Weltumseglung: Yvan Bourgnon mit dem 6,20 m-Katamaran in Australien gelandet

Harter Knochen!

Die bisher schwerste Etappe: Von Vanuatu/Südsee nach Darwin/Australien. 2.500 Seemeilen und der härteste Sturm der Reise. Mit “blockiertem” Rücken, nahezu bewegungsunfähig!

Wie macht der Mann das bloß? Der Schweizer Extrem-Segler muss Rückschlag auf Rückschlag einstecken bei seiner Weltumseglung… und schippert doch immer wieder „fröhlich“, vor allem aber stur weiter.

50.000 km will er in 11-12 Monaten rund um die Welt absegeln, auf einem umgebauten, aber immer noch extrem „fragil“ wirkenden, offenen Katamaran, der lediglich 6,20 m lang ist. 27 Etappen sind vorgesehen – unterm Strich werden es wahrscheinlich weniger, weil Bourgnon sowieso lieber auf dem Meer ist, als an Land.

Segeln auf offenem Katamaran: Immer nass! © tisserand

Segeln auf offenem Katamaran: Immer nass! © tisserand

Vorausgesetzt natürlich, das Meer ist ihm wohl gesonnen. Was nun wirklich nicht immer der Fall ist: Nachdem ihn sein Partner (die Umrundung war zunächst zweihand geplant) schon nach wenigen Wochen auf den Kanaren verlassen hatte, machte Bourgnon kurzerhand eine One-Man-Show aus seinem Vorhaben. Kaum jemand, der daran glaubte, dass er es überhaupt über den Atlantik schaffen würde – nun hat er nach seiner Ankunft in Darwin schon den Pazifik bezwungen (hier kann die Reise auf Tracker verfolgt werden).

Doch seine vorerst letzte Etappe hatte es in sich. Nicht dass er bisher von Stürmen, Strömungen und Havarien am Boot verschont geblieben wäre… die letzten, gemeinsam ausgeführten Eskapaden von „Mutter Natur“ und „Murphy“ (was schiefgehen kann, geht auch schief!) strapazierten das Nervenkostüm des ansonsten eher stoisch wirkenden Seemannes dann doch erheblich.

Abfahrt von Vanatu © tisserand

Abfahrt von Vanatu © tisserand

Nach Ankunft in Darwin berichtet Yvan Bourgnon den Lokalmedien und auf seiner Website:

„Das war die bewegendste Etappe seit Beginn der Reise, eindeutig! Schon der Anfang war bezeichnend: Einen Tag nach Abfahrt bricht mein Backbord-Ruder aus der Aufhängung und ein Ausleger reißt an der Steuerbordseite aus der Verankerung. Für die Reparatur war ich schließlich gezwungen, zu einem Mini-Atoll zu segeln, das irgendwo, mitten im Pazifik ein paar Zentimeter aus dem Wasser ragt. Doch ich konnte keinen Schritt an Land machen – die dort lebenden Vögel haben wohl eine Ausbildung bei Hitchcock genossen!

Dennoch gelang es mir im ruhigen Wasser, einige provisorische Reparaturen durchzuführen, so dass ich es wagen konnte, weiter Richtung Australien zu segeln.

Seit Polynesien lief tatsächlich einiges aus dem Ruder. Zunächst der Bruch am Schiff, dann eine ausgesprochen miese Wetterlage. Auf dem Menü: Dicht bewölkter Himmel, schwere See, starker Wind.

… und dann riss auch noch das Großsegel am Toppnant © tisserand

… und dann riss auch noch das Großsegel. © tisserand

Als ich mich dem „Great Barrier Reef“ näherte, wandten sich die Wettergötter offenbar völlig von mir ab, denn sie schickten einen Sturm, der es wirklich in sich hatte. Sehr unangenehme Situation: Der Wind legte bis auf 60 Knoten (!) zu. Ich will also die fünf Quadratmeter Segelfläche, die ich noch stehen hatte, vollständig einholen, als ein besonders hohe Welle das Boot förmlich in die Luft wirft…

Die Landung auf dem Wasser war extrem hart und ich knallte mit dem Rücken gegen einen Ausleger. Der Aufprall war so heftig, dass ich dachte, ich hätte mir die Wirbelsäule gebrochen. Tatsächlich konnte ich mich nicht mehr bewegen, der gesamte Rücken schmerzte, einer oder mehrere Wirbel waren offensichtlich verschoben.

Da lag ich nun, konnte zunächst stundenlang mitten im stärksten Sturm, den ich jemals erlebt hatte überhaupt nichts mehr machen. Später kroch ich wie ein Greis, laut stöhnend ein paar Zentimeter vorwärts, um zumindest die Fallen zu belegen – das Segel war glücklicherweise noch vor dem Aufprall nach unten gerutscht.

Nur mit dem Mast als Angriffsfläche surfte ich immer noch mit 15 Knoten Geschwindigkeit über die Wellen, doch ich lag schreiend vor Schmerzen zusammengekauert auf meinem „Schlaf-Ausleger“. Zu allem Überfluss fiel auch noch die Selbsteuerungsanlage aus – irgendwie roch es verbrannt in all dem Chaos und unter irrsinnigen Rückenschmerzen machte ich mich auf die Suche nach der Ursache.

Eine der hinteren Schottwände war so heiß geworden, nachdem sich Kabel ser Selbststeuerungsanlage gelöst hatten, dass sie kurz davor stand, Feuer zu fangen. Mitten im Sturm! Ich hab’ dann die Stromzufuhr unterbrochen und bin nur knapp dem Super-GAU auf See entronnen.

6,20 m kurz, aber lang genug, um um die Welt zu segeln! © tisserand

6,20 m kurz, aber lang genug, um um die Welt zu segeln! © tisserand

Am  nächsten Morgen hatte sich der Sturm gelegt, der Himmel sieht aus, als wäre nichts geschehen. Bis auf meine Rückenschmerzen: ich brauchte 30 Minuten, um mich wieder aufzurichten. Doch dann klappten meine Bewegungen von Viertelstunde zu Viertelstunde immer besser.

Zu allem Überfluss war mein Groß an der Mastnut gerissen, so dass ich unter Fock wieder ein kleines Atoll kurz vor dem “Großen Riff” anlaufen musste. Dort wurde 24 Stunden lang das Nötigste erneut repariert und ich konnte die einzige Passage über eine Strecke von 200 km ansteuern, die durch das Riff Richtung Darwin führte.“

Yvan Bourgnon will seine Reise schon in den nächsten Tagen Richtung Bali fortsetzen. Die Segel sind geflickt, die Ruderaufhängung zum x-ten Mal neu fixiert und jeder der 620 cm des Bootes überprüft. Doch was soll das schon heißen, bei dem, was noch vor Skipper und Katamaran liegt?

Bourgnons Blog

avatar

Michael Kunst

Näheres zu miku findest Du hier
Spenden
http://nouveda.com

2 Kommentare zu „Weltumseglung: Yvan Bourgnon mit dem 6,20 m-Katamaran in Australien gelandet“

  1. avatar Tom sagt:

    6200 cm = 62 m

    Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 2

  2. avatar Sven 14Footer sagt:

    Ich kann mir so schwer vorstellen, wie er 60 kn Wind auf dem Kat ohne Kenterung überlebt hat.
    Irgendwie sehr beeindruckend und unglaublich.

    Like or Dislike: Daumen hoch 3 Daumen runter 0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *