1. Segel-Bundesliga: Titelverteidiger mit Vorentscheidung – Schümann-Club unter Druck

Bigpoint gelungen

Der Deutsche Touring Yacht-Club ist der Konkurrenz mit dem dritten Saison-Sieg in Kiel weit entrückt. Ein elfter Platz beim Finale würde für die Titelverteidigung schon genügen.

Es hat lange gedauert, bis es der Deutschen Segel-Bundesliga endlich einmal wieder vergönnt war, das volle Programm der vorgesehenen jeweils 47 Rennen in beiden Ligen durchzusegeln. In der Kieler Innenförde folgten am fünften Spieltag auf anfängliche leichte Winde schließlich sogar Gleitfahrten der J/70-Flotte.

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Aufgewühltes Wasser in der Förde. © Sven Jürgensen

Und nachdem die Veranstalter in Berlin keine Video-live-Übertragung mehr angeboten hatten, zeigten sie nun wieder das volle Programm aus dem SAP Sail Cube. Insbesondere die Drohnen-Übetragung ermöglicht einen Blick auf die Regatten, die eine neue Qualität für den Segelsport erreicht (Replays siehe unten).

Sportlich stand nach vier Spieltagen der Dreikampf an der Spitze im Vordergrund. Die Titelverteidiger vom Deutschen Touring Yacht-Club lagen nur ein Pünktchen vor den Aufsteigern vom Lindauer Segel-Club und fünf vor dem VSaW aus Berlin. Da sollte sich der Titelkampf zuspitzen.

Einzige Steuerfrau

Umso erstaunlicher war die Aufstellung des VSaW, der in dieser brisanten Situation kein schlachterprobtes Team auf den Platz schickte, sondern erstmals die 23-jährige Laser-Seglerin und Steuerfrau Chiara Steinmüller. Und auch Carl Naumann kam erstmals neben dem erfahrenen Taktiker Tim Elsner und Trimmer Jens Steinborn zum Bundesliga-Einsatz.

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Die J/70 Flotte vor der größten Segelyacht der Welt “A”. © Sven Jürgensen

Steinmüller schlug sich schließlich beachtlich mit Rang sieben, aber gegen das Erfolgsquartett vom Deutschen Touring Yacht-Club mit Julian Stückl, Patrick
Follmann, Jonas Vogt, Luis Tarabochia konnten sie keinen Boden gutmachen.

Die Bayern drängten früh auf die Entscheidung, und nun ist sie schon fast ein Spieltag vor dem Schluss geglückt. 11 Punkte beträgt der Vorsprung und es ist schon mehr als zwei Jahre her, dass der DTYC einen solch schlechten Platz ersegelt hat.

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Die Siegerteams vom DTYC, NRV und BYC beim Sekt-Finale. © Sven Jürgensen

Der aktuelle Vorsprung liegt insbesondere an der kurzzeitigen Auszeit der härtesten Verfolger vom Lindauer Segler-Club. Veit und Theresa Hemmeter, Fabian Gielen und Martin Hostenkamp erwischten in Kiel ein rabenschwarzes Wochenende. Nach zahlreichen Penalties und Frühstarts, die unter anderem zu drei letzten Plätzen am Ende der Serie führten, landeten sie nur auf Rang 14. Somit schob sich der VSaW in der Gesamtwertung  vorbei auf Rang zwei.

Kampf um Champions League Plätze

Nun geht es für den LSC beim Finale darum, den Champions League Platz gegen den aufkommenden Chiemsee Yacht-Club und den Bayerischen Yacht-Club zu verteidigen. Poldo Fricke am Steuer bewies erneut mit Rang fünf nach dem Gastspiel von Vincent Hösch in Berlin, dass er solide punkten kann. Zwischenzeitlich lagen die Bayern sogar auf Siegkurs.

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Die Strafe für zu schnelles Vorbeifahren 🙂 © Sven Jürgensen

Und auch der Bayerische Yacht-Club als zweiter Aufsteiger in der Spitzengruppe zeigt mit dem dritten Bronze-Platz in der Saison, dass sich insbesondere Philipp Hibler (24) als echter Spitzen-Steuermann in der Liga etabliert hat. In Kiel hatte er wieder die erfahrene Mitsegler Andreas Plettner und Andreas Achterberg an seiner Seite sowie den jungen Jan Nürnberger.

In Kiel fand auch der NRV wieder einmal in die Erfolgspur. Das Team mit Carsten Kemmling, Mitja und Miklas Meyer sowie David Heitzig, das bei seinem Ersteinsatz in Travemünde mit Rang 16 so schwer geschlagen worden war, kam in Kiel mit Rang zwei deutlich besser zurecht. In Kiel ging  Zweikampf um den Sieg mit dem überragenden Touring Yacht-Club nach einem verpatzten 15. Rennen allerdings dann doch verloren.

Grotelüschen stark

Erwartet stark präsentierte sich in Kiel der Laser-Olympionike Simon Grotelüschen, der mit seinen Leistungen den Aufstieg für den Lübecker Yacht-Club in die erste Liga perfekt gemacht hatte aber dann nicht mehr segelte. Zusammen mit Lasersegler Oltmann Thyen, 505er Weltmeister Leon Oehme und Hanno Weimer steuerte er Lübeck auf Rang vier und hat als 15. erstmals in der Saison den direkten Abstiegsplatz verlassen.

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Die sechs Liga Boote eng beisammen auf der Kieler Innenförde. © Sven Jürgensen

Grotelüschen, der seine Ausbildung zum Mediziner in den vier Jahren nach seinem Olympia-Abschied schon fast durchgezogen hat, kann es nun beim Finale schaffen, sogar noch den rettenden 12. Platz zu erreichen. Der Abstand beträgt nur vier Punkte.

In diese Richtung darf auch der Kieler Yacht-Club schielen, für den Julian Ramm endlich wieder einmal an die Vorjahreserfolge anknüpfen konnte und nun nach Rang sechs beim Heimspiel auch noch Hoffnung auf den Klassenerhalt haben kann. Der KYC hat als 16. fünf Punkte Abstand zu Rang 12.

Schümann muss das Wunder schaffen

Ganz eng wird es diesmal für die Segler Vereinigung Itzehoe. Ein ordentlicher 9. Platz hat in der Tabelle nicht viel geholfen. Es steht immer noch der vorletzte Platz zu Buche und der Abstand zur Relegation beträgt fünf Punkte.

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Zweikampf im Glitsch-Modus. © Sven Jürgensen

Auch der 470er Olympionike von 2000 Stefan Meister ist bei seinem ersten Saison-Einsatz für den Yachtclub Berlin-Grünau als 11. ordentlich gesegelt. Aber das Ergebnis half nicht dabei, den legendären Ost-Verein vom letzten Platz zu hieven.

Eine Chance zur Relegation besteht, auch wenn der Abstand zu Rang 15 schon neun Punkte beträgt. Und dort rangiert eben kein geringerer als Grotelüschen. Aber der YCBG hat ja noch Jochen Schümann in der Hinterhand. Er hat die Relegation für seinen Verein schon einmal im Frühjahr in Starnberg gewonnen. Wenn er eine realistische Chance auf eine Wiederholung sieht wird er am Start sein, heißt es aus dem Team.

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Dieser fiese Mmoment, wenn der Gegner unter Gennaker in Lee reinrutscht. © Sven Jürgensen

Der große Showdown um den Meistertitel Auf .und Abstieg findet in gut einem Monat (27. bis 29. Oktober) in Hamburg auf der Außenalster statt.

Ergebnisse Tabelle Segel-Bundesliga nach fünf Spieltagen

Ergebnisse 5. Spieltag Kiel

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Carsten Kemmling

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