Uwe Röttgering: Gedanken zu Windgenerator, Autopilot und Leichtwind-Segeln

Strom an Bord

Uwe Röttgering hält seinen Windgenerator auf der "FanFan" für eine gute Anschaffung. © seefieber.de

Energieversorgung

Trotz meines Batteriecontrollers war ich dabei auf Schätzungen 
angewiesen, da Verbrauch und Erzeugung nicht getrennt erfasst werden. Dennoch halte ich die folgenden Zahlen für recht genau. 
Meinen Tagesverbrauch schätze ich auf 120 Ah bei 12 Volt. Hauptverbraucher 
sind dabei der Autopilot, der Navi PC und das Radar (läuft oft während ich 
schlafe).

Gerechnet auf die Regattazeit komme ich auf einen Verbrauch von 1.050 Ah. 
Meine Solarzellen haben eine Nennleistung von 75 Wp und bringen nach meinen 
langjährigen Beobachtungen ca. 15 Ah pro Tag. Für den Törn kann man demnach 
von rund 130 Ah aus Sonnenenergie rechnen. 
Mein Motor lief fast genau 8 Stunden zur Stromerzeugung.

Trotz 
”Hochleistungsladereglers” bringt die 40Ah Lichtmaschine im Schnitt nur 25Ah 
pro Stunde in die Akkus (je voller die Akkus, desto geringer der Ladestrom). 
Dies macht 200Ah durch den Borddiesel. 
Die übrigen 720 Ah, also 82 Ah pro Tag, hat mein Windgenerator erzeugt.

Prozentual sieht die Verteilung demnach wie folgt aus: Sonne 12,5%, Diesel 
19% und Windkraft 68,5%. 
Bei meiner Weltumsegelung hatte ich einen Schleppgenerator, der geschätzte 
85% des benötigten Stroms erzeugt hat (Aquair).

Einen Windgenerator wollte 
ich wegen des Lärms der Rotorblätter, den die meisten Windgeneratoren 
erzeugen, damals nicht haben. Dass ich jetzt doch einen Windgenerator habe, 
hat zwei Gründe: zum einen führt der Windgenerator, anders als der 
Schleppgenerator, zu keinem messbaren Fahrtverlust. Zum anderen hat 
zumindest der Hersteller des Superwind Generators das Lärmproblem gelöst.

Die kleinen Turbulatoren auf den Rotorblättern sorgen dafür, dass der 
Generator so leise arbeitet, dass das Geräusch (zumindest von mir) nicht als 
störend empfunden wird. Bei höheren Windgeschwindigkeiten hört man den 
Generator nicht mehr, da die übrigen Windgeräusche das Surren des 
Windgenerators praktisch vollständig verschlucken.

Nach zwei Saisons mit dem Superwind Generator kann ich dem Gerät 
bescheinigen, ein solides Stück Technik zu sein, das eine Yacht zwar nicht 
schöner macht, dafür aber die Lösung (fast) aller Energieprobleme darstellt. 
Zumindest, wenn ausreichend Wind weht.

Ich habe von meinem Navicomputer 
alle Instrumentendaten während des Rennens aufzeichnen lassen. 
Danach betrug der durchschnittliche scheinbare Wind an Bord 14,8 Knoten.

(Offenlegung: Der Superwind Generator wurde mir vom Hersteller kostenlos
überlassen.)

Der neue Autopilot

Meine Weltumsegelung habe ich mit eine Windselbststeueranlage und einem einfachen elektrischen Pinnenpiloten gemacht. Das hat ganz gut funktioniert. Bei leichtem Wind hat der elektrische Pilot gesteuert, bei mehr Wind die mechanische Anlage. Die Bootsgeschwindigkeit war zweitrangig und dass das Kielwasser bei beiden Anlagen vor allem bei raumen Winden ziemlich schlangenförmig war, hat mich nicht gestört.

Wenn es aber darauf ankommt, wirklich geradeaus zu segeln auch achterlichen Wind mit Spi oder Gennaker zu nutzen, dann kommen diese Anlagen systembedingt an ihre Grenzen. Aus diesem Grund habe ich mir einen leistungsstarken Autopiloten mit einer Schubstange für die Unter-Deck Montage gekauft, der über eine recht ausgeklügelte Software und einen Bewegungssensor verfügt. Ich bin begeistert, mit welcher Präzision die Anlage mein Boot bei Geschwindigkeiten zwischen 8 und 10 Knoten unter Gennaker steuert.

Leichtwindsegel oder nicht?

Im Vorfeld der Regatta habe ich mir Gedanken gemacht, ob ich meinen 59qm großen Code 0/ Drifter als Leichtwindsegel mitnehmen soll. Nach meinen Erfahrungen beim OSTAR habe ich mich dagegen entschieden. Denn dieses an sich tolle Segel braucht ruhige See, sonst steht es nicht.

Leider ist auf dem offenen Ozean auch bei Wind zwischen einem und acht Knoten, also dem idealen Einsatzbereich dieses Leichtwindsegels, die See meist recht bewegt. Anders sieht es aus, wenn es tagelang schwachwindig ist. Dann hat sich die See so weit beruhigt, dass auch ein Drifter stehen würde. Aber an tagelange Flauten mag ich gar nicht denken…

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Uwe Röttgering

... der, der das Blauwasser Segeln liebt, aber zu immer schnelleren Schiffen tendiert - ob das am Einfluss von SR liegt ? ;o) Mehr findest Du hier.
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