Verbrechen: Seglerin vergewaltigt – Veranstalterin „Girls for Sail“ weist jegliche Mitverantwortung zurück

Trostpflaster: Massage und Maniküre

 

Verbrechen, St. Lucia,

Ein schweres Verbrechen, auf das völlig unangemessen reagiert wird © caribian medical news

Eine 45-jährige Britin buchte eine Segelausbildung bei einer Veranstaltungsagentur, die mit Solidarität unter Frauen wirbt. Doch genau daran mangelt es offensichtlich.

Eigentlich hatte die britische Reise-und Segelausbidungs-Agentur „Girls for Sail“ ein nahezu perfektes Renommee. Unter dem Motto „von Frauen für Frauen“ organisieren acht gestandene Seglerinnen seit 1999 von der Isle of Wight aus Segelausbildungen, Törns, Renntrainings, Regattateilnahmen und vieles mehr immer unter dem Aspekt, dass „Frauen unter sich sein können und keinem nervenden Macho-Gehabe an Bord ausgesetzt sein müssen.“

Eine Devise, die bei Seglerinnen, egal ob Anfängerin oder Fortgeschrittene, offenbar gut ankam, denn die angebotenen Törns und Kurse waren in aller Regel schnell ausgebucht. Das Geschäft florierte nicht zuletzt, weil die propagierte Frauensolidarität an Bord und an Land offenbar hervorragend funktionierte.

Doch genau diese Solidarität, zu der ja auch Mitgefühl und Verständnis untereinander zählen, wurde nach einem Verbrechen, das sich während einer „Girls for Sail“-Veranstaltung auf St. Lucia in der Karibik ereignete, ad absurdum geführt.

Unbewachte Villa

Die britische Ärztin Georgina Mortimer (die ausdrücklich mit Namen genannt werden möchte) hatte Anfang des Jahres eine Segelausbildung bei „Girls For Sail“ auf St. Lucia gebucht. Es sollte ein Traumurlaub werden… und wurde zum Alptraum.

Verbrechen, St. Lucia,

Georgina Mortimer will verhindern, dass anderen Seglerinnen das Gleiche passiert wie ihr © featureworld

Kurz nach ihrer Ankunft auf der karibischen Insel bezog sie eines von vier Schlafzimmern in der „Summer Breeze“-Villa, ein von der Royal Yachting Association empfohlenes Segel-Trainingszentrum in den Hügeln über der Rodney Bay Marina.

In der folgenden Nacht wird Georgina Mortimer von einem bislang unbekannten Täter brutal vergewaltigt. Der Mann konnte offenbar problemlos in das völlig ungesicherte Haus eindringen und sein Opfer etwa eine Stunde lang misshandeln. Erst als eine Zimmernachbarin von Schlaggeräuschen wach wurde und besorgt an Georginas Zimmertür klopfte, floh der Täter.
„Der Mann war so brutal, ich dachte wirklich, ich müsste sterben,“ berichtet Georgina Mortimer der Polizei, die kurz nach der Flucht des Täters gerufen wurde. Mortimer wurde umgehend ins Krankenhaus gebracht, wo man ihre Verletzungen behandelte und einen polizeilichen Bericht auf- und ihre „Anzeige gegen Unbekannt“ entgegennahm. Im Zuge dieser ersten Ermittlungen zeigte sich die örtliche Exekutive sehr erstaunt, dass die Villa „Summer Breeze“ völlig unbewacht war. Denn in den letzten Jahren gab eine eine besorgniserrgende Zunahme von Gewalt gegenüber Touristen. Nur kurz zuvor wurde unweit eine andere Europäerin vergewaltigt.

“Bitte nichts weiter erzählen”

Als Mortimer wieder aus dem Krankenhaus entlassen wurde, bat sie den Betreiber der Unterkunft auf St. Lucia und die Veranstalterinnen von „Girls for Sail“, die mittlerweile über die Vergewaltigung informiert worden waren, in ein anderes Zimmer oder in ein anderes Hotel ziehen zu dürfen. Mortimer wollte versuchen, trotz des schockierenden Erlebnisses noch einige Tage an dem gebuchten Kurs teilzunehmen, um das Geschehene besser verarbeiten zu können. Dies wurde lapidar abgelehnt: Dieses Zimmer sei nun mal für sie gebucht worden… Außerdem bat man sie eindringlich, anderen Kursteilnehmerinnen nichts von der Vergewaltigung zu berichten. Das würde nur unnötige Unruhe in die Reisegruppe bringen.

Wochen später. Georgina Mortimer ist längst wieder zurück in England und höchst erbittert über das weitere Verhalten der „frauensolidarischen“ Girls for Sail. „Ich wartete immer darauf, dass sie mir vielleicht ein paar mitfühlende Worte schreiben oder sich zumindest für den Umstand entschuldigen würden, dass unsere Unterkunft nicht bewacht war,“ beklagt die 45-jährige Ärztin. Doch es kam lediglich ein Newsletter, in dem sie u.a. aufgefordert wurde, von den „tollen Erlebnissen während ihres Karibikaufenthaltes zu berichten“.

Verbrechen, St. Lucia,

Die Rodney Bay Marina auf St. Lucia © tourist info st. lucia

Kurz darauf sucht Georgina Mortimer Kontakt zu lokalen Medien. Denn nach einem erneuten Schreiben an „Girls For Sail“ erhielt sie zur Antwort das, was die Ärztin heute als einen „Gipfelpunkt der Unverschämtheit“ bezeichnet.

„Ich wollte einfach verhindern, dass andere Frauen nicht in die gleiche „Falle“ tappen. Wollte sicher gehen, dass die Summer Breeze Villa fortan besser bewacht wird und frau aus diesem Fall lernt!“ Doch „Girls for Sail“ weist jegliche Verantwortung für den Vorfall zurück – und schickt Mortimer einen Gutschein für eine Massage und eine Maniküre im Schönheitssalon ihrer Heimatstadt! Um möglichst „rasch über die schrecklichen Ereignisse hinweg zu kommen“…

Keine Mitverantwortung

Erst als die Ärztin mehrfach über ihren Fall im örtlichen TV berichtete und in vielen Medien angeregte Diskussionen stattfanden, veröffentlichte „Girls for Sail“ ein Statement, in dem sie ihr Bedauern über den Vorfall ausdrückten. Doch erneut wiesen sie jegliche Verantwortung von sich.

Nun hat Georgina Mortimer Klage gegen „Girls for Sail“ und den Betreiber der Villa „Summer Breeze“ auf St. Lucia eingereicht, der stattgegeben wurde. Sie und ihre Rechtsanwälte sind davon überzeugt, dass die Tour-Veranstalter und die Betreiber der Villa „Summer Breeze“ Sorge dafür tragen müssen, dass ihre Gäste in größtmöglicher Sicherheit sind. Mortimer: „Es ist unglaublich, dass ein Veranstalter wie „Girls for Sail“, die sich Frauensolidarität auf die Fahnen schreiben, so unkooperativ und uneinsichtig handelt.“

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Michael Kunst

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