Video Fundstück: „Überleben auf hoher See“ von Galileo/Pro 7

Nicht ohne meinen Schnorchel!

Alptraum aller Segler: Das Mensch ist willig, aber die Bordwände zu glatt © galileo

Alptraum aller Segler: Das Mensch ist willig, aber die Bordwände zu glatt © galileo

Link zum Galileo Pro 7-Video

Fast schon ein Klassiker: Zwei Segler springen zum Baden ins Meer und stellen dann fest, dass sie vergessen haben, die Badeleiter anzuhängen. Und jetzt?

In dem 13-Minuten-Beitrag simuliert das „Wissensmagazin“ genau die Situation, in die „immer nur die anderen“ hinein stolpern – weil unsereiner das natürlich alles besser macht, vorausschauend und umsichtig handelt.

Fakt ist, dass jedes Jahr auf allen Meeren Menschen ertrinken, weil sie nur einen Augenblick unachtsam und sorglos waren. So rechnet etwa die US-Coast-Guard vor, dass entlang der nordamerikanischen Küsten pro Jahr etwa zwei bis drei Yachten gefunden werden, in deren Nähe die Leichen ertrunkener Crewmitglieder treiben. In Europa ist ebenfalls immer wieder von derartigen Unglücken zu lesen, vor allem im „badebeliebten“ Mittelmeer.

Und ab ins kühle Nass!

Jeder Seesegler kennt das: Morgens losgesegelt, einen ordentlichen Schlag weit raus gemacht, kein Land mehr zu sehen… und der Wind lässt nach, schläft schließlich ganz ein. Die Sonne knallt, die Wassertemperaturen sind angenehm erfrischend, was liegt da näher, als ein Bad… und zwar sofort!

Also nix wie rein ins kühle Nass! Womit wir beim kritischen Punkt dieses kleinen Badeausfluges wären: Denkt einer an Bord daran, die Badeleiter oder ein Fallreep hinunter zu lassen, dann wird die Planscherei genau das, was es werden sollte: ein erfrischender Badespaß.

Verdammt hoch, die Bordwand © galileo

Verdammt hoch, die Bordwand © galileo

Springen im Überschwang jedoch alle Segler ohne sich Gedanken über das Zurückkommen an Bord zu machen, wird das vermeintliche Badevergnügen unweigerlich in einem Drama enden.

Denn bekanntlich sind Bootswände ausgesprochen glatt und selbst „flache Rennflunder“ verdammt hoch. So hoch, dass man auch als Basketballprofi nicht Relingstütze oder Dollbord zu fassen bekommt, geschweige denn als durchschnittlich großer Westeuropäer. Was also tun?

Gibt es Lösungen?

Mit dem Thema haben sich schon viele Lehrbücher, Rettungs-Ratgeber, Journalisten und Filmemacher beschäftigt. Zuletzt wurde mit dem Spielfilm Open Water 2 – ursprünglicher, besser treffender Titel: Adrift – der Versuch unternommen, daraus einen spannenden Psychothriller zu machen. Über die Qualität des Ergebnisses ist man sich aber nicht ganz einig, der Film floppte jedenfalls und verschwand schnell wieder von den Leinwänden.

Das „Wissensmagazin“ Galileo auf Pro 7 fasst die Thematik als kleines Lehrstück auf, schickt ein Stunt-Pärchen ohne Badeleiter neben einer 15-Meter-Yacht ins Wasser und lässt die einfach mal machen…

Doch deren Einfallsreichtum im Umgang mit extremen Situationen hilft auch nicht viel weiter. Schon nach kurzer Zeit resignieren die beiden angesichts der „doch sehr hohen“, glatten Bordwand – zumindest vom Wasser aus betrachtet.

Nach mehreren Anläufen retten sich die beiden dann aber doch aus ihrer fatalen Situation, und zwar mit Hilfe eine Tauchermasken-Schnorchels im Abgas- und Kühlwasseraustrittloch…

Stuntman - und frau © galileo

Stuntman – und frau © galileo

Doch wer hat schon immer seinen Schnorchel dabei?

Der Film ist sehenswert, wenn auch im typisch reißerischen Pro-7-Stil mit kurzen Schnitten gedreht; vor allem die Verblüffung der beiden selbstsicher wirkenden, offenbar topfitten Protagonisten angesichts der Aussichtslosigkeit ihrer Versuche kommt gut rüber.

Vermisst haben wir Lösungsvorschläge zum Vermeiden dieser Situation (angefangen beim Instruieren der Crew vor dem Ablegen bis hin zu eingebauten Kletter-Notfallgriffen, etwa am Heck der Yacht).

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http://blueocean.berlin/magicmarine-team-werden/

14 Kommentare zu „Video Fundstück: „Überleben auf hoher See“ von Galileo/Pro 7“

  1. avatar bowman sagt:

    Kids haben uns vorgemacht, wie’s klappen kann: Räuberleiter und aus der Hocke nach oben schnellen. Der Untermann geht langsamer unter, als der Obere hoch kommt. Als Erwachsene haben wir ein paar Anläufe gebraucht, aber es geht – zumindest an die Relingstütze; das Hochkommen ist dann noch mal was anderes!

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  2. avatar Olperer sagt:

    Könnte man nicht auch in die Baurichtlinien einfließen lassen, dass Boote einen Notaufstieg haben müssen oder
    die Badeleiter vom Wasser aus bedienbar sein muss?

    Dass man da auch ungebetenen Gästen den Einstieg erleichtert, ist aber auch ein Aspekt, denn man beachten sollte bei der ganzen Diskussion.

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    • avatar Christoph sagt:

      Genau das steht in der CE Richtlinie!
      Es wird nur leider sehr inkonsequent umgesetzt.

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      • avatar Backe sagt:

        Trotzdem werden sie ziemlich lange gesucht haben müssen, um noch ein Charterschiff zu finden, auf dem es weder Badeplattform noch die vorgeschriebenen Griffe und Kletterhilfen gibt.

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  3. avatar bowman sagt:

    Carsten, Ihr seid doch gerade im richtigen Revier. Wär das nicht mal ‘ne Herausforderung, das so auszuprobieren? Sozusagen: segelreporter Chartercrew gegen galileo Stuntman und -woman?

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  4. avatar botasailing sagt:

    Mir ist auch schleierhaft warum es nicht so versucht wurde wie bowman sagt. Die fehlenden cm im Film hätten die beiden dann locker geschaft. Trotzdem: für nicht trainierte oder ältere Menschen, womöglich noch bei Welle ist das Reinkommen ohne Leiter nicht ohne, wenn nicht sogar unmöglich…
    Aber mal ehrlich: Wer springt denn einfach mit Absicht über Bord ohne nachzudenken? Man muss schließlich die Segel bergen/den Motor ausschalten, dafür sorgen das das Boot nicht schneller wedriftet als man schwimmen kann etc., daher ankern oder Sicherungsleine auswerfen – mache ich ja selbst bei der Jolle auf dem See aus gutem Grund. Da ist doch klar das man auch vorher guckt wie man rein und rauskommt…

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    • avatar bowman sagt:

      Da hätte dann das Draamaa gefehlt – also: kein Galileo-Beitrag.

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    • avatar Andreas Jung sagt:

      Nachdem ich dieses Jahr wieder gesehen habe, wieviel Schaden Bavaria &-Co-Chartereimer selbst bei null Wind in Häfen verursachen können, kann ich mir gut vorstellen, wie so eine ganze Crew mit Yippieayeh gleichzeitig Arschbomben über Bord macht – ohne, dass jemand oben bleibt, um zu sagen, wer die meisten Spritzer gemacht hat.

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  5. avatar Guenter Retkowski sagt:

    Also, weiss ja nicht, wie das bei anderen aelteren Booten ohne Badeplattform mit der Heckleiter ist, aber bei meiner Catalina 34 , Bj 1986 ist selbige jedenfalls mittig am Heck angeflanscht, so dass man diese auch im aufgeholten (hochgeklapptem) Zustand aus dem Wasser erreichen kann. Also, hochgehangelt, Arretierung loesen, runterklappen – aufsteigen! Nicht schoen, aber auch nicht lebensbedrohlich.

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  6. avatar Breizh sagt:

    “Vermisst haben wir Lösungsvorschläge zum Vermeiden dieser Situation” Hätte mir auch einige Hinweise von Segelreporter gewünscht, denn meckern kann ja jeder 🙂

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  7. avatar Firstler sagt:

    Weiterer Lösungsvorschlag: Bordventil unter der Wasseroberfläche rausreißen. Wenn die Yacht vollgelaufen ist, kann man bequem einsteigen und auf den Untergang warten 🙂

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  8. avatar o nass is sagt:

    “Aber mal ehrlich: Wer springt denn einfach mit Absicht über Bord ohne nachzudenken? Man muss schließlich die Segel bergen/den Motor ausschalten, dafür sorgen das das Boot nicht schneller wedriftet als man schwimmen kann etc., daher ankern oder Sicherungsleine auswerfen…”

    Chartercrews machen sowas, zumindest die, die Segeln als ultimativen Partyspaß begreifen und nicht den ‘Umgang mit der See’ verinnerlicht haben.
    Wir haben das mal vor Strande ausprobiert, bei einem Schiff mit extrem flachen Freibord, vor Anker. Keine Badeleiter, keine Reling, als Noteinstieg ein Tampen mit einer Palstek-Schlinge, sonniger Nachmittag ohne Welle. Selbst das war schon problematisch, obwohl beide Teilnehmer einigermassen fit waren..
    Und nun stelle ich mir die Ostsee-Seglerpaarung schlechthin vor: Auf einer Rassy, er um die 60, sie vielleicht 5 Jahre weniger, beide übergewichtig, dazu noch Wind um die 25 knts, Schiff treibt – keine Chance.
    Auch nicht mit dem imaginären Schnorchel (1. Wo ist schon ein passender Ablauf in der Bordwand, 2. Wer hat einen Schnorchel dabei? 3. Welcher Schnorchel trägt so einen Menschen?).

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