Weltumseglung: Durch die Kanäle Patagoniens – Christophe Mora auf Django 7.70

Gemeinsam einsam

Weltumseglung, Abenteuer, Patagonien, Mora

Auch bei Minusgraden gibt es lauschige Ankerbuchten zu entdecken © mora

Erst über den Atlantik, dann die südamerikanische Ostküste entlang: Hang loose und Abenteuer pur. Wie Christophe Mora Patagonien erlebte – grandios!

Er ist das, was man vulgo einen Outdoorfreak nennt: Gleitfallschirmflieger, Trekker, Bergsteiger, Freeclimber aber auch Segler, Taucher, praktizierender „Grüner“, im ursprünglichsten Wortsinne. Christophe Mora hat alles zusammengekratzt und verkauft, den Erlös in eine Django 7.70 gesteckt und ist losgesegelt. 2013 war das und SR-Leser haben schon einige Male von ihm gelesen und gehört.

50.000 Euro soll ihn Boot und Umbau gekostet haben, seine Reisekosten bestreitet er durch kleine Gelegenheitsjobs, vor allem aber durch Kojencharter. Moment mal, Kojencharter auf einer 7,70-m-Schiffchen?

Das klappt – vorausgesetzt die Etappen sind spannend genug und die Landgänge mit entsprechenden Abenteuern gespickt.

P5136773Vier Jahre soll die Weltumseglung dauern, die Hälfte der Zeit ist rum, aber noch nicht ganz die Hälfte der Wegstrecke. „Macht nix,“ schreibt Mora auf seinem toll formulierten, mitreißenden Blog (den er, ganz Franzose, ausschließlich auf Französisch schreibt). „ Es werden auch bald wieder Wochen kommen, in denen gesegelt und nichts als gesegelt wird!“

Rein theoretisch waren zu Beginn der Reise 48 Etappen-Mitsegelgelegenheiten aufgeführt, doch wie das so ist im Leben: Es ändert sich ständig. Alles. Und immer wieder. Mal fiel der eine, schon seit Monaten gebuchte Mitsegler kurzfristig aus und Christophe blieb alleine auf dem Schiff. Dann gab es wiederum Etappen, bei denen sich Christophe Mora fast schon ein wenig ärgerte, dass die Kojen ausgebucht waren, weil er doch kurz vorher diese überaus nette Bekanntschaft gemacht hatte…

Verschiedene Einsamkeiten

Speziell für Langstreckensegler gibt es bekanntlich mehrere Formen der Einsamkeit. Da ist zum einen die Einsamkeit der riesigen Wasserwüsten wie bei einer Einhand-Atlantiküberquerung. Oder die Einsamkeit in großen Städten, wenn man nach langer Solo-Fahrt wieder in den Trubel eintaucht und damit nun wirklich gar nichts anfangen kann. Oder die Einsamkeit in der Kontrast-Zone: Dort, wo menschenleere Wasser auf menschenleere Erde stößt. Wo man über Tage, Wochen hinweg das Gefühl hat, man sei allein auf diesem Planeten. Umgeben von einer grandiosen Landschaft, die dir jeden Moment zeigt: Du kleines Menschlein bist nichts anderes als Fliegendreck auf der Karte des Lebens!

Weltumseglung, Abenteuer, Patagonien, Mora

In einem der seltenen Häfen morgens die Überraschung: Schnee an Deck © mora

Christophe Mora hat von jeder dieser Einsamkeiten bereits gekostet. Doch die letztgenannte scheint die spektakulärste gewesen zu sein: Segeln quer durch Patagonien, auf natürlichen Wasserstraßen die ihn vom Atlantik zum Pazifik brachten.

Wochenlange Fahrten unter schwierigen Wetterbedingungen, die plötzlich von einem Moment auf den anderen zum strahlenden Sonnenschein wechselten. Slalom durch Eisfelder, spektakuläres Ankern vor Gletschern, abends Einschlafen im strahlenden Sonnenuntergang, morgens Aufwachen unter einer fünf Zentimeter dicken Schneeschicht. Aber auch lange Trecks auf nahe Berge und Gletscher, in eine Natur, die vielleicht ein bis zwei Mal im Jahr überhaupt ein Homo Sapiens betritt.

Gemeinsam einsam

Okay, was die Einsamkeit betrifft: Alleine war Christophe nicht unterwegs, Carina hat sich ihm angeschlossen. Ob sie wirklich die Passage im Voraus schon gebucht hatte? Oder auch eine dieser Schicksalsbegegnungen war?

Jedenfalls segeln die beiden jetzt schon reichlich lange zusammen und beider Lächeln auf den Fotos wird immer strahlender…

Weltumseglung, Abenteuer, Patagonien, Mora

Zwischendurch wurd’s richtig ruppig © mora

Einfach los und weg. Moras Reise ist noch lang! Zwar sind die nächsten Etappenabschnitte entlang der südamerikanischen Westküste bereits belegt und auch der große Schlag mitten in den Pazifik zu den Gambierinseln (franz. Polynesien) ist ausgebucht. Dennoch: Es gibt freie Kojenplätze, der Pazifik ist riesig, es gilt lange Schläge zu bestreiten. Auf einem Boot, von dem kaum jemand gedacht hätte, dass es sich auf so einer langen Reise bewährt. Mit Menschen, die irgendwie anders ticken. Wohltuend anders…

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Michael Kunst

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