49er WM: Wenn Freunde zu Gegner werden – Hilft der Fair-Play-Pakt bei den Frauen?

Es kann nur einen geben

Sie sind echte Freunde, trotzdem bekriegen sie sich. Justus Schmidt und Max Böhme müssen bei der spannendsten deutschen Olympia-Qualifikation Erik Heil und Thomas Plößel aus dem Weg räumen.

Die 49er Nachwuchscrew Justus Schmidt/Max Böhme

Die 49er Nachwuchscrew Justus Schmidt/Max Böhme testet die Limits des Olympia Skiffs. © Roberto Vuillemieur/Promovideo TV

Am Anfang waren sie nur die netten Trainingspartner von nebenan. Youngster, die mit den Großen trainieren dürfen, um dann beim nächsten Olympia-Zyklus ihre Chance zu bekommen. Aber nun sind Justus Schmidt und Max Böhme plötzlich 49er Europameister und liegen in der Olympiaqualifikation mit stattlichen 12 Punkten vorne.

Heil/Plößel

Erik Heil und Thomas Plößel © STG/Lars Wehrmann

Ab Montag startet mit der Weltmeisterschaft in Argentinien die zweite von drei Ausscheidungsregatten bei den 49ern, und es dürfte eine Vorentscheidung fallen. Können sich die bisherigen Top-Favoriten Erik Heil und Thomas Plößel, die Europameister des Vorjahres an ihren jüngeren Herausforderern wieder vorbei arbeiten? Werden sich die Teams schon in direkten Zweikämpfen behindern?

Zweikampf spitzt sich zu

Es ist wahrlich eine fiese Situation für die beiden Teams, die ehrlich befreundet sind. Heil/Plößel könnten sich vorwerfen, dass sie vielleicht zu sehr ihre Karten aufdeckten und ihren Vorsprung auf die Sparringspartner zu früher einbüßten. Und nun liegen sie plötzlich im Hintertreffen. Aber ihnen half das Training auch, die eigene Leistung zu auf ein höheres Niveau zu schrauben.

Nehmen sie nun den direkten Zweikampf an, zu dem auch schon mal gehört, dem Gegner Windschatten zu spenden? Konzentrieren sich Schmidt/Böhme schon darauf, die Konkurrenten in Schach zu halten? Wird es gar so weit kommen, wie für 2012 bei der 470 Frauen Qualifikation, als der Fall schließlich vor Gericht verhandelt wurde?

Allein mit Freundlichkeit hat noch niemand eine enge Olympiaqualifikation gewonnen. Und so zeigten auch schon die Youngster bei der EM, dass sie den Kumpels den Start versperren können. Aber es geht auch noch darum, dass überhaupt ein Männer-49er nach Rio fährt. Denn Deutschland ist noch nicht qualifiziert.

Kein Raum für Duelle

11 von 20 Plätzen sind schon bei der WM 2014 in Santander vergeben worden, als Thomas Plößel verletzt und Schmidt/Böhme noch nicht gut genug waren. In Argentinien werden nur drei weitere Plätze ausgesegelt. Und starke Nationen wie USA, Schweden und Argentinien sind noch nicht dabei. Da gibt es eigentlich keinen Raum für frühzeitige Duelle.

Zuletzt sind sich die beiden deutschen Top Teams dann doch aus dem Weg gegangen. Heil/Plößel wurden Deutsche Meister in Berlin, während ihre Gegner verzichteten. Bei der südamerikanischen Meisterschaft in der vergangenen Woche segelten beide Teams mit gebremstem Schaum, ließen viele Rennen aus und deckten ihre Karten noch nicht auf.

49er Burling

Die Überflieger Burling/Tuke in Argentinien. © Bernadita Grez

Beim erneut überlegenen Sieg von Burling/Tuke (NZL) gelangen Schmidt/Böhme in fünf Rennen drei Top-zwei-Plätze. Heil/Plößel absolvierten sieben Rennen und zählten die Ränge 4/1 als Highligths. Beide Teams haben sich auf ein lange nicht für möglich gehaltenes Niveau gepuscht. Die WM wird zeigen, ob sie auch unter höchstem Druck funktionieren.

Jurczok/Lorenz mit besten Karten

Das gilt für die Frauen erst bei der WM 2016 in Clearwater/USA, wo die zweite Ausscheidung stattfindet. In der Qualifikation haben Victoria Jurczok und Anika Lorenz sieben Punkte Vorsprung auf Lutz/Beucke, acht auf Meyer/Stoffers und 9 auf Wedemeyer/Wedemeyer. Es ist also noch alles offen.

Allerdings ist die Situation insofern entspannter, weil Jurczok/Lorenz 2014 für Deutschland schon das Nationen-Ticket gelöst haben. Man kann somit durchaus die direkte Konkurrenz im Auge behalten. In Argentinien geht es allerdings erst einmal nur um die Ehre, Medaillen und Kaderstatus.

49er FX Jurczok

Jurczok/Lorenz segeln in Argentinien schon in guter Form. © Bernadita Grez

Allerdings ist das Feld für die nächste Quali schon bereitet. Und da soll es nicht zu Szenen kommen, wie bei der Olympiaqualifikation zwischen Kadelbach/Belcher und Lutz/Beucke. Die Trainingsgemeinschaft hatte vor den Regatten einen Fair-Play-Pakt beschlossen, der das nach den Regeln erlaubte “Zurücksegeln” eines Gegners durch regelgerechtes Ausbremsen verhindern soll.

Beherrschen von Zweikampf-Techniken

Rechtlich bindend ist das nicht, und in der Szene wird die Vereinbarung eher belächelt. Schließlich gehört das Beherrschen der legalen Zweikampf-Techniken zum Handwerkszeug der Top-Segler. Die Strategie kommt regelmäßig in Medalraces zur Anwendung, wenn es um die Medaillen geht.

Bestens in Form scheint jedenfalls Victoria Jurczok, die Freundin von Erik Heil, mit Anika Lorenz zu sein. Sie segelten auch mit halber Kraft bei dem unwichtigen Wettkampf auf Anhieb ins Medalrace und belegten Rang sieben. Meyer/Stoffers wurden 25. und Lutz/Beucke 29. hielten sich noch zurück.

Ergebnisse South American Championships

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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