Weltumsegelung: Jan Hamester hat den Class40-Rekordversuch in Brasilien abgebrochen

"Ich hätte mein Bein verloren"

Jan Hamester führt die geplante Nonstop-Weltumsegelung nicht weiter. Seit Heiligabend lag er mit entzündetem Schienbein auf Reede. Der Arzt in Brasilien schlägt nun Alarm.

Jan Hamester

Jan Hamester hat seinen Rekordversuch in Brasilien abgebrochen. © rouringforty

 

An Jan Hamester scheiden sich die Geister. Einerseits gab sich der Hamburger Einhand-Skipper nicht gerade als Leisetreter, als er den Start seiner Weltumsegelung und den Class40-Rekord ankündigte. Andererseits hat in jüngster Zeit kein deutscher Segler so offen über seinen Törn kommuniziert und Probleme mit der Community geteilt.

Das kommt bei Seemannschaft-Puristen nicht besonders gut an. Viele Details seiner Vorbereitung mögen nicht so gewissenhaft erscheinen, wie manche sie sehen möchten. Fehler sind schnell gefunden. Besserwisser gibt es genug.

Der Weg von Hamester.

Der Weg von Hamester.

So muss sich Hamester durchaus fragen lassen, warum er auf eine Weltumsegelung kein Antibiotikum in der Bordapotheke mitnimmt. Ob das die Entzündung der schon in Frankreich erlittenen Verletzung am Schienbein verhindert hätte?

Türkischer Frachter hilft

Der Skipper besorgt sich bei einer abenteuerlichen Medikamenten-Übernahme die nötige Medizin von einem Frachter. Die türkische Besatzung schafft es, ihm in der Dunkelheit ein beleuchtetes Care Paket mit Antibiotika und Verbandsmaterial zu übergeben. Damit segelt er zur brasilianische Inselgruppe Fernando de Noronha, wo Heiligabend der Anker fällt. Seitdem wartet er auf die Heilung des Beines.

Er geht nicht an Land, weil er den Status seiner Nonstop-Weltumsegelung erhalten bleiben soll, auch wenn die mögliche Rekordzeit längst nicht mehr zu knacken gewesen wäre. Er sagt, das Proviant gehe nicht aus, weil er bei der Abfahrt in Deutschland so viel geschenkt bekommen habe.

Aber am Wochenende gibt er nach 14 Tagen vor Anker dann doch auf. Die Wunde am Bein wird nicht besser. Und Hamesters Zustand erlaubt es nicht, die notwendigen Arbeiten am Rigg vorzunehmen. Er müsste in den Mast, um die Mittelwanten nachzuspannen.

So ist er nun zum brasilianischen Festland gesegelt, liegt in einem Hafen an Mündung vom Fluss Rio Paraiba und hat sich in ärztliche Behandlung begeben. Es war auch höchste Zeit.

Seine jüngste Info von Bord: “Ich war soeben im Hospital. Morgen werde ich operiert. Das Amoxicilline hat nicht gegriffen. Ich hätte mein Bein verloren, wenn ich nicht abgebrochen hätte. Also, alles richtig gemacht…Puh…” Es ist noch nicht klar, wie es weitergeht.

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Carsten Kemmling

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15 Kommentare zu „Weltumsegelung: Jan Hamester hat den Class40-Rekordversuch in Brasilien abgebrochen“

  1. avatar Stephan Bode sagt:

    Hallo zusammen,
    da ist wohl Class40 gemeint, oder baut jetzt Claas Segelboote. Das Geld dazu hätten Sie wohl.
    Wie heisst es so schön: “Mit Bootsbau kann man ein kleines Vermögen machen … – … wenn man vorher ein großes hatte!”

    Grüsse

    Stephan Bode

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 8 Daumen runter 22

  2. avatar Stefan II sagt:

    Es war sicher vernünftig, die Reise mit dieser Verletzung abzubrechen. Wer Jan schon einmal erlebt hat, wird sich ohnehin wundern, dass er es so weit geschafft hat. Sein Hang zum Chaos und die Vorliebe für Hochprozentiges sind sicher keine Erfolgsgaranten. Seine hochtrabenden Ankündigungen vor der Fahrt lassen den Abbruch jetzt einigermaßen peinlich erscheinen.

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  3. avatar Wurst sagt:

    Was auch gerne vergessen wird, dass er immer von Rekord erzählt aber die Bedingungen des WSSRC gar nicht erfüllt hat. Er ist im Prinzip nur für sich rumgeschippert. Dass er jetzt gescheitert ist war für jeden verständigen Beobachter vorhersehbar. Fraglich war nur der Zeitpunkt und Grund.

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  4. avatar Olli Sailor sagt:

    Der Abbruch war auf jedenfall gerechtfertigt. Alles amdere sind seine persönlichen Entscheidungen.

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  5. avatar Non solo pane sagt:

    Sicher kann er entscheiden, ob rauchen, trinken und feiern die richtige Vorbereitung für eine Weltumsegelung sind. Offenbar nicht. Wenigstens könnten andere daraus lernen, wenn die Fehler benannt werden würden. Die vollmundigen Ankündigungen wurden jedenfalls nicht erfüllt. Ich hoffe, er wird wieder gesund, bereitet sich ordentlich vor und schafft es dann.

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  6. avatar Olli sagt:

    Es zu schaffen ist keine Kleinigkeit. Uwe Röttgering hat mal hier auf Segelreporter etwas zu der Problematik aus nationaler Sicht geschrieben http://segelreporter.com/regatta/offshore/weltumseglung-nonstop-einige-deutsche-haben-es-versucht-nur-wenige-geschafft/
    Ich habe zwar schon ium Forum der Yacht ziemlich viel Dresche für die Aussage bezogen, aber dieses Projekt ist für Herrn Hamester ein bis zwei Nummern zu groß. Er hat sehr viel sehr laut angekündigt. Für gesundheitliche Probleme ist kaum einer verantwortlich zu machen, aber es bleiben sehr viele offene Fragen nach dieser Fülle von Ankündigungen und durchaus sogar Sticheleien gegen Vorgänger, die gescheitert sind. Wie sich hgerausstellt, kam die Stichelzielscheibe aber gut 2000 Meilen weiter.

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  7. avatar Alex sagt:

    Einer der besser vorbereitet ist ist vieleicht nicht so müde un verunfallt nich so schnell!

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  8. avatar Knipser sagt:

    Über die Vorbereitungen wissen die wenigsten bescheid, kann man aber gerne spekulieren, dass Jan die Bedingungen für eine Rekordfahrt gar nicht erfüllt, istdagegen eine wichtige Information, die auch in die Berichterstattung gehört.
    Ob Jan ein Lautsprecher ist, muss jeder selbst bewerten, gehört hier nicht hin, schon gar nicht die Unterstellung, wie sonst seine Lebenseinstellung ist. No go für einen Kommentar.

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