49er Worlds: Wasser-Verschmutzung – Schmidt/Böhme fahren krank nach Hause

"Wahnsinnig enttäuscht"

Justus Schmidt und Max Böhme haben erklärt, wie sie in Argentinien überraschend die Gold Fleet verpassten. Sie treten nun vorzeitig die Heimreise an.

Der ungeplante Ruhetag mit chaotischem Gewitter-Wetter kam vielen Seglern und Seglerinnen bei der 49er Weltmeisterschaft in Buenos Aires gerade Recht. Denn laut Olympiasieger Nathan Outteridge sind fast ein Drittel der Athleten krank.

Das sedimentreiche Wasser auf dem WM Revier vor Buenos Aires enthält offenbar auch versteckte Keime.  © Matias Capizzano

Das sedimentreiche Wasser auf dem WM Revier vor Buenos Aires enthält offenbar auch versteckte Keime.
© Matias Capizzano

“Irgendetwas eingefangen” habe man sich, so der Australier. Besonders sein Vorschoter Iain Jensen gehe es gar nicht gut. Und so schaffte das America’s Cup Team (Artemis) erst mit den letzten beiden Rennen die Qualifikation für die Gold-Fleet mit zwei zweiten Plätzen.

Nach dem Zieleinlauf ließ sich Jensen erschöpft vom Motorboot in den Hafen fahren. Outteridge steuerte den 49er alleine nach Hause. Ein Magen-Darm-Infekt verhinderte zwei Tage lang, dass er feste Nahrung zu sich nimmt.

Der braune Ausfluss des Rio de La Plata vor Buenos Aires. © Wikipedia

Der braune Ausfluss des Rio de La Plata vor Buenos Aires. © Wikipedia

Offizielle vermuten, dass zahlreiche Gewitter vor der Regatta mehr Müll als sonst in die Bucht gespült haben und für die “mysteriösen Krankheitsfälle” verantwortlich sind. Ohnehin ist das Revier durch einen hohen Eintrag von lehmigem Schlamm trüb gefärbt und bietet für die Segler eine ungewohnte Umgebung. Nun seien aber schon Segler nach vermehrtem Wasser-Kontakt bei Kenterungen und durch Spritzwasser nach den ersten Trainingstagen erkrankt. Die Einheimischen sind offenbar immun.

Diese gesundheitlichen Probleme erklären auch das Abschneiden von Justus Schmidt und Max Böhme, die nach ihrem EM-Titel diesmal überraschend nicht den Sprung in die Goldfleet geschafft haben.

Schmidt/Böhme, hoffnungsvolles Nachwuchsteam im 49er.

Schmidt/Böhme, Europameister 2015 im 49er. © Schmidt/Böhme

Sie berichten: “Nach einer gigantischen Saison müssen wir nun eine herbe Niederlage verkraften.” Erst habe es nach wenigen Tagen Training den Steuermann erwischt. Nach seiner Genesung sei dann auch Böhme am Tag vor der Regatta heimgesucht worden.

“Wir haben gegen diese Widerstände versucht, alles zu geben, waren jedoch unter diesen Umständen nicht in der Lage eine Top-Leistung abliefern zu können.” Der Infekt beeinträchtigt das Team noch immer und so beschlossen sie, sich “wahnsinnig enttäuscht” von der laufenden Weltmeisterschaft zu verabschieden.

Und das nicht, ohne den guten Freunden viel Glück zu wünschen. “Unsere Trainingspartner Erik und Tommi sind zur Zeit auf Medaillenkurs, wir wünschen den beiden viel Erfolg für die letzten drei Tage….gebt Gas Jungs!”

Vermeidungsstrategien

Der Vorfall gibt einen Vorgeschmack auf die Probleme mit dem Olympiarevier in Rio. Aber am Rio de la Plata wurden die Sportler überrascht. Die Infektionsgefahr war in diesem Maße nicht bekannt. Wie traurig, dass die für viele Segler wichtigste Regatta ihres Lebens, bei der es nach Jahre langem Training um Olympia geht, durch Krankheit verloren geht.

Es mag ein Zeichen dafür sein, wie sehr die Wasserverschmutzung in der Welt zunimmt. Neben Strategien zur richtigen Vorbereitung des Boot-Materials müssen sich Segler in Zukunft wohl noch mehr mit Krankheit-Vermeidungsstrategien auseinandersetzen. Keine schönen Aussichten.

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Carsten Kemmling

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4 Kommentare zu „49er Worlds: Wasser-Verschmutzung – Schmidt/Böhme fahren krank nach Hause“

  1. avatar mk sagt:

    Die Farbe des Rio de la Plata hat überhaupt nichts mit einer möglichen Kontaminierung zu tun. Kann es nicht auch einfach sein, das sich die Segler bei der Nahrungsaufnahme an Land “was eingefangen” haben?

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 9 Daumen runter 4

    • avatar alikatze sagt:

      @mk Du hast Recht, die Farbe sagt nur über den Sedimenteintrag etwas aus und der ist nach Regenfällen üblicherweise hoch, wenn die trockene Krume einfach weggespült wird.
      Andererseits ist es ein (meist unsichtbares) bekanntes Problem, dass in vielen Ländern Abwasser aus Haushalten und Betrieben ungeklärt in die Gewässer eingeleitet werden. Damit gelangen sehr hohe Bakterienkonzentrationen in die Flüsse, die den ganzen Scheiß mit ewiger Geduld zur Mündung spülen, wo er sich sammelt.
      Das bedeutet, dass die Mädels und Jungs dort (und in Rio auch) schon auf dem Weg zum Regatta-Revier durch die feinste Brühe paddeln – weiter draußen gehts dann wieder (weshalb in Rio – meinses Wissens – darüber nachgedacht wird, die Regatten weiter vor die Küste zu legen).
      Der Anreiz, die Flüsse sauber zu halten, ist für die Verantwortlichen nicht da. Umweltschutz ist ein “Luxus”, den man sich auch leisten können muss. Für die Bewohner der Favelas ist dieser Luxus kein Thema, da geht es eher um ein Dach über dem Kopf, einen vollen Bauch und eine halbwechs ungefährliche Nachbarschaft.
      Es könnte schon reichen, wenn man mit dem Druck der Verbände die Gewässerqualität vor Ort sehr transparent überprüft und dokumentiert und beiden – Sportlern wie Veranstaltern – hilft Wettkämpfe auszutragen, die unter “gesunden” Bedingungen statt finden und die den Austragungsorten trotzdem die Möglichkeit bieten damit ein wenig Geld zu verdienen.

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 12 Daumen runter 0

      • avatar mk sagt:

        Umweltschutz ist also ein Luxus außerhalb des wohlbehüteten Europas?
        Steile These. Die deutsche Elbe gilt noch immer als belastetes Gewässer und trotzdem erkranken auf dem MüLo nicht ständig Jollensegler.
        Natürlich ist der Rio de la Plata ganz bestimmt nicht sauber, aber manchmal kann man doch einmal über das naheliegende nachdenken – nicht ohne Grund ist das Trinkwasser von Buenos Aires so intensiv gechlort und die Strömungssituation (gerade nach den zitierten Gewittern) nicht direkt mit dem Rio-Revier vergleichbar.

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        • avatar alikatze sagt:

          🙂 @mk
          die “steile These” klingt natürlich n büschen schräg. Ich würde den Luxus auch nicht auf Europa beschränken, aber in vielen Ländern wird Umweltschutz gerade erst als Notwendigkeit begriffen (nicht zuletzt in China). Dort hat man in den 90ern noch drüber gelächelt und sich auf Wachstum, Arbeitsplätze und Industrialisierung konzentriert, während z.B. in Deutschland schon Müll getrennt wurde und in Kalifornien die strengsten Abgasvorschriften ins Leben gerufen wurden. Inzwischen braucht China eine saubere Umwelt, weil die landwirtschaftlichen Nutzflächen lebensnotwendig und bedroht sind.
          Die Belastung der Elbe ist – nicht zuletzt durch die Anrainer stromaufwärts – industriellen Ursprungs, von Schwermetallen, Industriegiften und z.T. landwirtschaftlicher Nutzung geprägt. Da sind die Folgen einer unmittelbaren Berührung mit dem Wasser nicht so flink, wie bei einer Bakteriellen Belastung und die Belastung findet sich eher tiefer, z.B. im Schlick wieder.
          Ich gestehe aber gerne, dass ich die Gewässersituationen in Südamerika nicht tiefer beurteilen kann, dazu fehlen mir Detailkenntnis. Mir ging es auch eher um die Transparenz, mit solchen Situationen umzugehen, und da glaube ich dass die Bedürfnisse der Jollensegler dort schlicht nicht in der Dringlichkeit wahrgenommen werden, wie wir sie vielleicht sehen.

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