Wassertaxi: 100 Sea-Bubble-Foiler vom Hydroptère-Erfinder bald auf der Seine

Foiler für die Innenstadt

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Sea Bubble: Verwandlung vom Foil zur Tragfläche © sea bubble

Das neue Elektro-Wassertaxi von Hydroptère-Guru Alain Thébault schlägt Wellen in Paris. Bürgermeisterin plant persönliche Jungfernfahrt, doch noch fehlt eine Sondergenehmigung.

Das hätte er sich wohl so nie träumen lassen. Als Rekordsegler und Hydroptère-Erfinder Alain Thébault vor einem Jahr mit einem kleinen, ein wenig knuffig wirkenden Foil-Elektroboot-Design an die Öffentlichkeit ging, wurden zunächst einige Augenbrauen steil nach oben gezogen.

Die französische Seglergemeinde wusste damals bereits, dass Thébaults Rekordversuchen auf dem Tragflächen-Trimaran Hydroptère gelinde gesagt „der Wind aus den Segeln genommen“ wurde. Hauptsponsoren waren längst abgesprungen und neue Gelder ließen sich, trotz hervorragender PR-Arbeit etwa für einen neuen Trans-Pacific-Rekord, partout nicht finden.

Als sich dann Thébault mit einem (auf den ersten Blick) ziemlich artfremden Konzept für ein ökologisch sinnvolles, urbanes Wasserstraßentaxi an die Öffentlichkeit wagte (SR berichtete), gab es viele Stimmen aus der Segelsportszene, dass es sich hier nur um einen Akt der (finanziellen) Verzweiflung handeln könne.

Paris, Stadt der Premiere

Weit gefehlt: Die „Sea Bubbles” – Wassertaxis, die von einem Elektromotor angetrieben auf Foils über die Wasserstraßen schweben sollen – haben neben reichlich Schlagzeilen in den Boulevard-Medien auch für Aufmerksamkeit an den „richtigen Stellen“ gesorgt.

So meldete sich kurz nach Veröffentlichung der ersten Designstudien zu „Sea Bubble“ die Bürgermeisterin von Paris, Madame Hildago, mit dem Wunsch, Paris als erste Stadt der Welt mit den foilenden Wassertaxis auszurüsten.

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So sahen Alain Thebaults “Sea Bubble”- Konzepte zu Beginn ihrer Karriere aus – ein Wassertaxi auf Foils  © sea bubble

Was wiederum eine Art Schneeballeffekt nach sich zog und das Interesse vieler Stadtplaner und Bürgermeister von Städten mit einem Wasserstraßennetz weckte.

„Die Sea Bubbles stoßen dank ihres Elektromotors keine Emissionen aus,“ erklärt Erfinder Alain Thébault immer wieder aufs Neue in TV- und Presseinterviews. „Sie schweben auf ihren Foils über der Wasseroberfläche und verursachen kaum Wellen. Was wiederum die Uferbefestigungen schützt. Die Sea Bubbles sind die Zukunft – nicht nur für Paris, sondern auch für Städte wie San Francisco, Amsterdam, London, Hamburg… überall dort, wo Wasserstraßen im urbanen Transportwesen eine gewichtige Rolle spielen.“

Foil oder Tragfläche?

Alleine in Paris nutzen mehr als zwei Millionen Passagiere das städtische Transportsystem „batobus“ auf der Seine und angrenzenden Kanälen. Die ähnlich gut besuchten Touristenboote sind hierbei noch nicht einberechnet. Logisch, dass diese „Bus-Boote“ mit herkömmlichen Verbrennungsmotoren und entsprechenden Emissionswerten ausgestattet bzw. belastet sind.

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So könnten die Anlege- und Ladestationen für Sea Bubbles aussehen © sea bubble

Ein Unding, dem Hildago und Thébault schon ab diesem Jahr in kleinen Schritten, peu a peu entgegentreten wollen. Fünf Sea-Bubble-Prototypen sollen bereits ab März auf der Seine getestet werden. Dabei dürfte es technisch besonders spannend werden, mit welcher Art von Tragflächen die Sea Bubbles ausgestattet sind. Derzeit kursieren mehrere Versionen in den Medien.

Taxi der Zukunft

Die Jungfernfahrt auf dem foilenden Wassertaxi will sich Bürgermeisterin Hidalgo natürlich nicht nehmen lassen. Zumal sie für den Fall der Fälle gut schwimmen könne, setzte sie noch augenzwinkernd hinzu.

Die fünf Wassertaxis sind die Spitze einer wahren Flotte, die bald über die Seine schweben soll: mehr als Hundert Sea Bubbles sind allein für Paris vorbestellt. Derzeit sitzen die Planer über einem Steg-Konzept, an dem die Sea Bubbles nicht nur bequem festmachen, sondern auch deren Elektromotoren (Reichweite angeblich 80 bis 100 Kilometer) möglichst effizient und schnell geladen werden können.

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Innenraumgestaltung des Wassertaxis © Sea Bubble

Sogar zu einem kleinen politischen Skandal ist es wegen der Sea Bubbles schon gekommen. Der französische Zoll hat sich für seine Kontrollen auf Binnenrevieren ein Dutzend der Sea Bubbles bestellt, ohne davon den zuständigen Minister fürs Transportwesen zu informieren. Was zu einem giftigen, verbalen Schlagabtausch zwischen beiden Behörden führte – zeitgemäß via Twitter.

Zu schnell für die Seine?

Doch Frankreich wäre eben nicht Frankreich, wenn es nicht noch weitere kleine „Spitzen“ auf Lager hätte. So fiel kürzlich einem Beamten bei der Pariser Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung auf, dass die Sea Bubbles theoretisch erst ab einer Geschwindigkeit von 11 km/h auf ihren Foils schweben können. Die maximal erlaubte Geschwindigkeit auf der Seine und anderen Wasserstraßen Frankreichs ist aber auf 12 km/h strikt begrenzt. Ein Umstand, der normalerweise für ein Verbot der Wassertaxis reichen würde.

Thébault setzt nun auf die geringe Wellenbildung und den niedrigen Lärmpegel seiner Wassertaxis auf Tragflächen. „Die Bürgermeisterin und ich sind schon bei den entsprechenden Behörden vorstellig geworden und hoffen nun auf eine Sondergenehmigung. Wenn die erteilt wird, dürfte einem Siegeszug der Sea Bubbles nichts mehr im Wege stehen!“

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Tipp: André Mayer

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Protoyp im Größenverhältnis 1:5 auf der Ausstellung vivatechnologie Paris © sea bubble

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Michael Kunst

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Ein Kommentar „Wassertaxi: 100 Sea-Bubble-Foiler vom Hydroptère-Erfinder bald auf der Seine“

  1. avatar Felix sagt:

    Coole Sache!
    Und so wie es halt immer ist … die Spinner von heute sind die Sieger von morgen und die Träumer von heute sind auch die Träumer von morgen 😉

    Like or Dislike: Daumen hoch 1 Daumen runter 0

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