2. Bundesliga: Bremen, Hamburg und Schwerin steigen auf – SKWB so stark wie nie

Überflieger aus Bremen

Die Finalrennen der zweiten Liga brachten viel Spannung bei der Saison-Entscheidung. Es gab Freudenschreie und bittere Enttäuschung. Auch die sechs Absteiger stehen nun fest.

Segel-Bundesliga 2. Liga

Die überlegenen Zweitliga-Gewinner von der Segelkameradschaft “Das Wappen von Bremen” © DSBL/Oliver Meier

Spitze Schreie gellen über den Rennkurs. Silke Basedow ihre Schwester Maren
Hahlbrock, Luisa Krüger und Lamberto Cesari haben für den Hamburger Segel-Club den Aufstieg perfekt gemacht.

“Wohl 100-Mal waren wir schon Vierte, jetzt haben wir es endlich mal verdient”, sagt die Steuerfrau. Die amtierende deutsche Match Race Meisterin, die für 2012 nur denkbar knapp die Olympia-Qualifikation für Deutschland verpasst hatte, qualifizierte sich mit ihrem Team bei einem aufreibenden Finalrennen für die erste Liga.

Die Rechenspiele zum Zweitliga-Finale sind kompliziert und finden auf drei Ebenen statt. Die Wertung im letzten Lauf bestimmt die Platzierung in Kiel und damit den Ausgang in der Abschlusstabelle nach fünf Spieltagen.

Hamburger Zweikampf

Da sind im Finalrennen ausgerechnet die Hamburger Freunde vom Blankeneser Segel-Club die ärgsten Gegner. Wenn der HSC in diesem Lauf vor den Kollegen liegt, bringt ihn das in der Kiel-Wertung voraus und damit auch in der Tabelle auf den Top-Drei-Platz.

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Die drei Frauen mit ihrem Italiener vom HSC haben den Aufstieg endgültig geschafft. © DSBL/Oliver Meier

In diesen engen Situationen war es in den vergangenen Jahren immer schlecht gelaufen für den HSC. Die beiden Top-Teams um die Steuerleute Silke Basedow oder Max Gurgel vergaben jeweils die Big Points. Auch deshalb wurde ein Mental-Coach engagiert, der inzwischen zusätzlich mit dem Erstliga-Team aus Itzehoe arbeitet.

Er mag schon Wirkung zeigen, denn eigentlich ist es ein Wunder, dass die extrem leichte Frauen-Crew, die mit dem Italiener Lamberto Cesari kaum 260 Kilogramm auf die Waage bringt, dieses Handicap bei dem eher starken Wind am Wochenende aus dem Kopf bekommt.

Entscheidung kurz vor dem Ziel

Für den finalen Zweikampf mit Blankenese scheinen sie bestens gerüstet. Aber es läuft nicht, wie gewünscht. Der Effekt eines starken Starts in Luv verflüchtigt sich nach gleich sechs Wenden auf der ersten Kreuz, während die Gegner über die linke Seite nur zwei benötigen und an der Luvtonne knapp voraus liegen.

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Der BSC wird unglücklicher Siebter. © DSBL/Oliver Meier

Aber vor dem Wind gelingt das Überholmanöver nach einer besseren Halse. Der HSC wäre aufgestiegen. Doch die zweite Kreuz geht wieder über links und der BSC zieht dort vorbei. Die Hamburg-Fans an Land können kaum noch zuschauen.

Dann kommt der entscheidende Fehler. Die Blankeneser um den erfolgreichen J/24-Segler Stefan Karsunke lassen die Frauen an ihrem Heck nach rechts passieren. Beim nächsten Zusammentreffen kurz vor der Tonne hat der HSC Vorfahrt und rettet schließlich den minimalen Vorsprung ins Ziel.

Schweriner Überraschung

Wenig Meter vor der Linie werden sie allerdings noch von Schwerin überholt. Jens Lehmann, ehemaliger 470er Kader-Segler, macht damit auf den letzten Metern die Überraschung perfekt. Von Rang sechs auf vier durchgerauscht, die Schweriner können es kaum fassen.

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Die Überraschungs-Aufsteiger vom Schweriner Yacht-Club. © DSBL/Oliver Meier

Diese zwei Punkte schiebt das Team in der Kiel-Wertung von Rang 6 auf 5 vorbei an Blankenese und damit auf Tabellenplatz drei. Das ist der direkte Aufstieg. Damit haben die Mannen aus der ehemaligen DDR-Kader-Schmiede, für die in Kiel Altmeister Ingo Köhn mit dem DSV-Sportdirektor Throsten Haverland gepunktet haben, nicht gerechnet.

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Der Mühlenberger Segel-Club schwächelt in Kiel und verpasst knapp den direkten Aufstieg. © DSBL/Oliver Meier

Leidtragender dieser Entwicklung auf den letzten Metern ist besonders der Mühlenberger Segel-Club aus Hamburg. Die Überflieger um den jungen Laser-Steuermann Magnus Simon, die schon die Serie 1/2/1 an drei Spieltagen platzierten kommen in Kiel gar nicht gut zurecht. Sie liegen auf Rang zehn und müssen an Land mitzittern, dass Schwerin und Hamburg nicht punkten. Schließlich rutschen sie in der Gesamtwertung von Rang 1 auf 4, den ersten Platz in der Relegation.

Überragender Sieger

Bei diesem Drama um den Aufstieg geht schon fast unter, wie überragend die Zweitliga-Meister von der Segelkameradschaft “Das Wappen von Bremen” besonders in Kiel gesegelt sind. Ein Sieg mit 21 Punkten Vorsprung ist noch keinem Verein gelungen. 11 erste Plätze in 17 Rennen und keine schlechtere Platzierung als Rang drei zeigen eine Überlegenheit, die bisher nicht für möglich gehalten worden war.

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Die Liga-Sieger mit dem neuen Wanderpreis-Bild gestiftet von der Entdecker+Seefahrer-Trimmerin Antje Gosch. © DSBL/Oliver Meier

Gordon Nickel, Morten Nickel, Thomas Dehler und Nick Schlomka schaffen damit nach einem Jahr in der zweiten Liga den direkten Wiederaufstieg für den Verein. Steuermann Grodon Nickel hat die Bilanz von 1/2/1 bei seinen Einsätzen, und die Relegation ging wohl auch verloren, weil er in Starnberg mit Prüfungen beschäftigt war. Aber das SKWB-Mannschaft ist breit aufgestellt. Auch Steuermann Björn Beilken gelang in Travemünde Rang drei.

Das Team, das auch viele Klassenregatten wie bei der EM in Kiel, am Gardasee oder auch bei der Cowes Week bestreitet, dürfte eine starke Rolle 2017 in der ersten Liga spielen können.

Der Kampf am unteren Ende der Zweitliga-Tabelle war nicht so dramatisch wie an der Spitze. Den wichtigen 12. Platz, der zum Verbleib in der Liga berechtigt, behauptet die Seglergemeinsschaft Lohheider See als Aufsteiger. Sie ist damit der einzige NRW-Verein, der den Platz in der zweiten Liga hält. Die anderen müssen ihr Glück bei der nächsten Qualifikation in Glücksburg versuchen.

Abschlusstabelle der 2. Liga 2016

Ergebnis 2. Segel-Bundesliga Kiel 2016

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Erik Witzmann punktet regelmäßig mit seiner Crew für den SV03. © DSBL/Oliver Meier

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Die Aufsteiger vom Schlei Segel-Club um Andreas Willim halten locker die Klasse. © Sven Jürgensen

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Vater Wedemeyer und Töchter segeln für den Duisburger Yacht Club. © DSBL/Oliver Meier

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Carsten Kemmling

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4 Kommentare zu „2. Bundesliga: Bremen, Hamburg und Schwerin steigen auf – SKWB so stark wie nie“

  1. avatar Manfred sagt:

    Gelten in der BuLi andere Klassenregeln für das ausreiten als in regulären J70 Regatten? Bin stark verwirrt, wenn ich 5 Beine und drei Oberkörper über der Luvkante sehe…

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    • avatar Carsten Kemmling sagt:

      jepp. die normale hiking klassenregel ist in der deutschen liga aufgehoben

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  2. avatar Observer sagt:

    Ausschreibnug der Bundesliga:
    Punkt 7 “Regeln
    Die einzelnen Regatten unterliegen den Regeln wie sie in den „Wettfahrtregeln Segeln“
    festgelegt sind, mit Ausnahme von Klassenregeln. Es gelten die Regeln zur Handhabung der Boote
    , die den Status von Klassenregeln haben, wie sie in der jeweiligen Segelanweisung definiert sind.”

    Segelanweisung für Kiel Anhang B:
    “B4 Weitere Regeln
    B4.1Mannschaftsposition
    (a)
    Die Crew darf nicht am stehenden Gut hängen, schieben oder ziehen um Gewicht
    außenbords zu verlagern oder Manöver zu unterstützen. Ausgenommen sind die
    Relingsleinen, sofern an diesen nicht von außen gehangen wird.
    (b)
    Die Crew darf nicht auf den Relingsleinen stehen, sitzen oder liegen, außer auf dem Heck-Korb
    , solange sich keinBein außenbords befindet.”

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  3. avatar Wurlitzer sagt:

    “…für die in Kiel Altmeister Ingo Köhn mit dem DSV-Sportdirektor Throsten Haverland gepunktet haben..”

    Da stimmt ja so gut wie nichts:
    Torsten Haverland ist Vizepräsident des DSV
    gesegelt sind Köhn und Haverland in Berlin

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