Wasserstraßen Maut: Dobrindt zieht zurück – Gegenwind zu stark

Raus aufs Wasser!

Ob der Druck etwas bewegt hat? Verkehrsminister  Alexander Dobrindt hat vorerst seine Pläne zur Einführung einer Wasserstraßen Maut  zurückgezogen. Bis zum nächsten Mal.

Solche Schilder soll es erst einmal nicht für Wasserstraßen geben.

Solche Schilder soll es erst einmal nicht für Wasserstraßen geben.

Die drohende Vignette für Sportboote werde es nicht geben, sagte er am Mittwoch. Zuvor hatte sein Ministerium die Einführung einer Abgabe für den Sommer 2018 geplant.

Der Verzicht auf die Gebührt wurde mit zu hohen Verwaltungskosten begründet. Dobrindt kündigte allerdings ein neues Konzept zum Wassertourismus an, das zum Ende des Jahres vorgestellt werden soll. Eine Maut für Freizeitsportler sei darin jedoch nicht vorgesehen.

Die kommerzielle Schifffahrt muss auf den meisten Bundeswasserstraßen Gebühren für gefahrene Meilen und transportierte Ladung bezahlen und bringt dem Bund rund 50 Millionen Euro im Jahr. Die Sportschifffahrt ist bisher ohnehin schon mit einer Pauschale von etwa 77.000 Euro, die über die Verbände gezahlt werden, an der Instandhaltung der Wasserstraßen beteiligt.

Sportboot-Skipper als Goldesel

Damit scheint die Diskussion vorerst beendet. Aber es ist nur eine Frage der Zeit, wann der nächste Minister die Sportboot-Skipper als Goldesel zur Kasse beten werden. Schon vor zehn Jahren versuchte die Bundesregierung unter Verkehrsminister Stolpe (SPD) die Einführung einer Vignette für Freizeitskipper. Beträge zwischen 60-90 Euro waren damals im Gespräch und wurden dann doch wieder zurückgezogen.

Es sieht so aus, als würden die Politiker immer mal wieder dieses Fass aufmachen, um die vermeintlich reichen Bootsbesitzer zur Kasse zu bitten. Das mag sich in der Außenwirkung gut machen, weil eine Minderheit in den Fokus gerät, die vom Gros der Bevölkerung eher neidvoll betrachtet wird.

Schließlich kommt auch niemand auf die Idee Gebühren für Fahrrad- oder Wanderwege zu erheben. Der Sturm der Entrüstung wäre zu groß.

Schranken abbauen

Aber das ist zu kurz gedacht. Je teurer man den Zugang zum Wasser macht, umso weniger können die Menschen sich ihn leisten. Dabei müsste man eigentlich die Schranken durch Führerscheine oder Gebühren abbauen. Wo sonst kann man sich so effektiv erholen, wie zwischen den eigenen Bordwänden? Die Qualität der Regeneration wird in der heutigen beschleunigten Gesellschaft immer wichtiger.

Die Politik müsste das einmal erkennen. Raus aufs Wasser! könnte ein neuer Slogan sein. Barrieren abbauen und mehr Menschen den Zugang ermöglichen. Immerhin ist das Bundeswirtschaftsministerium in einer Studie 2003 schon einmal zu dem Schluss gekommen, dass der Wassertourismus in Deutschland gefördert werden soll.

Lust am Boot

Tatsächlich könnte man die Lust am Boot zum Volkssport erheben. Es würden wohl mehr Menschen deutlich entspannter durchs Leben gehen. Und auch Herrn Dobrindt dürfte es gut tun, einen solchen Ausgleich zu suchen. Er würde sich über diesen positiven Effekt wundern.

Eine schöne Wunschvorstellung. Bis dahin dürfte noch viel Wasser den Rhein herunter fließen. Stattdessen ist es wahrscheinlicher, dass sich auch in Zukunft immer mal wieder ein Politiker mit Plänen gegen den Wassersport profilieren will. Auch er wird austesten wollen, wie viel Gegenwind dieses Thema verursacht.

Diesmal war der Widerstand offenbar zu groß. Allen Interessenvertretern, die ordentlich Wind gemacht haben, sei es gedankt. Für solche Situationen hat man die Verbände und Lobbyisten. Schön, dass die Stimme des Wassersports offenbar noch ein Gewicht hat.

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Spenden
http://nouveda.com

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *