Trans Ocean e.V. : Ungeklärter Verbleib von 18.000 Euro auf vom Verein betreuten Konto

Ex-Vorsitzender vor Gericht

Der ehemalige Vorsitzende des in Cuxhaven ansässigen Vereins Trans Ocean wird sich vor Gericht wegen des Vorwurfs der Untreue verantworten müssen, wie aus Justizkreisen zu erfahren war.

Die Staatsanwaltschaft in Stade hatte ursprünglich einen Strafbefehl über 80 Tagessätze verhängen wollen. Gegen diesen hat L,. ein auch in der Lokalpolitik aktiver Rechtsanwalt und Notar, Widerspruch eingelegt, weswegen es jetzt zu einer Verhandlung vor dem Amtsgericht in Cuxhaven kommen wird.

L. war im Herbst 2011 von seinem Amt als Vorsitzender der rund 5.000 Mitglieder zählenden Hochseeseglervereinigung zurück getreten, nachdem gegen ihn Vorwürfe wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten laut geworden waren.

Der neue Vorstand war trotz entsprechender Indizien nicht bereit, für den Verein in dieser Sache Anzeige zu erstatten. Dadurch, so ein mit dem Fall vertrauter Rechtsanwalt, habe man es bewusst in Kauf genommen, einen mutmaßlichen Straftäter mit einer Schädigung des Vereins in 5-Stelliger Höhe straflos davon kommen zu lassen.

Erst auf die Anzeige eines Vereinsmitgliedes hin nahm die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen auf. Beim Anklagevorwurf geht es im Kern um den ungeklärten Verbleib von ca. 18.000 Euro von einem vom Verein betreuten Konto.

Logo Trans_Ocean © TO

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft in Stade hat der ehemalige Vorsitzende das Geld rechtswidrig auf ein Notaranderkonto seiner Kanzlei überwiesen. Um den Vorgang nach außen zu legitimieren habe L. eine Vereinbarung aufgesetzt, die zwei ehemalige Gesellschafter einer Versicherungsagentur als Berechtigte des Geldes ausweisen sollte.

Ob sich L. durch den Vorgang auch selber bereichert hat oder das Geld an die in der Vereinbarung benannten Dritten weiter geleitet wurde, konnte bislang nicht geklärt werden.

Dem Vernehmen nach will L. das Geld an die angeblich Berechtigten ausgezahlt haben. Diese sollen allerdings den Erhalt des Geldes bestreiten. Gegenüber SegelReporter waren sie zu keiner Auskunft bereit. In einer SegelReporter vorliegenden Stellungnahme bezeichnet L. die Überweisung als rechtmäßig.

Zivilrechtlich geht der Verein gegen seinen ehemaligen Vorsitzenden neben der Rückforderung der 18.000 Euro doch noch in einer weiteren Angelegenheit vor.

L. war seit Jahren, ohne dass es den Vereinsmitgliedern bekannt war, Mitvermieter des Vereinsbüros in Cuxhaven und hat in dieser Eigenschaft nach Ansicht des neuen Vorstandes eine deutlich zu hohe Miete von Trans Ocean vereinnahmt. Hier geht es ebenfalls um einen fünfstelligen Betrag, den L. als ein Miteigentümer der Vermietergesellschaft zu viel kassiert haben soll. Inzwischen ist der Verein in neue Räumlichkeiten in der Nachbarschaft gezogen, die pro Jahr rund 5.000 Euro günstiger sind.

Aber auch an anderen Fronten hat der Verein den Juristen Arbeit verschafft: ein bekannter Vereinskritiker soll vom Vorstand durch eine Klage vor dem Landgericht Bremen zur Rücknahme von im Internet gemachten Äußerungen gezwungen werden. Vorher hat sich dieser schon einen juristischen Schlagabtausch mit der Zeitschrift „Yacht“ geliefert, die ihn in einem Kommentar mit einem islamistischen Hassprediger verglichen hatte. Das Gerichtsverfahren konnte die „Yacht“ für sich entscheiden.

Anfang Mai sah sich dann der TO Vorstand selbst mit der Androhung rechtlicher Schritte konfrontiert, nachdem er im vereinseigenen Newsletter über drei als kritisch bekannte Mitglieder rufschädigende falsche Tatsachen behauptet hatte. Erst kurz vor Ablauf einer gesetzten Frist kam es zu einer Richtigstellung.

Der Vorstand wurde zudem Mitte Mai von zwei Mitgliedern beim Amtsgericht Soltau mit dem Ziel verklagt, eine neue Satzung, über die auf der letzten Mitgliederversammlung abgestimmt wurde, beim Vereinsregister eintragen zu lassen.

Formaler Hintergrund dieses Streits ist, dass der Vorstand der Ansicht ist, dass die Satzung nicht die nötigen Ja- Stimmen erhalten habe, während die Kläger und eine Reihe anderer Vereinsmitglieder, die die Klage mitfinanzieren, die nötige Mehrheit in Einklang mit der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes als erreicht ansehen.

Kritiker vermuten allerdings, dass es dem Vorstand eigentlich darum geht, die in der neuen Satzung vorgesehene Möglichkeit, über Vereinsangelegenheiten auch rechtswirksam online abzustimmen, zu verhindern. Eine solche Regelung würde den zahlreichen auf Langfahrt befindlichen Vereinsmitgliedern erstmals ermöglichen, an der Willensbildung des Vereins teilzunehmen. Mit einem Urteil ist frühestens im Herbst zu rechnen.

Offen ist zudem ein Fall, bei dem ein ehemaliges Vereinsmitglied in Zusammenhang mit einer vom Verein organisierten Auslandsreisekrankenversicherung durch das mutmaßliche Mitverschulden des ehemaligen Vorsitzenden um rund 80.000 Euro geschädigt wurde. Auch wenn der Vorgang zivilrechtlich verjährt ist, sieht sich der neue Vorstand nach eigener Aussage hier in der moralischen Verantwortung und lässt derzeit anwaltlich prüfen, welche Möglichkeiten für den Verein bestehen, den Schaden ganz oder zum Teil zu ersetzen.

Kritiker, die dem Vorstand in diesem seit langem bekannten Fall eine Verschleppungstaktik vorwerfen, haben im Rahmen einer privaten Initiative unter Trans Ocean Mitgliedern inzwischen über 10.000 Euro gesammelt, um zeitnah zumindest einen Teil des Schadens zu ersetzen.

In Summe wurde mit den genannten Vorgängen bislang ein halbes Dutzend Anwälte beschäftigt und Kostennoten in Höhe von mehreren tausend Euro produziert, ohne dass substantielle Ergebnisse zu verzeichnen gewesen wären. Dies hat zu massiver Kritik am neuen Vorstand und dabei insbesondere dem neuen Vorsitzenden Martin Birkhoff geführt.

Ein langjähriges Vereinsmitglied, das namentlich nicht genannt werden will, bescheinigt dem aktuellen Vorstand daher „zwar guten Willen, aber hoffnungslose Überforderung bei der Bewältigung der Probleme“ und bemängelt, dass dem eigentlichen Vereinszweck, der Förderung des Hochseesegelns, „vor lauter rechtlicher und organisatorischer Baustellen faktisch kaum gedient wird.“.

All diese Querelen haben zu vielen Austritten von zum Teil altgedienten Mitgliedern geführt. Allerdings, so heißt es jedenfalls aus dem Verein, habe dies aufgrund zahlreicher Neuzugänge bislang nicht zu einem Rückgang des Mitgliederbestandes geführt.

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Uwe Röttgering

... der, der das Blauwasser Segeln liebt, aber zu immer schnelleren Schiffen tendiert - ob das am Einfluss von SR liegt ? ;o) Mehr findest Du hier.
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8 Kommentare zu „Trans Ocean e.V. : Ungeklärter Verbleib von 18.000 Euro auf vom Verein betreuten Konto“

  1. avatar Ketzer sagt:

    Au man, wenn man das alles so liest, kann man dem TO wohl nur empfehlen, den Verein aufzulösen und einen Neuanfang unter neuem Namen zu wagen. Geht ja gar nicht, so ein zerstrittener Haufen.

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  2. avatar Dirk sagt:

    Ich freue mich (auch für den TO selbst) auf die Zeit, wenn der Verein wieder durch Nachrichten aus dem Bereich des Hochseesegelns und dessen Förderung Schlagzeilen macht.

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  3. avatar lobo sagt:

    Das eigentliche Drama von TO ist, dass all diese Themen und Vorgänge seit langem bekannt sind – aber der Verein bzw. der neue Vorstand nicht in der Lage war, diese Altlasten schnell und konsequent zu bereinigen. Durch diese Salamitaktik in Minischritten schleppt sich der Verein jetzt schon viel zu lange durch eine (zu Recht) permanent schlechte Presse.

    Gleichzeitig wird durch die Blockade der Satzungsänderung eine demokratische, an den Interessen der Mitglieder auf weltweiter Fahrt orientierte moderne Vereinsstruktur verhindert.

    Irgendwann bleibt wirklich nur Auflösung und Neuanfang …

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  4. avatar Vereinsmeier sagt:

    Dank Google kann man mehr über dieses Theater in einem Versammlungsprotokoll nachlesen:
    http://www.trans-ocean.org/newhome/protokoll3-mv.pdf
    Warum der Verein das Protokoll öffentlich gemacht hat, obwohl auf der Versammlung Vertraulichkeit vereinbart wurde, verstehe wer will. Chaostruppe sage ich nur.

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  5. avatar Um Himmels Willen! sagt:

    Ein Blick auf den Kassenbericht lässt einen ja die Haare zu Berge stehe: http://www.trans-ocean.eu/Portals/0/Media/intern-media/protokoll_2012/6-erweiterte_kassenpruefung.pdf

    Gut, dass die nicht meine Kohle verjuxt haben!

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  6. avatar Ulli Jäger sagt:

    Wer braucht so einen Verein ?
    Um den Atlantik zu überqueren komme ich wunderbar ohne Verein aus.
    In der Regel reicht ein Boot .
    Wilfried Erdmann wäre vor seiner 1. Weltumsegelung sicher weder
    aufgenommen , noch unterstützt worden.

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  7. avatar TOler sagt:

    Jetzt sind die Kollegen von der Yacht auch auf das Thema gekommen, nachdem man diesen Saustall jahrelang schön geschrieben hat. Siehe http://www.yacht.de/panorama/news/neue-wendungen-im-fall-luetgebrune/a86521.html

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