Yacht-Design: Futuristische 12 Millionen Yacht soll im April auf Kiel gelegt werden

Frau Doktor geht segeln

Wie ein Insekt von einem anderen Stern: Der Fresnel-Trimaran © Margot Krasojevic

Wie ein Insekt von einem anderen Stern: Der Fresnel-Trimaran © Margot Krasojevic

Dr. Margot Krasojevic hat Fantasie, das muss man ihr lassen. Wie ein Werk aus einer anderen Dimension wirkt ihre Designstudie. Doch nun soll die Yacht Realität werden.

Ihre Kunden seien „Segler aus Leidenschaft“ und würden sich für „entspanntes Cruising sowie ambitioniertes Regattasegeln“ gleichermaßen interessieren, behauptete Dr. Margot Krasojevic kürzlich während eines Interviews mit der „Daily Mail“.

Ist das für oder kommt das aus der Zukunft? © Margot Krasojevic

Ist das für oder kommt das aus der Zukunft? © Margot Krasojevic

Die „Holden Manz Wine Estate“, ein bekanntes Weingut mit luxuriösem Hotelkomplex in Südafrika, hatte Anfang des Jahres bekannt gegeben, dass sie den Entwurf der jungen Star-Designerin umsetzen lassen wolle.

Unter seglerisch etwas versierteren Lesern der Zeitung hatte diese Ankündigung Hohn und Spott ausgelöst.

Denn der Entwurf der jungen Architektin und Designerin, die zwischen ihren Büros in London, Peking und Belgrad pendelt, erfüllt zwar voll und ganz seine Aufgabe als engagierte, sphärisch anmutende Studie zum Thema „Schönes Design mit Segel“ – doch wie soll sowas jemals segeln?

Ein seltsamer Segelschnitt, der sich um den Rumpf herum wölbt © Margot Krasojevic

Ein seltsamer Segelschnitt, der sich um den Rumpf herum wölbt © Margot Krasojevic

Die Architektin, bisher eher aufgrund ihrer spektakulären Konzeptionen wie einem „vertikalen, hydroelektrischen Wasserfall-Gefängnis“, einem „hängenden Hotel für Kletterer“ oder einer „schwimmenden Wein-Bar“ in Paris bekannt, ist sich ihrer Sache jedoch sicher. Sie habe sich mit versierten Seglern beraten und nahezu alle ihre Ideen seien im Prinzip sofort umsetzbar.

Den „Fresnel Hydrofoil Trimaran“ sieht sie auch als ein ökologisch zukunftweisendes Objekt: Der rasende Trimaran, der im „Cruising-Modus“ zum Monorumpfer eingeklappt werden soll, „wird ein 100%iger Selbstversorger,“ erklärt die Jugoslawin. Für die Stromversorgung an Bord aber auch für den Vortrieb bei Flaute durch einen Elektromotor sollen Solar-Panels im Segel sorgen.

Mit Fresnel-Linseln und holografischen Folien in den Schwimmern werden die Sonnenstrahlen gebündelt zu den Solar-Panels im Segel reflektiert © Margot Krasojevic

Mit Fresnel-Linseln und holografischen Folien in den Schwimmern werden die Sonnenstrahlen gebündelt zu den Solar-Panels im Segel reflektiert © Margot Krasojevic

Apropos: Das optisch auffälligste Feature auf dem „Fresnel Trimaran“ ist Form und Beschaffenheit des „Segels“. Eine Art „Segel-Rahmen“ aus Karbonfasern wölbt sich sogar um den Rumpf, das „faltbare Flügel-Segel“ selbst soll aus Kevlar sein. Die Funktionsweise scheint eher unklar, an so Nebensächlichkeiten wie Wendemanöver, Halsen etc. wurden offenbar nicht so viele Gedanken verschwendet. Obwohl: Der Karbon-Mast ist motorisiert, „sein Anstellwinkel könne nahezu beliebig verändert werden“. Auch um den Solar-Panels immer den richtigen Sonnenlicht-Einfallwinkel zu bescheren.

Zudem gibt es Hydrofoils, die den Trimaran „aus dem Wasser heben und ihn schneller machen sollen,“ schreibt die Architektin mit Doktortitel, die wohl beim America’s Cup gut aufgepasst hat. Der Trimaran kann ebenso in den Einrumpf-Modus zusammengefaltet werden, was sich offenbar bei höherem Seegang empfiehlt.

So präsentiert sich Margot in sozialen Netzwerken © Margot Krasojevic

So präsentiert sich Margot in sozialen Netzwerken © Margot Krasojevic

Wirklich pfiffig, wenn auch nicht ganz neu, erscheint die Idee mit den (namensgebenden) Fresnel-Linsen. Diese optischen Linsen, die bereits seit 1822 in Leuchttürmen und Leuchtfeuern Verwendung finden, sind gemeinsam mit holografischen Folien auf den Outriggern so positioniert, dass sie eingefangenes Sonnenlicht zusätzlich in die Solar-Panels auf dem Segel reflektieren können.

Dass die alte Weisheit „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“ nicht immer schlüssig sein muss, zeigt die derzeitige Suche der Designerin und ihres offenbar willigen Kunden nach einer geeigneten Werft. Mehrere Bootsbauer haben sich offenbar für die Umsetzung des Projektes interessiert, sprangen aber später ab. Doch Dr. Margot Krasojevic bleibt zuversichtlich: „Ab April wird gebaut!“ Bei einem Verkaufspreis von 12 Millionen Euro kann man schließlich auch ein gewisses Engagement erwarten.

Mit Fresnel-Linseln und holografischen Folien in den Schwimmern werden die Sonnenstrahlen gebündelt zu den Solar-Panels im Segel reflektiert © Margot Krasojevic

Mit Fresnel-Linseln und holografischen Folien in den Schwimmern werden die Sonnenstrahlen gebündelt zu den Solar-Panels im Segel reflektiert © Margot Krasojevic

Spenden
https://northsails.com/sailing/de/

4 Kommentare zu „Yacht-Design: Futuristische 12 Millionen Yacht soll im April auf Kiel gelegt werden“

  1. avatar wtf sagt:

    Die liebe Architektin scheint beim AC gut aufgepasst zu haben und gesehen zu haben das Hydrofooils tatsächlich irgendwie ziemlich sexy sind.

    Schade das Frau Dr. nicht geschnallt hat weswegen die AC-Kats Segel bzw. Wings mit einem so immensen Streckungsverhältnis hatten. Das Ding was sie entworfen hat treibt vielleicht vorm Wind Am WInd ist die Aerodynamik Grütze oder wie soll man ein Streckungsverhältnis von geschätzt 0.5 bewerten???

    Immer wieder schön was Architekten und Industriedesigner für nette Ideen haben!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 2

    • avatar Schnappi sagt:

      Ich glaube kaum, dass dieses DING nur wegen dem Längen/breitenverhältnis nicht schwimmt – von segeln oder gar foilen mal ganz zu schweigen. Sollte sie etwas foilendes in der Größe innerhalb weniger Monate zeichnen und bauen kann sie beim Vorbild AC gleich mit arbeiten anfangen. Die Jungs brauchen dafür Jahre.

      Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

  2. avatar Super-Spät-Segler sagt:

    Das Teil wäre auch nicht im geringsten leegierig!

    Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

  3. avatar Arne sagt:

    mal abgesehen von der Frage, ob so etwas überhaupt funktionieren kann, habe ich auch erhebliche Zweifel, dass 12 Mio dafür reichen.

    Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *