Um die Welt: Jan Hamester hat bei seinem Einhand-Törn “unfinished Business” zu erledigen

"Jeden Tag ein Bier"

Jan Hamester (52) hat vor 14 Jahren seine Yacht bei einem Rekordversuch auf einem karibischen Riff verloren. Nun ist er zur ganz großen Einhand-Runde gestartet.

Der Hamburger Jan Hamester ist im City Sportboothafen von hunderten Zuschauern mit seiner Class40 “Roaring Forty” zum Törn um die Welt verabschiedet worden. Hamester will ab Brest Vollgas geben und dann nonstop die bestehende Rekordzeit für 40 Fußer angreifen.

Jan Hamester

Trubel in Hamburg bei der Abfahrt. © Hamester

Dafür vertraut er dem zehn Jahre alten Class40 “Roaring Fourty”, den er Ende 2015 für 60.000 Euro erworben und dann in gut 1500 Arbeitsstunden für den großen Törn fit gemacht hatte. “Wir haben das Unterwasserschiff vier Tage lang kärchern müssen, um den Bewuchs zu entfernen”, sagt Hamester dem Hamburger Abendblatt.

Taufrisch ist das Schiff vom Design-Büro Owen Clarke nicht mehr. Bei einer Class40-Regatta wäre damit kein Blumentopf zu gewinnen. Aber Hamester will ja auch nur gegen die Zeit antreten. Dabei jagt er den Nonstop-Rekord in der 40 Fuß-Division, den der Chinese Guo Chuan 2013 als erste Bestmarke auf 138 Tage festgesetzt hatte.

Tragischerweise ist genau dieser Chuan in der vergangenen Woche beim Einhandsegeln auf See verunglückt.  Aber der Unterschied ist groß, da der Chinese inzwischen mit einem Maxi-Trimaran unterwegs war. Doch das Unglück macht wieder einmal bewusst, wie groß die Gefahren beim Einhandsegeln sind.

Hamester hatte den 40-Fuß-Rekord von Guo Chuan angefochten, weil die Route nicht mit den Regularien übereinstimme. Aber nach dem Unglück nahm er davon Abstand. “Der Rekord soll er zu seiner Ehre stehen bleiben”, sagt er.  Und dann heißt es noch auf seiner Website: “Statt einer Rekordjagd ist und bleibt die Reise sowieso eine Hommage an Wilfried Erdmann und seiner Magischen Route”.

In der Karibik gestrandet

Also geht es nun doch nicht um den Rekord? Die Aussagen des Einhand-Skippers sind widersprüchlich. Aber vielleicht ist es auch müßig. Angesichts der möglichen Dramen auf See verblasst die Wichtigkeit der Jagd nach einer Bestzeit.

Hamester weiß das nur zu gut. Er hat schon einige böse Erfahrungen gemacht. Am schlimmsten war der Verlust des 40-Fußers “Jeantex III” auf einem Riff vor der Karibikinsel Barbuda, als der Einhand-Skipper den Cadiz-San Salvador-Rekord in Angriff genommen hatte.

Der gebürtige Bad Schwartauer war 2002 gestrandet und schließlich nach der Aktivierung seines Seenot-Senders gerettet worden. Die “Jeantex III” ging verloren und Quix veröffentlichte damals eine süffisante Todesanzeige. So ist Hamesters jetziger Versuch quasi eine Art “unfinished Business”.

Die "Todesanzeige" für den 40Fußer "Jeantex III" den Hamester auf einem karibischen Riff veerloren hatte.

Die “Todesanzeige” für den 40Fußer “Jeantex III” den Hamester auf einem karibischen Riff verloren hatte.

Hamester verfiel nach dem Unglück damals in eine tiefe Depression. Aber schon2004 startete erneut einen Anlauf, Schlagzeilen in der Shorthand-Szene zu schreiben. Er kündigte Aktivitäten auf dem französischen Figaro-Rennzirkus an, wo die besten Langfahrt-Solisten der Welt die Klingen kreuzen.

Er segelte 2005 sogar mit Jens Hülsebusch das Transat AG2R über den Atlantik und gründete ein Deutschland eine Klassenvereinigung, um das Schiff zu promoten. Aber nach der Langstrecke wurde das Schiff wieder verkauft.

Hamester verdiente Geld mit einer Zulieferfirma für Aluminium- und Kohlefaserbau und dann 13 Jahre bei der Bausparkasse BHW in der Immobilienfinanzierung. Aber seit 2008 versucht er, allein von der Segel-Branche zu leben. Er betätigt sich als Ausbilder, Charter- und Überführungsskipper.

Mit Tabak und Bier

Der klassische Vorzeige-Profi wie ein Boris Herrmann ist er nicht. Das lässt schon die Aussage vermuten, dass er nur bedingt auf die übliche, leichtgewichtige, gefriergetrocknete Nahrung zurückgreifen will und den ersten Monat “ganz normal” isst. Dazu gehört auch der Einsatz einer Schleppangel, jede Menge Tabak und ein Fass Bier. Jeden Tag will sich der Einhand-Skipper mit einer Kaltschale bei Laune halten.

Ob er mit diesem Treibstoff die Zeit des Chinesen tatsächlich schlagen kann? Chuan war in den Farben des österreichischen Brause-Herstellers unterwegs und hatte bekundet, sich mit dem klebrig-süßen Gesöff wach zu halten. Hamester setzt diesem Ansatz nicht nur Bier, sondern auch klassischen Kaffee entgegen.

Jan Hamester

Der erfahrene Skipper will nonstop um die Wlet. © Hamester

Schon 2008 hatte Hamester die Welt-Umrundung in einem kleinen Mini-Transat-Racer vom Typ Pogo angekündigt. Aber daraus wurde dann doch nichts. 2015 hatte der Skipper mit der Aussage überrascht, dass er “den deutschen Segelsport voranbringen” möchte, indem er als erster Deutscher bei der Vendée Globe teilnimmt. Aber das wollten auch schon andere. Dieses Argument scheint irgendwie bei Geldgebern nicht zu ziehen. Das Video unten zeugt von dieser Phase.

Erfolgreich waren die Versuche zur Geldbeschaffung nicht. Nun aber ist er wiklich gestartet, auch wenn es eine Nummer kleiner ist als der 60-Fußer.  Die Class40 “Roaring Forty” sollte technisch in der Lage sein, den Welt-Törn zu schaffen. Ein Spaziergang wird das nicht. Anfang des Jahres sind erst der Hamburger Hendrik Masekowitz und dann der Brite Joe Harris gescheitert. Nun ist parallel auch der Italiener Mura unterwegs.

Hoffentlich geht alles gut.

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Carsten Kemmling

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9 Kommentare zu „Um die Welt: Jan Hamester hat bei seinem Einhand-Törn “unfinished Business” zu erledigen“

  1. avatar jaaj sagt:

    Ich wette um nen Bier, dass er nicht rum kommt.

    Hatte er nicht mal in einem Yacht interview gesagt, dass er etwa gleichzeitig mit dem Vendee Globe Start in Frankreich sein will, und dann mit den letzten IMOCA’s zusammen fahren will, weil die etwa gleich schnell sind?

    Und jetzt macht er doch noch stopps in Glückstadt, Cuxhaven, Brest…. So kommt er bis Sonnabend nicht nach Le Sables.

    Wünsche ihm natürlich trozdem viel Glück

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  2. avatar Manfred sagt:

    Mast und Schotbruch für den geplanten, gewagten Törn, Jan.
    Mögest Du wieder heil zurück kommen und auch das Böötchen mitbringen!
    Gute Reise!

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  3. avatar Hamburger Jung sagt:

    Alkoholiker!!

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    • avatar Hamburger Jung sagt:

      Naja… So drastisch will man es vielleicht nicht formulieren: eine Persönlichkeit mit einer hohen Affinität zum Alkohol. Good winds! Und komme heil wieder ohne eine unbekannte Insel zu finden…

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  4. avatar Skeptiker sagt:

    Erst groß getönt, dass er von Hamburg nach Hamburg segelt. Dann in Hamburg mit großen Trara “gestartet” und erst mal nach Glückstadt gesegelt, um dort das Boot auszurüsten. Dann irgendwann der echte Start am Westausgang des Kanals. In der Yacht getönt, dass er die Vendee Globe Flotte jagen will, zumindest mit den alten Open 60 meint er mithalten zu können. Auf der Homepage getönt, dass er den aktuellen Rekord anfechten will. Begründung? Keine. Die Zeit von unter 130 Tagen reines Wunschdenken. Die Öffentlichkeit wird mit dem Törn einfach nur veräppelt.

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    • avatar Manfred sagt:

      So ist das leider in unserer PR WELT.
      Erst machen und dann tönen gilt nix mehr. Schafft kaum Aufmerksamkeit. Gibt da noch jede Menge Beispiele.

      Wünsche ihm trotzdem das er mal rumkommt. Auch wenn ich bezweifle das die Nerven halten bei der Bezwingung des Southern Ocean…in einem alten Vierziger…allein…

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  5. avatar Stefan sagt:

    Gute Reise Jan. Wir wünschen dir viel Glück.

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  6. avatar Axel sagt:

    ich denke es wird unfinished business bleiben..oder eher not-started-business…. auf was wartet der mann eigentlich genau in helgoland?

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 5 Daumen runter 7

  7. avatar martin sagt:

    hut ab ! erstmal nach allem erlebten wieder zu starten und träume zu leben meine wünsche zum erfolg sind dir jan gewiss

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