Yachtklau: Deutscher stiehlt Luxus-Kat in Kroatien und wird auf den Antillen geschnappt

"Ein neues Leben"

Katamaran, gestohlen, wiedergefunden

Neuer Name, aber kein neues Glück: Die “Papillon” © gendarmerie maritime

Der Plan war simpel: Einfach die Charter-Yacht nicht zurückbringen und weitersegeln bis in die pazifische Südsee. Doch die „Gendarmerie Maritime“ machte einen Strich durch die Rechnung.

Tausende Yachten werden jährlich auf der ganzen Welt gestohlen und nur ein Bruchteil der Diebstähle kann aufgeklärt werden. Ein Fakt, der sich im Laufe der vergangenen Jahre auch mit weltweiter Vernetzung der Behörden nicht wesentlich geändert hat. Allein in Deutschland wurden im Jahr 2014 knapp 300 Boote gestohlen, in Schweden waren es sogar über 2.000.

Vorsprung verschaffen

Auch der Diebstahl großer Yachten hat proportional deutlich zugenommen. Vor allem Chartergesellschaften sind betroffen: Fast schon ein Klassiker unter den Diebstahl-Mustern ist ein vorgetäuschter mehrwöchiger Chartertörn, mit dem sich die Diebe einen Vorsprung für optische Bootsveränderungen und reichlich Seeraum zwischen sich, der Yacht und der Charterbasis verschaffen.

Auf diese Weise wollte auch ein deutscher Segler Ende letzten Jahres „ein neues Leben beginnen“. Der 50-jährige in der Szene offenbar bekannte Skipper, charterte im Oktober 2015 einen nagelneuen Katamaran „Fountaine Pajot Saba 50“ bei einer kroatischen Chartergesellschaft. Der Katalogwert des Schiffes wurde später auf 700.000 Euro beziffert.

Sofort Alarm geschlagen

Wie offenbar schon mehrfach zuvor, gab der Deutsche an, dass er mit Chartergästen einige Wochen in der Adria cruisen wolle. Als der Luxus-Katamaran am vereinbarten Termin Ende Oktober nicht wieder in die Charter-Basis zurück gebracht wurde, schlugen die Eigner des Schiffes sofort Alarm.

Die kroatische Polizei ermittelte vor Ort, gab aber sämtliche Einzelheiten und Informationen zügig an das Interpol-Netzwerk weiter. Häfen und Charterbasen im Mittelmeerraum wurden alarmiert, die Segler-Szene um Mitarbeit bei der Suche gebeten. Doch zunächst blieb der Katamaran mit dem (ursprünglichen) Namen „Martintin“ wie vom Erdboden respektive der See verschluckt.

Bis offenbar aus der Fahrtensegler-Szene der Hinweis kam, das Schiff könne sich bereits auf dem Weg zu den Antillen befinden…

Katamaran, gestohlen, wiedergefunden

Marigot-Harbor: Hier wurde die Gendarmerie Maritime auf dem Katamaran “Papillon” fündig © Tourismus St. Maarten

Motorennummern stimmten nicht

Was die Französische Gendarmerie Maritime auf den Plan brachte. Die ist nicht nur vor den Französischen Küsten auf Patrouille, sondern auch vor ihren sogenannten Dom-Tom-Gebieten, ehemalige Kolonien und heutige „Französische Überseegebiete“. Wie etwa vor der Antilleninsel „Saint Martin“.

Dort hatte die Besatzung des Patrouillenbootes „La Violette“ nun ein besonderes Auge auf Katamarane der gehobeneren Klasse geworfen und wurde in der Bucht „Marigot“ Mitte Dezember „fündig“.

Ein Fountaine Pajot Saba 50-Kat hatte gerade nach einer offenbar turbulenten Atlantik-Überquerung Anker geworfen, als die „La Violette“ zwecks Kontrolle längsseits ging. Der Katamaran segelte mittlerweile unter Deutscher Flagge und hörte auf den romantischen Namen „Papillon“ (Schmetterling), was auch mit auffälligen Klebefolien unterstrichen wurde.

Wie die Gendarmen später mitteilten, sei das Schiff in einem hervorragenden Zustand gewesen und wirkte in vielen Bereichen „wie neu“. Zunächst gab es auch nichts zu beanstanden: Die Papiere schienen in Ordnung, Kaufverträge etc. authentisch. Bis beim Vergleich der Motorennummern klar wurde, dass dieselben nicht mit den Angaben in den Papieren übereinstimmten.

Darauf angesprochen zeigte sich der Skipper nach Angaben der „Gendarmerie Maritime“ rasch geständig, vor allem aber „total überrascht“, dass man ihm auf die Schliche gekommen sei. Sein „Coup“ sei minutiös und schon seit Längerem geplant gewesen, er habe „ein neues Leben anfangen wollen“. Sein Plan war, den Winter auf den Antillen zu verbringen, um später Richtung Polynesien zu segeln, wo er offenbar auf seiner „neuen Yacht“ erneut Charterreisen anbieten wollte.

Tipp: André Mayer

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Michael Kunst

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