Weltumseglung: Dr. Stanley Paris (77) wagt auf „Kiwi Spirit“ neuen Rekordversuch

Der alte Mann will doch Meer

Stanley Paris ist wieder auf der "Kiwi Spirit" unterwegs! © paris

Stanley Paris ist wieder auf der “Kiwi Spirit” unterwegs! © paris

Er will als ältester Mann von Bermuda nach Bermuda einhand und nonstop die Welt umrunden. Letztes Jahr kam er bis Kapstadt – wird es diesmal klappen?

Er kann es doch nicht lassen. Obwohl Dr. Stanley Paris nach Abbruch seiner ersten Weltumseglung im Januar 2014 auf seinem Blog und gegenüber amerikanischen Medien beteuerte, dass es keinen zweiten Rekordversuch “Einhand-Nonstop-Weltumseglung als ältester Mann” mehr geben werde („das will ich meiner Familie einfach nicht mehr zumuten!“) ist er nun doch wieder zu einem Einhand-Nonstop-Törn rund um den Globus gestartet.

Der Mann mit dem gewissen, kämpferischen „Kiwi Spirit“ (so auch der Name seiner Yacht) konnte sich nicht von dem Gedanken befreien, dass er im gewissen Sinne „gescheitert“ sei. „Eine Scharte, die ich in meiner Biografie auswetzen will!“ gab Paris in einer floridianischen Tageszeitung zum Besten – der neuseeländische Abenteurer, Ausdauersportler, Physiotherapeut und Universitätsgründer lebt seit 1996 in St. Augustine.

Wieder auf Törn

Verdammte Technik, gesegnete Technik: Stanley Paris muss viel reparieren an Bord © paris

Verdammte Technik, gesegnete Technik: Stanley Paris muss viel reparieren an Bord © paris

Noch eine Woche vor dem Beginn seiner Anreise zu den Bermudas, wo die Weltumseglung eigentlich erst startete, war Paris mit seiner Frau auf „Hochzeitsreise“ (30. Hochzeitstag) in Europa unterwegs. Von dort bloggte er: „Kann es noch gar nicht fassen, dass ich in ein paar Tagen wieder alleine auf meiner „Kiwi Spirit“ unterwegs sein werde!“

Am 15. November umrundete er schließlich von Florida kommend Bermuda, passierte den St. David-Leuchtturm auf der Ostseite der Insel und war offiziell wieder „im Rennen“ um den Titel des „ältesten Einhand-Nonstop-Weltumseglers“.

„Mein größter Gegner? Die Technik! Mein wichtigster Begleiter? Die Technik!“ So äußerte sich Stanley Paris in den Zeiten zwischen den beiden Rekordversuchen auf seinem Blog.

Der erste Weltumseglungsversuch musste tatsächlich – trotz einer Sturzverletzung – hauptsächlich wegen technischer Probleme aufgegeben werden (SR berichtete). Und der zweite Anlauf stand schon vor dem eigentlichen Beginn der Reise erneut im Schatten der nicht immer funktionierenden Technik.

Problemkinder

Theoretisch ein perfektes Schiff für die Weltumseglung… theoretisch! © paris

Theoretisch ein perfektes Schiff für die Weltumseglung… theoretisch! © paris

Seine „Kiwi Spirit“ wurde zwar in einer US-amerikanischen Werft von Grund auf überholt und für diesen zweiten Versuch vermeintlich „fit“ gemacht, beim Überführungstörn nach Florida fielen dann aber gleich wichtige Elemente wie zwei von vier Hydro-Generatoren, die Abdeckung der Radarantenne und eine elektrische Winsch aus.

Fans von Paris bloggten bereits, dass die neue Reise vielleicht nicht unter einem guten Stern stünde, doch der Kiwi brummelte zurück: „Ist ja nur Technik. Und die kann man, meistens jedenfalls, irgendwie reparieren, wenn sie ausfällt!“

Prompt ist der 77 jährige derzeit… hauptsächlich mit Reparaturen beschäftigt! Auf seinem Weg Richtung Kap der Guten Hoffnung derzeit mitten im Atlantischen Ozean bei bestem Wetter und 25° C. unterwegs, schlägt sich Stanley Paris mit der „Sargassum Muticum“, einer penetranten Braunalgenart herum, die sich bevorzugt in seinen Hydrogeneratoren verfängt und diese blockiert (die „Kiwi Spirit“ produziert die Bordenergie ohne fossile Brennstoffe).

Robust, ausdauernd und schnell: Die Kiwi Spirit kommt übrigens ohne fossile Brennstoffe bei der Energiegewinnung aus! © paris

Robust, ausdauernd und schnell: Die Kiwi Spirit kommt übrigens ohne fossile Brennstoffe bei der Energiegewinnung aus! © paris

Immer diese Technik

Doch damit nicht genug. Einen Tag zuvor frischte der Wind deutlich auf bis zu 28 Knoten auf. Doch als Paris den Luvtank mit Wasserballast füllen wollte, geschah… nichts! Die Pumpe „weigerte sich zu kooperieren“ wie er in seinem Blog schrieb.

Also tauschte der (zumindest in Sachen „Kommunikation“ offenbar perfekt technisierte) Skipper E-Mails mit seinem Landteam aus, das ihm wiederum genau beschrieb, wie die Pumpe auszubauen, zu reinigen und wieder einzusetzen sei.

Der „alte Mann auf dem Meer“ (Paris über Paris) erzählte den Rest der Geschichte auf seinem Blog dann so: „Ich entschied, dass ich das durchaus nachts, bei rauer See, mit wild herumfliegendem losem Gut erledigen könnte. Nebenher machte auch noch der Autopilot Zicken, das Schiff verließ den Kurs mehrere Male und ich musste zwischen meiner Reparatur öfters aufspringen und den Auotpiloten wieder neu einstellen. Es war eine schlaflose und ziemlich unkomfortable Nacht!“

Der alte Mann will doch wieder Meer © paris

Der alte Mann will doch wieder Meer © paris

Die sich jedoch ganz offenbar gelohnt hatte. Denn es war nicht wie erwartet, die bereits erwähnte Braunalge, die den Pumpmechanismus blockierte, sondern ein Daumennagel-großes Metallteil. Das wurde entfernt, die Pumpe wieder eingebaut und kurz darauf richtet sich die „Kiwi Spirit“ mit dem Wassergewicht von „acht kräftigen Herren an der Reling“ wieder deutlich auf und preschte sogleich mit mehr Speed durch die Atlantikwellen.

Dass dies die vorerst letzte Reparatur gewesen sein könnte, wagt der Dr. Stanley Paris allerdings zu bezweifeln: „Irgendwas ist immer!“

Blog Stanley Paris

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Michael Kunst

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3 Kommentare zu „Weltumseglung: Dr. Stanley Paris (77) wagt auf „Kiwi Spirit“ neuen Rekordversuch“

  1. avatar max Eyth See Segler sagt:

    Mein Gott, wie viel Technik.
    Sogar Dunstabzugshaube und Mikrowelle.
    Das wird nichts.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 7 Daumen runter 1

  2. avatar Egon sagt:

    Ja, wieder so ein Egotrip, so nützlich wie die Weltumseglungen von 12-jährigen.
    Soll er doch einfach losfahren und wenn er heil wieder ankommt iss gut.
    Aber vorher immer viel Trara und nach 1.000 Meilen bricht ne Winschkurbel und es geht wieder zurück in den Ausgangshafen.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 2 Daumen runter 8

  3. avatar pl_rolandwe sagt:

    Und jetzt ist er leider doch gescheitert
    Und wieder zu Weihnachten
    (Zu lesen im Blog von Stanley Paris)

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