Weltumseglung: Yvan Bourgnon auf Strandkat wieder unterwegs – Richtung Golf von Aden

Stehaufmann

Crowdfunding und neues Sponsorship machten es möglich: Der Schweizer setzt auf neuem Katamaran seine Weltumseglung fort. Er zerschellte vor acht Monaten auf Sri Lanka.

Tut man einem Segler wirklich einen Gefallen damit, wenn man ihn im sprichwörtlichen Sinne „einen Felsen in der Brandung“ nennt – nachdem er an genau so einem großen Stein zerschellte?

Die Fans von „Yvan Borgnon“ bringen dieses Paradoxon jedenfalls fertig und nennen ihren Helden auf Twitter, Facebook und Blogs liebevoll „Le Roc“.

"Le Roc" bei letzten Friemelarbeiten kurz vor dem Start zum letzten Viertel seiner Weltumseglung © colloud

“Le Roc” bei letzten Friemelarbeiten kurz vor dem Start zum letzten Viertel seiner Weltumseglung © colloud

Sie spielen damit wohl in erster Linie auf Bourgnons Widerstandskraft an, die ihr Katamaran-Abenteurer in der Tat dutzendfach unter Beweis stellte.

Die bisherigen Stationen der zu vier Fünfteln absolvierten Weltumseglung in einem offenen Strandkat (SR berichtete mehrfach) zeigen jedenfalls, dass dem 43-jährigen Profisegler bereits so ziemlich alles abverlangt wurde: Die anfänglich eigentlich zu Zweit geplante Weltumseglung wurde bereits auf den Kanaren zu einem Solo-Törn. Der Atlantik konfrontierte ihn 2013 mit den schlechtesten Wetterbedingungen der Saison – Bourgnon bezeichnete es als „Wunder“, dass sein fragil wirkender „Strandkat“ überhaupt durchhielt.

Auf 6,20 m um die Welt

Bei nahezu jedem Zwischenstopp waren aufwändige Reparaturen nötig und die (selbst auferlegte) Hürde einer Navigation „wie anno dazumal“, also ohne GPS, nur nach den Sternen und mit Sextant, macht die Sache auch nicht einfacher. Bourgnon kenterte im Lauf seiner Reise mehrmals, er überlebte tagelange Stürme im Pazifik, er hungerte sich durch wochenlange Flauten, wachte morgens mitten auf dem Ozean neben einer tödlich giftigen Seeschlange auf, die es sich neben ihm auf dem Trampolin gemütlich gemacht hatte. Er litt tagelang bewegungsunfähig unter einem Bandscheibenvorfall, fluchte über Hunderte großer und kleiner Reparaturen an Bord, die er auf See bewältigen musste.

Erster Sonnenuntergang wieder auf See © colloud

Erster Sonnenuntergang wieder auf See © colloud

Rückblickend fragte er sich in den letzten Wochen mehrmals, wie er es überhaupt so weit geschafft hatte. Von Panama in die pazifische Südsee, nach Australien, von wo aus er schließlich Richtung Malediven wollte. Doch schlecht gelaunte Wettergötter zwangen ihn bei dieser vorerst letzten Etappe schließlich Richtung Sri Lanka – wo Bourgnon nach 40.000 Kilometern an der Küste zerschellte, weil er sich für ein „sauberes Anlanden“ nur ein paar Minuten Schlaf gönnen wollte.

Ein Großteil der bisherigen Sponsoren zog sich danach zurück, der Schweizer stand vor einem Scherbenhaufen, in den er wütend hinein trat. Mit dem Mut der Verzweiflung flog er zurück nach Europa warb erneut für sein Projekt bei potentiellen Sponsoren und Mäzenen, startete eine Crowdfunding-Kampagne und schaffte schließlich genau das, was selbst enge Freunde mittlerweile nicht mehr für möglich gehalten hatten: Yvan Bourgnon ließ sich seinen offenen Katamaran nachbauen (in der Bretagne und auf Sri Lanka), setzte einige strukturelle Modifikationen im Rumpf um und stach am 22. März erneut in See.

Was für eine Beharrlichkeit: Nach Totalverlust des ersten Katamarans nun wieder ab Sri Lanka unterwegs – Yvan Bourgnon © colloud

Was für eine Beharrlichkeit: Nach Totalverlust des ersten Katamarans nun wieder ab Sri Lanka unterwegs – Yvan Bourgnon © colloud

Warten die Piraten schon?

Vor Sri Lanka trug ihn ein eher moderater Wind unter Gennaker hinaus in den Indischen Ozean. Grob eingeschlagene Richtung: Golf von Aden, die Einfahrt ins Rote Meer.

Dazwischen liegen allerdings noch die Maledivien, die dem GPS-Hasser Bourgnon mit vielen Archipelen und Riffen noch reichlich nautisches Geschick abverlangen werden.
Und einmal am Afrikanischen Kontinent angekommen – der Tracker gibt folgerichtig Djibouti als nächstes Ziel an – dürfte vor allem die Gefahr durch somalische Piraten eine zentrale Rolle spielen.

Bourgnon gibt sich hierzu bedeckt, will keine schlafenden Hunde wecken. Nur so weit: „Wir treffen unsere Vorkehrungen, wollen jegliche Konfrontation vermeiden. Andrerseits kann ich mit meinem Katamaran auch nicht einfach so vor den Piraten-Zodiacs flüchten. Wir werden sehen.“

Improvisierte Segelwerkstatt auf Sri Lanka © colloud

Improvisierte Segelwerkstatt auf Sri Lanka © colloud

Was für eine Beharrlichkeit, was für ein Durchsetzungsvermögen, was für einen Willen muss man aufbringen, um nach so einem Rückschlag in einem derart wilden und verrückt anmutenden Projekt weiter zu machen?

Eines ist jedenfalls sicher: Dieser „Felsen“ ist ein wahrer Stehaufmann. Und auf die im Deutschen übliche Verniedlichung soll an dieser Stelle ganz bewusst verzichtet werden!

Yvan Bourgnon auf Facebook

Tracker

Website Bourgnon

Und ab geht's gen Afrika © colloud

Und ab geht’s gen Afrika © colloud

 

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Michael Kunst

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