Umweltschutz: Traditionelles Lasten-Vaka segelt vor Fidschi-Inseln – Hilfseinsatz nach Zyklon

Lastensegler der Südsee

Sie transportieren Waren und Nahrungsmittel, retten Menschen nach Naturkatastrophen. Das Vaka „Uto ni Yalo“ ist Vorzeigeprojekt junger Umweltaktivisten im Pazifik.

Die Fidschi-Inseln haben zwei Gesichter. Zumindest behaupten das die Ureinwohner des Inselstaats im Südpazifik. Da wären zum Einen die Traumstrände und einsamen Buchten der größeren Inseln, die vor allem neuseeländische und australische Touristen in Scharen anlocken. Touristen, die dann in ghetto-ähnlichen Hotelanlagen ihren Jahresurlaub „verbraten“, ohne mehr als den Hausstrand- und Pool gesehen zu haben.

Südsee, Tradition, Umweltschutz

Uto Ni Yalo bei ordentlich Druck in der Luft © Uto Ni Yalo

Auf der anderen Seite, und das ist durchaus sinnbildlich zu verstehen, liegen die über 300, weit abgelegenen, meist schwach bevölkerten Inseln, deren Einwohner in der Regel nur sehr geringe Einkommen haben. Viele dieser Inseln werden zudem nur rudimentär versorgt, es gibt kaum regelmäßig bediente Schiffslinien, nicht selten legen Versorgungsschiffe nur alle paar Wochen an. 

Ein Umstand, den viele Zivilisationsmüde in unseren Breitengraden als paradiesisch bezeichnen würden, der jedoch vor Ort bei den Ureinwohnern existenzbedrohende Charakteristika aufweist. 

Dies zeigt sich vor allem nach Naturkatastrophen wie etwa dem Hurrikan „Winston“ 2016. Oft dauert es Wochen, bis entlegene Inseln der Fidschie-Gruppe von Hilfskräften angelaufen werden(SR-Bericht). 

Südsee, Tradition, Umweltschutz

An der Pinne wäre man/frau alleine etwas überfordert © uto ni yalo

Seit nunmehr acht Jahren wollen sich die traditionsbewussten Insulaner zumindest im Ansatz selbst helfen.  Mit dem Pilotprojekt „Uto ni Yalo“ besinnen sie sich auf ihre Wurzeln und segeln mit einem traditionellen Lastenkatamaran zwischen den Inseln ihrer Heimat. 

Vergessen geglaubtes Wissen wiederbelebt

Mit dem „Vaka“ (Kanu in der Landessprache) „Uto ni Yalo“ hat eine Selbsthilfegruppe gleichen Namens ein bislang einzigartiges, ökologisch ausgerichtetes Projekt ins Leben gerufen. Auf dem 22 Meter langen und sechs Meter breiten Boot wollen die (einheimischen) Initiatoren jungen Fidschie-Insulanern Einblicke in die Seefahrt-Tradition ihres Volkes geben. 

Denn deren einst von Mythen, Gesängen und Naturbeobachtungen (Strömungen, Windrichtungen, Wellen, Treibgut, Vögel) geprägtes Wissen ist nahezu vollständig verschollen. Nur noch wenig, bruchstückartiges Wissen um die alte Navigationskunst ist vorhanden. Ein Wissen, das es wiederzubeleben gilt. 

„Uto ni Yalo“ versteht sich als erstes Glied einer sich hoffentlich bald verlängernden Perlenkette.

Südsee, Tradition, Umweltschutz

Bei 70 cm Tiefgang kommt man an so ziemlich jeden Strand © Uto ni Yalo

Auf dem „Vaka“ werden junge Frauen und Männer der fidschianischen Bevölkerung zu Seeleuten und Umweltaktivisten ausgebildet. In Häfen, die von dem 2010 aus Fiberglas und Holz erbauten „vaka“ angelaufen werden, erhalten Schulklassen Gelegenheit, mehr über das seemännische Wissen ihrer Urahnen zu erfahren. 

Auf der „Uto ni Yalo“ ragen zwei gleich hohe Masten in die Höhe, auf denen insgesamt 96 qm Segelfläche gesetzt werden können – und das gleich wahlweise im traditionellen und „modernen“ Segelschnitt. Das 13 Tonnen schwere Schiff wird für Hafen- und Strandanlegemanöver von zwei Elektromotoren angetrieben, die 15,5 kW Schub leisten. 

Den dafür nötigen Strom liefern acht Solar-Panels mit einer Leistung von 1900 Watt. 

Der Riss der „Uto ni Yalo“ wurde übrigens nach Zeichnungen erstellt, die James Cook im 18. Jahrhundert bei seinen ersten Erkundungsfahrten in der Südsee anfertigte. Nur so war eine größtmögliche Nähe zu den alten Traditionen, ohne jegliche westlichen Stileinflüsse möglich. 

Junger Kapitän für uralte Tradition

Der erst 26-jährige Kapitän Setareki Ledua erlernte sein seemännisches Wissen teils in harter Praxisarbeit an Bord der „Uto“, hatte aber auch das Glück, von einigen Alten seiner Heimat  profundes Navigationswissen zu erfahren. Das er wiederum in speziellen Kursen bevorzugt an junge Menschen, die auf den Fidschi-Inseln geboren wurden, weitergibt – meist auf längeren Törns, bei denen klassisch Waren von der einen zur anderen Insel transportiert werden. 

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Geht’s noch cooler? © Uto ni Yalo

Dabei soll letztendlich die fidschianische Tradition zur See bewahrt bleiben, wozu auch der richtige Umgang mit „Mutter Natur“ gehört. So segelte die „Uto ni Yalo“ bereits zu Dutzenden abgelegenen und unbewohnten Inseln, um deren Strände von zentnerweise angeschwemmtem Plastikmüll zu befreien. Außerdem geben die Macher auf der „Uto di Yalo“ Kurse über den richtigen und bewussten Umgang mit Plastikmüll – an Land! 

Besonders hoch geschätzt wird der Einsatz des Lasten-„Vaks“, wenn Menschen auf den weitab gelegenen Inseln in Not geraten sind. So transportierte die „Uto“ nach dem erwähnten Sturm „Winston“ als eines der ersten einsatzfähigen Boote im Archipel zwei Tonnen Nahrungsmittel zur besonders betroffenen Insel Ovalahu.

Und nachdem Mitte April 2018 der Zyklon „Keni“ einige Fidschi-Inseln vollständig verwüstete, brachte nun die „Uto di Yalo“ mitsamt ihrer Crew überlebenswichtige Hilfsmittel zur Insel Kadavu. Es sei eben wie in alten Zeiten, wird Kapitän Ledua zitiert. „Wir müssen an Land und auf See zusammenhalten. Auch das ist eine alte Tradition in der Südsee.“ 

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Angekommen nach einer Nachtfahrt © uto ni yala

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Michael Kunst

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