29er: Jule und Lotta Görge, die nächste Generation für Olympia 2016

Attraktiv, athletisch und schnell

Jule und Lotta Görge gehören zu den besten deutschen Segeltalenten. Sie trainieren intensiv mit ihrem 29er in Kiel und hoffen auf die Wahl zur Olympiaklasse.© Marina Könitzer

Jule und Lotta Görge gehören zu den hoffnungsvollsten deutschen Segeltalenten. Wenn für 2016 der 29er XX mit Doppeltrapez tatsächlich zur olympischen Frauenbootsklasse gewählt wird, wäre ihr Timing optimal.

Nach der SR-Geschichte zum Europacupsieg in Spanien kramte Segel-Fotografin Marina Könitzer in ihrer Kiste und schickte weitere Fotos der attraktiven Newcomerinnen. Die 18-jährigen Zwillinge vom Kieler Yacht Club sprechen gegenüber SR über Motivation, Pläne und Ziele.

„Wir sind am Wasser groß geworden und haben im Segeln unsere persönliche Herausforderung gefunden. Das Spiel mit Wasser, Wind und Boot fasziniert uns. Wir nutzen jede Gelegenheit, um uns diesem Sport zu widmen.“

Die Kielerinnen hatten gute Chancen, früh vom Segel-Bazillus infiziert zu werden. Zu gut segelte ihr Vater im 470er und 505er, zu nah lag die Ostsee und zu selbstverständlich waren die Törns auf der elterlichen Yacht.

Mit fünf begannen sie spielerisch das Optisegeln, wechselten aber schnell zusammen in den Teeny. Es folgte mit dem RS Feva XL ein eher exotisches Gefährt. Aber es machte den Schritt in den 29er mit 14 Jahren logisch und einfach. Erst der 29er sei so cool gewesen, dass sie sich voll reingehängt haben.

Das Skiff ist ihre Klasse der Wahl und das Glück scheint ihnen eine optimale Vorbereitung auf die Olympischen Spiele 2016 zu bescheren. Denn die Umstrukturierung der Olympiadiszplinen macht es sehr wahrscheinlich, dass ein Frauenskiff parallel zum 49er für die Männer in das Programm gewählt wird.

Aber Jule und Lotta haben nicht erst seit dieser Entscheidung am grünen Tisch Feuer gefangen für die intensive Segelei. Im vergangenen Jahr absolvierten sie das zweite Halbjahr des 11. Schuljahres an der Sailing Academy Aarhus in Dänemark, um sich im 29er zu verbessern.

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Der erfolgreiche dänische 49er Olympiasegler Peter Hansen nahm sie unter seine Fittiche und brachte sie ein entscheidendes Stück weiter auf dem Weg zu optimaler Leistung im 29er. „Die gewöhnliche Schule rückte in dieser Zeit etwas in den Hintergrund“, sagt die Steuerfrau. „Der Stundenplan bestand hauptsächlich aus Segeln, Kraft- und Konditionstraining.“ Aber die Schwestern sind davon überzeugt, viel über Trimm, Taktik und Bootshandling gelernt zu haben, aber auch in der Persönlichkeitsentwicklung weitergekommen zu sein.

Zurzeit besuchen sie auf dem Weg zum Abitur die zwölfte Klasse der Gemeinschaftsschule Friedrichsort, die eine Partnerschule des Segelinternats in Schilksee ist. Diese Wahl ermöglicht weiterhin eine optimale Kombination zwischen Schule und Leistungssport.

Der erste absolute sportliche Höhepunkt folgte fast folgerichtig schon im vergangenen Jahr mit der Qualifikation zur Jugend WM, bei der nur ein Team pro Nation und Bootsklasse starten darf. In der internen Qualifikation setzten sich die Zwillinge mit einem großen Abstand gegen starke Jungen-Teams durch. In Istanbul wurden sie dann siebte von 18 Booten.

Die Saisonplanung 2011 umfasst die Europacup-Serie in   Cavalaire (Frankreich), Workum (Holland), Kerteminde (Dänemark), Weymouth (England) und Riva (Italien). Dazu kommt die Deutsche Jugend Meisterschaft am Wannsee/Berlin und die Internationale Deutsche Meisterschaft am Walchensee. Höhepunkt ist die Europameisterschaft am Lago Maggiore in der Schweiz.

Aber in dieser Saison beginnt eigentlich schon die Vorbereitung auf Olympia 2016. Dafür muss nur noch der 29 XX endgültig als olympisches Frauen-Skiff bestätigt werden. Aber zurzeit haben die Zwillinge einen Lauf. Sie scheinen zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.

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Carsten Kemmling

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6 Kommentare zu „29er: Jule und Lotta Görge, die nächste Generation für Olympia 2016“

  1. avatar Andreas sagt:

    Werden so die Stars von morgen geboren? Ich glaube schon. Und ich erkenne aus der Entfernung die so entscheidende “Go for it attitude”, die bei den Athletinnen ihren Ursprung hatte und nun die Unterstützung vom gesamten Umfeld erfährt. Bleibt dran, Mädels, das sieht sehr gut aus.

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  2. avatar Christian sagt:

    Habe den Beiden schon mal beim Regattieren zusehen dürfen. Es war eine große Freude. Sie haben den notwendigen Ehrgeiz und Kämpferwillen zum Siegen. Und besten Support. Aus denen wird was Großes, wenn sie dranbleiben und die ISAF endlich einsieht, dass am 29erXX kein Weg mehr vorbei geht (oder an einem vergleichbaren Skiff wie z.B. Rebel).

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  3. avatar Holger sagt:

    Das von uns im KYC geschaffene Umfeld und die bestmögliche Trainingsgruppe
    mit einer Flotte von 15 29ern im KYC sowie versierte, modern eingestellte Trainer haben ganz
    entscheidend geholfen hier und zeigen das es absolut möglich ist auch ohne voll und massiv gepushte Opti Karriere vorher noch den Sprung in den Leistungsbereich zu schaffen.
    Hier aus dem KYC kommt jetzt eine große leistungsstarke völlig neue Generation von Jugendsegler nach
    und das seit Ende 2003 zielstrebig eingeschlagene Konzept trägt zu 100% Früchte und das Wachstum im KYC ist noch erfreulicher als wir es zu hoffen gewagt hatten.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 1 Daumen runter 7

  4. avatar Marc sagt:

    Ich finds immer gut wenn Jugendliche Spaß am Segeln haben/bekommen. Das ist die Hauptsache. Aber so ganz uneigennützig fördern die Herren Eiermann und Jess die Jugend ja nun auch nicht. Verkaufen wollen Sie ihre 420er und 29er doch auch 😉

    Der 29er hat in meinen Augen, allein durch sein modernes Aussehen den Vorteil, dass er “Hipp, Schnell und Cool” ist und damit viele Jugendliche zum Segeln ziehen kann. Damit wir End 20er endlich nicht mehr im Verein als “die Jugend” bezeichnet werden, von Vereinsmitgliedern jenseits der 60…
    Langsam aber sicher werden es auch immer mehr Jugendliche die lieber Segeln als z.B. Fußball spielen. Und den Ruf vom teuren Sport sind wir zum Glück auch langsam los und Segeln für jedermann finanzierbar. Das auch Dank der Herren Jess, Eiermann und Co. 😉

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 8 Daumen runter 2

  5. avatar Felix sagt:

    29erXX auch zu Pfingsten auf der YES und zur Kieler Woche!

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  6. Als Organisator der Europameisterschaften 2011 der 29er in Locarno-Brissago kann ich auf jeden Fall kaum warten, diese Crew zu treffen und kennen zu lernen. Ich bin überzeugt, dass sie auf dem Lago Maggiore dessen Windtücken meistern werden.
    Solche Talente fördern und fordern Verantwortliche im Segelsport, Rahmenbedingungen zu schaffen, dass der Segelsport im allgemeinen und jener der 29er im speziellen weiter Auftrieb erhält. Toller Wind am Gennacker wünscht Euch Markus Blaesi

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0