Wilts “Freydis” endgültig verloren. Die gescheiterte Rettung in der Nähe von Fukushima

"Mehr als eine Marginalie..."

"Freydis" auf den Felsen an der japanischen Küste. Sie nun doch nicht mehr zu retten. © Heide+Erich Wilts

Das deutsche Weltumsegler-Paar Heide und Erich Wilts hat seine Yacht „Freydis“ nach einer Besichtigung des Strandungsortes in Japan endgültig aufgegeben. Der rote Stahlknickspanter war von dem Tsunami aus der zerstörten Marina gespült worden und 40 Kilometer vom Atomkraftwerk Fukushima entfernt auf felsigem Untergrund gestrandet.

Die schwere Entscheidung über den Totalverlust fiel nach der gefährlichen Reise in die nächste Nähe der verstrahlten Zone. Die Yacht, auf dem das Paar eine lange Zeit seines Lebens verbracht und von der es spannende Reise-Reportagen geliefert hat, ist verloren.

Die Wilts berichten auf ihrer Website:

„Nach dem einzigen Foto, das uns von der FREYDIS vorlag, gingen wir davon aus, dass sie nach ihrer Strandung leer geräumt worden war. Unsere Hoffnung: Die FREYDIS ins tiefe Wasser schleppen zu lassen und so schnell wie möglich aus der verstrahlten Zone nach Süden zu segeln.

Die "Freydis" liegt schwer zugänglich am Fuße einer Steilküste nahe der Strahlungszone. © Heide+Erich Wilts

Aber die Hoffnung erfüllte sich nicht, weil „Freydis“ an einer Steilküste liegt.  „Vom tiefen Wasser getrennt durch ein ausgedehntes Riff und eingeklemmt zwischen großen Felsbrocken.“

Das Schiff sei nur zu erreichen gewesen, indem man sich über die Steilküste abseilt oder bei Niedrigwasser durch die Brandung watet. „Wir zogen den Gang durchs Wasser vor“.

Die erste Nachricht war positiv. Entgegen anders lautenden Meldungen war nichts aus der Yacht entwendet worden. Die Ausrüstungsgegenstände an Deck fehlten, weil das Wasser sie fortgerissen hatte.

„Von aussen sah die “Freydis” ganz manierlich aus, wenn auch an einigen Stellen an den Seiten stark verbeult, die Fenster waren heil geblieben und der Mast und das Rigg dank ihrer stabilen Bauweise intakt.“

"Freydis" in besseren Zeiten während ihres Japan-Törns 2010. © Heide+Erich Wilts

Dafür herrschte innen „das absolute Chaos“. „20 Liter Öl aus der Hauptmaschine und der Inhalt aus den vielen Farbdosen und Kanistern mit Öl und anderen Schmierstoffen sind mit dem Seewasser eine schmierige, klebrige Emulsion eingegangen“.

Das Paar beschloss, nur Beschläge, Winschen, Anker, Ketten und Segel abzubergen. Einheimische Segelr halfen. Sie waren „der einzige Lichtblick“ bei dem traurigen Ausschlachten der Yacht. Die Wilts waren überwältigt von „der Hilfsbereitschaft und Solidarität der japanischen Segelfreunde, von denen die meisten selbst ihr Boot durch den Tsunami verloren hatten.“

„Tagelang halfen sie uns, bauten eine Hilfskonstruktion aus Seilen, mit denen die Teile vom Schiff zur Mole gezogen werden konnten. Anschließend transportierten sie alles nach Yokohama zur Bayside Marina und halfen uns bei der Reinigung der Gegenstände und Segel.“ Die Ausrüstung ist per Container auf dem Weg nach Hamburg.

Heide Wilts schreibt: „Das ganze Unternehmen war nicht nur aufwändig, sondern auch anstrengend, frustrierend und gefährlich. Bei einer der nächtlichen Rückfahrten ist Erich vor Erschöpfung eingeschlafen und erst vom Krachen an der Leitplanke wieder aufgewacht.“

Die „Freydis“ ist verloren. „Ohne Kran, den man nicht hierher bringen konnte, gab es keine Lösung, sie heil über die Felsen und das breite Riff ins tiefe Wasser zurück zubringen. Dazu die radioaktive Strahlung, die bei entsprechender Winddrehung lebensbedrohliche Ausmaße für uns annehmen konnte.“

Das traurige Fazit: „Nach 33 Jahren und 248.000 Seemeilen haben der Tsunami und die Radioaktivität der „Freydis“ den Garaus gemacht, lange vor ihrer Zeit, schließlich hatten wir sie erst vor 7 Jahren mit erheblichem Aufwand generalüberholt.

Viele schlaflose Nächte liegen hinter uns und viele Tränen wurden geweint. Mit der “Freiydis” haben wir nicht nur einen Gegenstand von materiellem Wert verloren – sie war ein Teil unseres Lebens. Aber klar – es hätte noch schlimmer kommen können und andere hat viel größeres Leid getroffen.

Aber eine “Marginalie” – wie der ein oder andere Zeitungskommentar lautete – ist dieser Verlust für uns gewiss nicht. Genauso wenig, wie es eine Marginalie ist, wenn eine japanische Familie ihr geliebtes Haus in der Sperrzone aufgeben muss, wobei wir nicht einmal auf eine “Entschädigung” von Tepco oder sonst jemand hoffen können.

Jetzt überlegen wir, wie es weitergeht, wir sondieren und sortieren. Die finanzielle Hürde für einen Neubeginn ist hoch und wir beide sind nicht mehr die Jüngsten. Aber eins steht fest: Wir werden eine Lösung finden. Segeln zu fernen Gestaden ist für uns immer noch die schönste Nebensache der Welt.“

Die Wilts waren 2010 erstmalig nach Ostasien gesegelt. Im Interview mit Uwe Röttgering berichteten sie bei SegelReporter über ihr Reiseziel, das ihrer Yacht nun zum Verhängnis wurde.

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Carsten Kemmling

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2 Kommentare zu „Wilts “Freydis” endgültig verloren. Die gescheiterte Rettung in der Nähe von Fukushima“

  1. avatar Na Hoppla sagt:

    Die radioaktive Strahlung hat bestimmt nichts zum Verlust der Freydis – so sehr ich diesen Verlust bedaure – beigetragen.

    Das ist billigste Boulevard-Berichterstattung, sorry!

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 2 Daumen runter 6

  2. avatar Uwe sagt:

    Na Hoppla sagt:
    04.06.2011 um 21:34

    “Die radioaktive Strahlung hat bestimmt nichts zum Verlust der Freydis – so sehr ich diesen Verlust bedaure – beigetragen.

    Das ist billigste Boulevard-Berichterstattung, sorry!”

    Mit Boulevard hat das nichts zu tun ! Ohne die Gefahr einer ungünstigen Winddrehung hätte man sich mehr Zeit für die Bergung der Freydis nehmen können und das Schiff von der Seeseite aus bergen können.

    Like or Dislike: Daumen hoch 3 Daumen runter 1

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