SEIKO 49er EM: Schultertrapezen, neues Format, spannende Übertragung, Revolution?

Der neue Weg?

Ist das der Weg? Die 49er EM-Halbfinalrennen und dem einzigen zählenden Finallauf mit vier Booten. Norregaard/Thompson setzen dabei die Schultertrapeztechnik ein: 

Die SEIKO 49er Europameisterschaft in der vergangenen Woche hat nicht nur durch das Schultertrapezen und Blitzschläge in der Startphase elektrisiert. Am Gardasee wurde auch ein neues Format getestet, das dem Segelsport in Zukunft ein anderes Gesicht geben könnte.

Nummern-Kennzeichung bei den Finalrennen mit acht Booten. © SEIKO 49er

Nummern-Kennzeichung bei den Finalrennen mit acht Booten. © SEIKO 49er

49er Klassenvereinigung, Seglerverband ISAF und Sponsor SAP bemühten sich bei der EM, die Rennen attraktiver zu machen. Nach den Erfahrungen bei Olympia  war es ein Hauptkritikpunkt, dass vor dem Medalrace Gold und Silber schon feststanden.

Am Gardasee fiel diesmal die Titel-Entscheidung in einem einzigen finalen Rennen der letzten vier qualifizierten Teams. Die Franzosen Frei/Rocherieux siegten vor den dänischen Olympia Bronze-Gewinnern Norregaard/Thomsen.

Vorausgegangen war ein ungewöhnliches Qualifikationsverfahren, bei dem von den insgesamt 63 Booten die 25 besten Gold-Fleet Segler und vier besten Silver-Fleet Crews in die Final-Serie rutschten. Die segelten jeweils mit acht Booten im sogenannten Theater einen Up-and-down-Kurs, der links und rechts durch Bojenketten begrenzt war. Die Übertragungen waren sehr ansehnlich. Nach drei Rennen kam jeweils nur das erste Team eine Runde weiter zu den nächsten sieben, der Rest schied aus.

49er Segeln im Kleinfeld-Korridor. Hübsch gemacht für Zuschauer. © SEIKO 49er

49er Segeln im Kleinfeld-Korridor. Hübsch gemacht für Zuschauer. © SEIKO 49er

Marcus Baur vom Sailing Team Germany, der maßgeblich an der Entwicklung beteiligt war und die EM Rennen live mitkommentierte, bilanziert gegenüber SR: “Das ist der Weg! Kürzere Rennen, spannendere Formate, die Segler fanden es gut.” Man müsse nur aufpassen, dass der Glücksfaktor genügend ausgeschlossen werde und ausreichend Rennen gesegelt werden.

Die Entwicklung wird in der Segelszene diskutiert. Könnte das neue Format ein Vorbild für die andern Olympischen Klassen sein? Aus der Entfernung urteilt Olympionike Hannes Baumann, der seinen Steuermann Tobi Schadewaldt wegen Uni-Verpflichtungen mit Oliver Lewin segeln lassen musste: “Die Finalrennen als Theatre Style in 8er Gruppen finde ich ganz reizvoll. Aber nach der Qualifikationsrunde waren ja alle Teams bei null Punkten in der Goldfleet. Davon bin ich kein Fan. Es sollten konstant gute Leistungen belohnt werden.”

Der Korridor-Kurs bei der EM. © SEIKO 49er

Der Korridor-Kurs bei der EM. © SEIKO 49er

Top 49er Steuermann Erik Heil ist noch skeptisch. “Es wird sich zeigen, ob das neue Format Bestand haben wird.” Aber insbesondere beobachtete die Entwicklung mit dem Schultertrapezen, das die Dänen Norregaard/Thompson selbst im kurzen Finalrennen vorführten, beschäftigt ihn.

Heil sagt dazu gegenüber SR: “Für uns persönlich wäre es eine eher leistungsfördernde Racingvariante. Wir sind ein technisch versiertes Team. Der Doppelsteher ist eine Technik, die bislang eher mal als Spaßaktion genutzt wurde. Wir haben das recht häufig geübt. Problematisch ist in jedem Fall eine Instabilität bei Wellen. Wenn überhaupt, ist es bei Bedingungen vertretbar, bei denen kein Risiko eines Abwurfes droht.”

Tobi Schadewaldt mit Ersatzvorschoter Oliver Lewin in Nöten aber auch mit zwei Siegen. © SEIKO 49er

Tobi Schadewaldt mit Ersatzvorschoter Oliver Lewin in Nöten aber auch mit zwei Siegen. © SEIKO 49er

Aber viele Beobachter gehen davon aus, dass die Technik, die in der Szene als Tower-Trapezing bezeichnet wird, bald verboten wird. Die Meinung des 49er Präsidenten Marcus Spillane: “Wir werden das erst einmal offen lassen und sehen, wohin es sich entwickelt. Nächstes Jahr in Marseille wird die Entscheidung fallen, ob es verboten wird.”

Die Ergebnisliste sieht gewöhnungsbedürftig aus: Ergebnisse. Dabei segelten besonders Jan Haucke Erichsen und Max Lutz hervorragend auf Rang zehn. Das bedeutete gleichzeitig den Vize-WM Titel in der Jugendwertung.

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Gardasee Action hautnah. © SEIKO 49er

Gardasee Action hautnah. © SEIKO 49er

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Carsten Kemmling

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Ein Kommentar „SEIKO 49er EM: Schultertrapezen, neues Format, spannende Übertragung, Revolution?“

  1. avatar Ben Remocker sagt:

    Hi Carsten,

    We had to replace the videos and put them on youtube, so your links are now broken… please change your links to: http://www.youtube.com/playlist?list=PL0qme8rhNJgdU_J6109Vv2dJKO_3tgaf2&feature=view_all which is all of the theatre races or choose your Favorite (round 4, races 2 or 3)…

    thanks,
    ben

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