Weltumseglung: Schwimmende Zahnklinik will weiter helfen – Behörden bremsen

Den Zahn gezogen

schwimmende Zahnklinik, Katamaran, Hilfe, Zahnarzt

Spaß muss sein: Dr. Leppert während einer etwas ungewöhnlichen Behandlungsmethode © leppert

Zahnarzt Leppert segelt weiterhin im Pazifik und hilft, wo er kann und… darf. Doch immer öfter stehen ihm dabei dubiose Behörden im Weg.

Dr. Michael Leppert aus dem Badischen Gaggenau ist das, was man gemeinhin einen „höchst engagierten Aussteiger“ nennt. Er bummelt auf seinem Fahrtenkatamaran „Mariposa“, den er in eine schwimmende Zahnklinik umfunktionierte, seit 2006 um die Welt und steuert Häfen an, um die viele andere Langfahrtsegler oft einen weiten Bogen machen.

Nicht nur, weil dort die Ärmsten der Armen leben, sondern auch, weil diese Ziele oft so fern jeglicher Verkehrs- respektive Schifffahrtsrouten liegen, dass dort kaum eine medizinische Grundversorgung gewährleistet ist, geschweige denn eine zahnmedizinische (SR berichtete).

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Wo er auftaucht, gibt es was zu staunen: Leppert mit jungen Zuschauern © leppert

Lepperts Behandlungsspektrum reicht von Zahnfüllungen, Wurzelkanalbehandlungen, Extraktionen, chirurgischen Eingriffen, Zahnstein- und Parodontose-Behandlungen sowie kleinen Prothesen-Reparaturen bis zur Aufklärung in Schulen und Kindergärten, besonders für die Lehrkräfte.

Seit Beginn seiner Reise hat der „Segelnde Zahnarzt“ Tausende bedürftige Menschen auf der ganzen Welt behandelt. In Syrien, Ägypten, Marokko, in der Karibik, auf Galapagos, den Polynesischen Inseln, Marshall Islands… überall war die schwimmende Zahnklinik höchst willkommen.  Fotos auf Lepperts Website zeigen, wie ihn die Menschen dafür lieben, wenn er sie von oft langwierigen Schmerzen befreit.

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Der Zahnarzt beim Landgang © leppert

Menschen betteln – Behörden bleiben stur

Doch schon im Laufe des vergangenen Jahres wurden dem Zahnarzt und seiner mitreisenden Lebensgefährtin Birgit Reimann viele Steine in den Weg gelegt. So stellten sich die Behörden einiger Regierungen äußerst stur und reagierten gelinde gesagt „kontraproduktiv“, wenn es um die Erlaubnis ging, als Zahnarzt praktizieren zu dürfen.

Leppert, der sich schon in der Vergangenheit mitunter betont kritisch äußerte, beispielsweise in Bezug auf verunglückte Hilfsmaßnahmen seitens der EU (siehe SR) berichtet mit frustriertem „Unterton“: „In Fiji wünscht man sich keine Hilfe von Übersee-Ärzten, wie man mir sagte. Stolz? Hochmut? Dummheit? (…)Ich bin in dem Land nur Gast, daher muss ich mich den Gegebenheiten fügen, auch wenn mich Menschen auf den außen liegenden Inseln anbetteln, sie von ihren wochenlangen Schmerzen zu befreien, da wo es keine zahnmedizinische Versorgung gibt.

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Die Patienten legen an der schwimmenden Klinik an © leppert

Diese Hilfe wurde mir vom Registrator (kein Arzt) strikt verboten. Selbst Hilfeleistung im Notfall fällt ohne seine Zulassung unter dieses Verbot. Auch auf die Bitte der Verwaltung des Atolls Vulaga mit ungefähr 300 Menschen, wo es weder Flugplatz noch ärztliche Versorgung gibt, wurde das Begehren meiner Hilfe abgelehnt. Man antwortete, man würde gleich einen Zahnarzt senden. Drei Monate später war da immer noch keiner aufgetaucht!“

Doch sie “können auch anders”

Ganz aufgeben wollte Leppert natürlich nicht, dafür ist er wohl zu lange auf den Sieben Weltmeeren unterwegs und kennt diese bürokratischen und willkürlichen Spielchen zur Genüge. Er schreibt weiter: „Dafür hat man mich in Tuvalu gleich mit offenen Armen empfangen. Man kannte mich schon vom Jahr zuvor.

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Die “Mariposa” unter Segeln © leppert

Etwas Hilfe in der einzigen Zahnklinik in Funafuti, und dann zu den außen liegenden Atollen, wo man mich schon sehnlichst erwartete. Ja, es ist schon schön zu sehen, dass es auch Ministerien gibt, die für Entscheidungen ihren gesunden Menschenverstand einsetzen, um die Hilfe für ihre Bevölkerung so einfach wie möglich zu gestalten.“ Später, auf Kiribati, erfuhr der Zahnarzt mit seiner segelnden Zahnklinik, vorbildliche behördliche Unterstützung.

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Bei der “Reihenuntersuchung” © leppert

„Der High Kommissionär von Australien in Tarawa hatte in kürzester Zeit alle Vorbereitungen getroffen, damit ich schon vor dem Einklarieren auf den südlichsten Atollen, wo wohl noch nie eine Yacht war, mit meiner Arbeit beginnen konnte. Zoll, Immigration und das Marine-Ministerium mit vorhandenen Daten für die Navigation, da wo es keine Seekarten gab, unterstützten mich vorbildlich!“

Desinteressierter Verwaltungsapparat

Doch seine ausgesprochen kurze Zusammenfassung des bisherigen Jahres 2015 lässt erahnen, dass ihm erneut Behörden und Autoritäten aller Art den sprichwörtlichen „Zahn“ von der selbstlosen Hilfe „gezogen“ haben.

Auszüge aus seiner Website, die Leppert auf Vanuatu aktualisierte: „Möchte man wirklich den Menschen hier medizinisch helfen, ist die größte Barriere der schlafende Verwaltungsapparat, den man für eine Zulassung braucht, wenn man den offiziellen Weg geht.

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Zahnklinische Utensilien © leppert

Das kann dann Monate dauern, nichts tut sich, man bekommt nicht mal Antwort auf seine Mails. Man ist auf diesen Posten desinteressiert, hat ja was mit Verwaltungs-Arbeit zu tun, und dabei kommt auch kein bares Geld herein. Eigentlich wäre es für das Land selbst ein großer Posten, um eigene Gelder zu sparen.

Aber soweit geht oft die Denke dieser Personen nicht. Träge und unfähig. Immer das gleiche Problem, wenn man dank Familienbande so einen Posten erhält. Die eigene Bevölkerung interessiert dann wenig. Solche Kommentare höre ich oft von anderen Ärzte oder Hilfspersonen, die irgendwann resigniert aufgeben.“

Ob Dr.med. dent. Leppert auch aufgeben wird? Wohl kaum, spricht er doch davon, dass manchmal mit „Erfahrungen und Beziehungen” alles in wenigen Tagen „fluppen” könne. Doch ein fahler Beigeschmack scheint zu bleiben.

Website Mariposa

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Michael Kunst

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3 Kommentare zu „Weltumseglung: Schwimmende Zahnklinik will weiter helfen – Behörden bremsen“

  1. avatar langalex sagt:

    nur mal so ganz theoretisch – außerhalb der 12-Meilen-Zone kann’s ihm niemand verbieten oder?

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  2. avatar Käptn Brassman sagt:

    Mit der rostigen Zange

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  3. avatar wet rabbit sagt:

    Das mit der 12-Meilen-Zone sollte er lieber nicht ausprobieren. Die kriegen ihn wegen Entführung ran, buchten ihn ein und kassieren das Schiff.

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