49er-Nacra17 Worlds: Victoria Jurczok und Anika Lorenz holen Bronze und fast das Rio Ticket

Starke Frauen

Die Medalraces den drei Klassen:

Die Berlinerinnen Victoria Jurczok und Anika Lorenz haben bei der 49er FX Weltmeisterschaft in Florida sensationell die Bronze-Medaille gewonnen. Auch für die Rio Wertung kann kaum noch etwas schief gehen.

Jurczok Lorenz

Victoria Jurczok (r.) und Anika Lorenz freuen sich über ihre WM Bronze Medaille mit Trainer Max Groy. © privat

Wenn nicht jetzt, wann dann? Bloß nicht wieder Platz zwei bei der Olympiaqualifikation wie 2012 im 470er nach dem dramatischen Duell mit Kadelbach/Ziegelmayer. Tina Lutz und Susann Beucke wollen es am letzten Tag der 49er FX WM und der vorletzten Olympiaqualifikation wirklich noch einmal wissen. Drei Rennen und das Medalrace stehen an. Da sind jede Menge Punkte zu vergeben und Jurczok/Lorenz noch einmal unter Druck zu setzen.

Und die ehemalige Optimist Weltmeisterin Tina Lutz aus Bayern beginnt richtig gut. Platz zwei im ersten Tagesrennen. Die Konkurrenten verlieren trotz der von ihnen favorisierten Leichtwind-Bedingungen mit Rang 9 weiter Boden.

Die fiese Black Flag

Dann das zweite Rennen. Die Black Flag wird am Startschiff gezogen. Wer zu früh startet, fliegt raus. Auch bei einem Sammelrückruf. Und so kommt es. Allgemeiner Rückruf. Das große Zittern beginnt.

Es ist einer der fiesesten Momente im Leben eines Leistungsseglers. Die Flotte kreist um das Startschiff und wartet darauf, dass die Wettfahrtleitung die Segelnummern der Frühstarter auf eine Tafel schreibt. Je länger es dauert, umso mehr sind die Segler davon überzeugt, dass sie selber drüber waren und das nächste Rennen nicht bestreiten dürfen.

Schockmoment beim Black Flag Sammelrückruf. Lutz/Beucke strecken die Nase raus, aber sie sind nicht zu früh. Zwei Leeboote werden disqualifiziert.

Schockmoment beim Black Flag Sammelrückruf. Lutz/Beucke strecken die Nase raus, aber sie sind nicht zu früh. Zwei Leeboote werden disqualifiziert.

Das gilt besonders für Lutz/Beucke. Sie waren ganz vorne dabei. Eine Disqualifikation kann nun das Ende für ihre immer noch lebendigen Olympiaträume sein. So wie für die Däninnen Nielsen/Olsen die WM Dritten 2014 und Zweiten 2013 in diesem Moment. Der dritte Fühstart ist für sie das Aus der Rio Träume.

Topfschlagen beim Medalrace

Aber die deutsche Crew ist nicht dabei. Durchatmen. Das Adrenalin aus den Adern pumpen. Wieder ganz ruhig den nächsten Start angehen. Doch dieses Rennen haut dann nicht mehr besonders gut hin. Rang 15 nur und die Konkurrentinnen liegen weit vorne.

Jurczok Lorenz

Das deutsche Frauen Duo aus Berlin kann nur noch theoretisch vom Rio Platz verdrängt werden.

Victoria Jurczok und Anika Lorenz kommen jetzt in den Grove. Rang drei in diesem Rennen folgt ein weiterer. Sie sind einfach rasend schnell bei diesem leichten, ablandigen etwas drehenden Wind. Niemand hält da mit. Ihnen gelingt die beste Serie des Tages.

Und als das Medalrace kurz vor dem Ziel zum Topfschlagen wird, die Gennaker herunter müssen, und die Flotte ins Ziel kreuzt, können die Deutschen auch noch auf das letzte Quäntchen Glück zählen.

Olympiaquali so gut wie entschieden

Die italienischen Weltmeisterinnen kommen überhaupt nicht klar werden Letzte und müssen das Podium verlassen. Genauso geht es den Brasilianerinnen. Jurczok/Lorenz holen noch Rang fünf, und das reicht schließlich um einen Punkt für die Bronze-Medaille.

Was für ein Wechselbad der Gefühle. Sie trugen schon das gelbe Leibchen der Führenden, rutschten dann bei Starkwind wieder außer Reichweite der Medaillen und schlugen nun wieder zurück. In dieser Form bei den passenden Windbedingungen sind die beiden eine echte Medaillenhoffnung für Rio.

„Wir können noch gar nicht richtig fassen, was passiert ist. Wir haben alles erreicht, was wir erreichen wollten und waren im letzten Rennen zur richtigen Zeit am richtigen Ort“, so eine überwältigte Vorschoterin Anika Lorenz. Am Ende fehlte sogar nur ein einziger Punkt für die Silbermedaille.

Nun gibt es kaum noch einen Zweifel, dass sie sich die Fahrkarte holen. Bei der letzten Qualifikation in Palma müssten Lutz/Beucke schon gewinnen, und die Konkurrentinnen dürften keinen einzigen Punkt holen also nicht unter die Top 20 segeln.

Der aktuelle Stand der Qualifikation

Victoria Jurczok/Anika Lorenz 14 Punkte + 25 = 41
Tina Lutz/Susann Beucke 7  + 12 = 19
Leonie Meyer/Elena Stoffers 6 + 0
Ann Kristin/Pia Sophia Wedemeyer 5 + 0
Jule und Lotta Görge 0 + 0

Replay der letzten Gold Fleet Rennen im 49er FX:

Ein Pünktchen gutgemacht

Bei den Nacra 17 ist die Qualifikation noch nicht entschieden, seit Kohlhoff/Werner nach dem Crash im 13. Rennen aufgeben mussten und auf Rang 27 landeten. Ein Rennen segelten sie mit dem provisorisch reparierten Boot noch mit und belegten Platz 27. Aber die Punkte sind am Ende wichtig um die zweite Stufe des DOSB Kriteriums zu erfüllen.

Nach drei Serien muss der Nachweis der Endkampfchance erbracht sein und sich das nominierte Team unter den Top Ten Nationen befinden. Zurzeit rangieren die deutschen Youngster in dieser Wertung noch auf dem neunten Nationenplatz.

Um ihre Gegner Erichsen/Spitzmann müssen sie sich auch noch kümmern. Die nutzten zwar die Steilvorlage durch den Ausfall der Gegner nicht ausgiebig und holten als 20. nur einen weiteren Punkt. Aber die nun acht Punkte Rückstand sind bei der finalen Regatta in Hyéres durchaus aufzuholen.

Die Dominatoren aus Frankreich und Neuseeland

An der Spitze dominieren in schier unglaublicher Weise erneut die Franzosen Besson/Riou, die mit einem Vorsprung von 58 Punkten ihren vierten Titel in Folge holen. Eine solche Dominanz gelingt nicht einmal den Kiwi Überfliegern Burling/Tuke im 49er. Auch sie holen die vierte WM nacheinander und bleiben zudem im 23. 49er Rennen seit 2012 ungeschlagen. Aber ihr Vorsprung betrug eben “nur” 41 Punkte 🙂

Überflieger Besson/Riou holen ihren vierten WM Titel in Folge. Diesmal mit unglaublichen 58 Punkten Vorsprung. © Laurens Morel

So geht ein Überflieger ins Ziel. Besson/Riou holen ihren vierten WM-Titel in Folge. Diesmal mit unglaublichen 58 Punkten Vorsprung. © Laurens Morel

Für die deutschen 49er Männer wäre bei dieser WM wohl mehr drin gewesen. Heil/Plößel segelten noch auf einen guten achten Platz und der Abstand zu Bronze ist mit 27 Punkten überschaubar. Aber das Medalrace ging nach einer missglückten Beschleunigung am Start und einigen verpassten Anliegelininein auf Platz 8 etwas daneben. Und auch in der Qualifikation kamen einige unnötige Punkte dazu, ohne die sie schnell auch wieder ganz vorne mitspielen.

Sehr durchwachsen verlief die Regatta für die Europameister Schmidt/Böhme, die extreme Tiefen erlebten und fast die Gold Fleet verpassten, aber schließlich bei Starkwind  und auch im ersten Rennen des letzten Tages siegten. Fast wäre sogar noch die Medalrace Quuali geglückt. Aber dann ging es mit den Plätzen 22 und 18 wieder nach hinten los. Rang 14 ist am Ende kein Desaster. Der Showdown bei der letzten Olympiaqualifikation gegen die knapp voraus liegenden Team Kollegen dürfte sehr spannend werden.

 

Ergebnisse 49er WM 2016

Ergebnisse 49er FX WM 2016

Ergebnisse Nacra 17 WM 2016

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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