Diesel aus, doch Seewasser gelangt nicht in das Schiff.
Der Kiel ist selbstverständlich nicht angeschraubt, sondern fest in die Rumpfstruktur integriert und eingeschweißt. Der Kiel verfügt über zwei Horizontalschotten, sodass bei einer Beschädigung des Kieles ebenfalls kein Wasser in das Schiffsinnere eindringt. Die gesamte Konstruktion ist derart stabil, dass bei einer Kollision keine wesentliche Beschädigung eintritt.“

Ein früherer Eigner der „Horizons“ sagte gegenüber SEGELreporter.com: „Die Yacht ist eine der Sichersten, die ich je gesegelt bin. Man muss schon ein Künstler sein, um dieses Boot zu versenken.“ Nach Angaben des Voreigners betrug die beim Verkauf der Yacht an Bord vorhandene Lenzkapazität rund 40 Tonnen Wasser pro Stunde. Ob die Pumpen auf Lüchtenborgs Reise noch an Bord waren, ist allerdings nicht bekannt.

Der Konstrukteur der Yacht Horst Glacer sagt allerdings auf Nachfrage, dass es sich bei den Schotts nicht um wasserdichte Abtrennungen handelt wie bei dem Schwesterschiff der “Plejades” von Trans Ocean Preisträger Reimar Böttger. Nur der Maschinenraum sei wasserdicht abgeschottet. “Das Schiff besitzt keine Leckstabilität”, sagt Glacer. Ein Versinken des Schiffes durch ein von Felsen verursachtes Loch sei durchaus möglich.

Aber es ist unklar, warum Lüchtenborg die chilenische Marine, die die dortigen Gewässer und die dort segelnden Yachten gewöhnlich mit großer Sorgfalt überwacht, nicht rechtzeitig zu Hilfe holen konnte.

Lüchtenborg hatte nach eigenen Angaben den Beagle-Kanal angesteuert, um ein Problem mit seiner Windselbststeueranlage zu beheben. Er wollte einen Reparaturstopp einlegen, um ein gebrochenes Teil seiner Aries Selbststeueranlage zu ersetzen. Experten waren erstaunt, weil die Mechanik dieser Anlagen in Seglerkreisen als nahezu unzerstörbar gilt.

Lüchtenborg hat sich in der Vergangenheit eher durch den geringen Wahrheitsgehalt seiner Geschichten hervorgetan. Deshalb wird sich wohl schwer rekonstruieren lassen, was wirklich passiert ist. Tragisch ist, dass er nach einem Totalverlust in den 90er Jahren bei Kuba jetzt sein zweites Schiff verloren hat. Das wünscht man niemandem

Zum Thema:
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Carsten Kemmling
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