49er: Erik Heil über die enge Freundschaft zu den Quali-Gegnern – warum Burling überlegen ist

Es kann nur einen geben

49er Steuermann Erik Heil erklärt, wie er auch im Duell mit den härtesten Gegnern um die Rio Fahrkarte eine echte Freundschaft pflegen kann und sieht gute Chancen für den Sprung ganz nach vorne.

Heil/Plößel

Das 49er Erfolgsduo Erik Heil und Thomas Plößel. © STG

Es kann nur einen geben. Diese Tatsache ist bei der Olympiaqualifikation im Segeln oft ungerecht. Man mag noch so gut sein, aber wenn es zufällig gerade im eigenen Land einen besseren gibt, bleibt Olympia ein Traum.

Bei der deutschen Olympia-Qualifikation gibt es dieses Szenario nur im 49er. Die beiden besten Teams liegen vor der letzten Ausscheidung in Palma nur vier Punkte auseinander. Justus Schmidt und Max Böhme waren 2015 sensationell Europameister geworden, konnten bei der WM in Argentinien aber krankheitsbedingt nicht punkten und Heil/Plößel zogen als fünfte auch in der Quali-Wertung vorbei.

Echte Freunde im Duell

Ein beinharter Zweikampf, der normalerweise Sendepause zwischen den duellierenden Teams beinhaltet. Für die Dauer der Qualifikation wird die Zusammenarbeit eingestellt. Aber schon die WM 2015 zeigt, dass bei den 49er alles anders ist. Da segeln echte Freunde mit- und gegeneinander.

Heil/Pößel

Heil/Pößel geben Gas mit ihrem 49er. © Beau Outteridge

Thomas Plößel erkrankte, und drohte für das Finale auszufallen. Da Justus Schmidt ebenfalls nicht fit war, bot sich ein Wechsel an, den Max Böhme auch zusagte. Er hätte damit dem Kumpel zu Punkten bei der Olympia Quali gegen sich verholfen.

Plößel segelte schließlich doch, und das Team ging mit dem starken fünften Rang bei der Olympia-Qualifikation in Führung. Diese Episode zeigt aber, wie eng die gepflegte Freundschaft zwischen den beiden Crews ist.

So ist auch schon vor der finalen Ausscheidung in Palma Ende März klar, dass der jeweilige Verlierer den Sieger bis zu den Spielen als Sparringspartner begleitet. “Wir bereiten unser Material gemeinsam vor, segeln zusammen wie gehabt und spielen mit offenen Karten”, sagt Erik Heil gegenüber SR.

Direktes Duell nicht ausgeschlossen

Er macht allerdings auch keinen Hehl daraus, dass er wenig von dem sogenannten “Pakt” hält, den die Kolleginnen im 49er FX geschlossen hatten. Wenn es die Konstellation in der Palma-Serie notwendig mache, werde man auch direkt gegeneinander segeln. Das sei zwar im 49er schon ziemlich schwierig, aber man müsse sich darauf einstellen. Die Neuseeländer Burling/Tuke hätten sie auch schon einmal bei einem Medalrace in die Zange genommen und sie perfekt nach hinten gesegelt. Aber das habe auch nur geklappt, weil die Kiwis einen klaren Speed-Vorteil hatten.

Heil ist aber froh darüber, dass eine solche Strategie für Palma erst einmal wenig Sinn macht. Zu eng liegen die Boote beisammen. Theoretisch könnte er zwar versuchen, die Gegner aus den Top 20 zu segeln und somit den Qualifikations-Vorsprung von vier Punkten zu halten. Aber das Risiko, dass etwas schief geht, schätzt er als zu hoch ein.

Thomas Plößel

Thomas Plößel ärgert sich bei der WM. Nach einem Schleudersturz rissen die Fußschlaufen. Aber die Füße hielten. © Heil/Plößel

Es geht auch um ein höheres Ziel, die Medaille in Rio. Bei der WM hat es mit den Top drei nicht geklappt. Aber Platz acht wertet Heil mit “echt zufrieden. Wir hatten eine gute Woche. Top 10 bestätigt!” Der Abstand zu Bronze betrug 27 Punkte, was nach 16 Rennen nicht so viel ist.

Einige Fehler schon in den Qualifikationsrennen brachten unnötige Punkte auf das Konto, “aber wir haben uns zurück gekämpft, eine solide Leistung abgeliefert und noch viel Luft nach oben. Wir sind voll konkurrenzfähig für die Top drei!”

Den Kiwi Überfliegern nahe kommen

Dabei ging das Team auch einen individuellen Weg bei der WM. Sponsor EWE zahlte den zusätzlichen Coach Starboot-Weltmeister Frithjof Kleen. “Er hat ein unfassbar gutes Auge und gerade bei der Kommunikation an Bord sind wir ein gutes Stück weiter gekommen. Es ist ein super Grundstein für die kommende Saison.”

Großes Ziel ist es, den Rückstand auf die Neuseeländer Peter Burling und Blair Tuke zu verringern. Sie wurden in Clearwater zum vierten Mal hintereinander Weltmeister wurden. Bei ihrem 23. Sieg hintereinander seit der Olympischen Silbermedaille 2012 hatten sie 41 Punkte Vorsprung.

Diese Überlegenheit ist erstaunlich in einer Olympiaklasse, bei der man auf Material von der Stange angewiesen ist und nicht selber entwickeln darf. Heil glaubt, dass die beiden durchaus exzellente Segler sind und sich die Vormachtstellung ehrlich verdient haben. Aber sie profitieren eben auch von der Nähe zum America’s Cup Team New Zealand.

America’s Cup Team hilft Burling

Seit sie als Hoffnungsträger für das Cup Team eingekauft wurden, partizipieren sie an dem Technologie-Know-How der Profis. Das Boot werde von einem oft Shore Team vorbereitet, Experten nutzen ihre Analyse Tools, um die besten Trimm-Einstellungen zu finden, und untersuchen die Unterschiede des gekauften Materials, um die beste Mast-Segel-Kombination zu definieren. So konnten sich die Kiwis bis jetzt einen Speed-Vorteil bewahren.

In der Qualifikation beim Gruppensegeln führte das zu der Serie 1.0/1.0/1.0 1.0 1.0 3.0 1.0 2.0 11.0 1/1/1/1/1/3/1/2/(11). Aber als in der Gold Fleet alle Teams im direkten Vergleich gegeneinander segelten, kamen einige Konkurrenten schon auf Augenhöhe heran. Und bei Olympia gibt es nur eine Flotte, in der gesegelt wird.

Welches deutsche Team sich auch immer schließlich für Olympia qualifiziert, wird die Chance haben die Kiwis in Rio ernsthaft zu gefährden. Denn auch der 14. Platz von Justus Schmidt und Max Böhme kann besser interpretiert werden, als er auf den ersten Blick aussieht. In der Gold-Fleet sammelten die Kieler nur zwei Pünktchen mehr, als ihre Freunde. Und ihnen gelang es, mit den Plätzen 1/1/3 im Finale der Besten auch, ganz vorne anzuklopfen.

Jeder Fehler kann entscheiden

“Jeder Fehler, den einer von uns vor Mallorca macht, kann einer zu viel sein, wenn es um Rio geht”, sagt Erik Heil. “Aber es gilt weiterhin: Das beste deutsche Team soll zu den Spielen fliegen und den schwarz-rot-goldenen Gennaker hochziehen. Wir geben alles, damit wir es sind!”

Dabei gibt es international wohl kein Trainingsduo, das auf der Zielgeraden vor Olympia noch auf so hohem Niveau zusammen arbeitet und dabei so gut befreundet ist. Mit dieser Einstellung lassen sich richtig Meter machen im Hinblick auf die Medaillen.

Wie es sein kann, in Rio auf dem Podium zu stehen, konnte der Segler vom NRV schon im August mit Bronze bei den Pre Olympics erleben. Und auch in Clearwater kam das Feiern nicht zu kurz. Freundin Victoria Jurczok schaffte mit Bronze das Karriere-Highlight und eine Vorentscheidung für den Kamp um das Olympia-Ticket.

Ergebnisse 49er WM Clearwater 1016

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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