RC44 Austria Cup

Larry Ellison segelt mit Russell Coutts am Traunsee vorneweg. Wie ist das möglich?

Larry Ellison hat Spaß. Beim entscheidenden Match gegen Profi Cameron Appleton rutscht er dem Gegner in Luv drüber. © GEPA / Ralph Martin Fisher / RC 44

Es war ein wenig peinlich als Russell Coutts im Februar eine Woche vor dem America´s Cup wutschnaubend vor die versammelte Presse trat. Er redete lange, stotterte ein wenig auf seine typische Art, wenn er aus der Reserve gelockt wird. Er wollte die jüngsten PR-Angriffen aus dem Alinghi-Lager kontern und sich vor seinen Boss stellen. Larry sei ein besserer “business man” als Ernesto. Schließlich habe er sein Imperium selbst aufgebaut und nicht geerbt. Autsch! Und segeln könne er sowieso viel besser. Autsch, Autsch!

Coutts mag sich später über seinen Ausbruch geärgert haben. Denn er redete lange darüber, warum sein Chef ein besserer Segler sei als der Alinghi Chef. Das ist schwer zu beweisen, wenn man nicht direkt gegeneinander antritt. Aber Coutts sagte: “Er reist einige Tage vor der Regatta an und gewinnt dann als Steuermann ein Match Race Event gegen Ben Ainslie und James Spithill. Am Gardasee gewann er sogar eine Match Race Serie gegen Dean Barker…Ich habe die Taktik für Ernesto Bertarelli gemacht, als wir die Farr 40 WM gewonnen haben. Ich kann also sehr gut beurteilen, wer der bessere Segler ist”

Auch im Zweikampf mit der neuseeländischen Match-Race-Legende Rod Davies liegt er vorne. © GEPA / Ralph Martin Fisher / RC 44

Gott sei Dank ist es inzwischen unwichtig geworden, wer der bessere Segel-Milliardär ist. Aber Larry Ellison zeigt zur Zeit beim RC44 Austria Cup am Traunsee eine beachtliche Vorstellung am Lenker. Dabei geht es nicht um das Fleetrace, bei dem er zurzeit punktgleich mit dem zweiten Boot aus dem BMW Oracle Stall vorne liegt. Beim Fleetrace steuern die Eigner, und da sollte Ellison gute Siegchancen haben.

Erstaunlicher ist die Leistung des 65-Jährigen bei der Match Race Serie im ersten Teil der Veranstaltung. Dabei dürfen die Profis steuern. Aber Ellison siegte trotzdem gegen Cameron Appleton, Paul Cayard, James Spithill, Terry Hutchinson oder Markus Wieser. Wie ist das möglich? Coutts antwortet: “Er schart gute Leute um sich und ist definitiv ein guter Segler. An einem guten Tag kann er vorne sein.”

Klar, Russell Coutts steht hinter ihm am Steuer. Aber beim Vorstart kann ein Taktiker dem Steuermann wenig Verantwortung abnehmen. Sollte Ellison tatsächlich Überflieger-Fähigkeiten haben? Die fünf gewonnenen Maxi Weltmeisterschaften mit seiner “Sayonara” Yacht sind in diesem Zusammenhang wenig beeindruckend. Sie kamen mithilfe zahlreicher Profis zustande. Aber die Verbindung mit Coutts scheint sehr effektiv zu sein. Der Neuseeländer mag ein Gespür dafür haben, wie er seinen Chef auf dem Boot am besten fernsteuert.

Eine andere Erklärung mag die Qualität der übrigen Teams sein. Sie wird herabgewürdigt, wenn ein 65-jähriger Amateur vorneweg fährt. Andererseits kann man davon ausgehen, dass das BMW Oracle Team im Manöver Bereich weit vorne liegt. Die Mannschaft ist schließlich zurzeit das einzige vollbezahlte Syndikat. Die beste Crew steht unter Vertrag und dürfte die manöverintensiven RC44 Yachten schnell und sicher über den Parcours bringen. Die übrigen Crews werden dagegen häufig neu für die Events zusammen gestellt und kommen auf wenige Trainingsstunden.

Larry dürfte jedenfalls Spaß haben. Erst gewinnt er den America´s Cup. Und jetzt beweist er auch noch, dass er ziemlich gut segeln kann. Russell Coutts sei Dank.

RC44 Austria Cup: rc44.at
Klassen-Seite: www.rc44.com/en

Carsten Kemmling
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Andreas John

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