505er WM: Wolfgang Hunger/Julien Kleiner verteidigen Titel in dramatischem Finale

Weltmeister!!!

Wolfgang Hunger und Julien Kleiner freuen sich über die Titelverteidigung in Hamilton Island. © Christophe Favreau

Wolfgang Hunger und Julien Kleiner sind Weltmeister. Das Duo aus Strande und Kiel hat in einem nervenaufreibenden Finish seinen Titel verteidigt. Für Hunger ist das der fünfte WM-Erfolg im 505er. Vorher gewann er schon zweimal die 470er WM. Julien Kleiner, der mit Boris Herrmann Deutscher Meister im 505er wurde, holte mit Hunger seinen zweiten WM-Titel.

Es war ein dramatisches Finale, in das die deutsche Crew mit einem minimalen Vorsprung von drei Punkten ging. Sie musste sich auf ein Match Race vorbereiten, da ihr Streichresultat mit 15 Punkten deutlich höher ausfiel, als das des Konkurrenten Mike Holt (6 Punkte).

Zünglein an der Waage. Der mehrfache Skiff Weltmeister und 505er Champ Howie Hamlin gewinnt das Finalrennen. © Christophe Favreau

Aber die Amerikaner verfolgten zuerst eine andere Taktik. „Wir wollten das Rennen gewinnen und damit den Titel.“ Dann hätten sie hoffen müssen, dass Hunger/Kleiner nicht besser als Platz vier segeln würden.

Nach einem Abbruch der ersten Startsequenz wegen des Durchziehens einer Front schien der Plan der schnellen Amis aufzugehen. Zwar lagen die Deutschen erst vorne, aber dann runden die US-Starkwindspezialisten bei stark drehendem Wind bis zu 20 Knoten die Luvtonne auf Platz fünf und Hunger/Kleiner auf acht.

Mike Holt und Carl Smit werden nach 2009 zum zweiten Mal Vize-Weltmeister im 505er. © Christophe Favreau

Aber vor dem Wind spielen die Titelverteidiger ihre gesamte Stärke aus und verholen sich auf Rang zwei. Kurz vor dem Leetor passieren sie vor den Konkurrenten, nehmen aber die linke Seite in Angriff, während Holt mit dem Großteil des Feldes nach rechts segelt. Eine gefährliche Situation.

Nach dem Split sind die Amis wieder vorne und ihre Landsleute an der Spitze, Altmeister Howie Hamlin, auf und davon. An der nächsten Luvtonne ist Holt zweiter und Hunger vierter knapp vor einem größeren Pulk. Die Dänen sind durchgerutscht. Aber das würde den Deutschen immer noch reichen.

Fiven-Flotte auf dem finalen Vorwindkurs auf dem grauen Traumrevier. Die Vorschoter stehen im Trapez. © Christophe Favreau

Holt setzt alles dran, die Spitze zu übernehmen. Das würde ihm den Titel bringen. Er kommt immer mal wieder ran an seinen Landsmann. Aber zu Beginn der Zielkreuz gibt er die Hoffnung auf. Taktikänderung. Nun kann er nur noch Weltmeister werden, wenn Hunger schlechter als Platz acht segelt.

Er wartet, lässt den Dänen durch und legt sich auf die deutsche Crew. Das Duo fährt breit über die Bahn, weil Hunger Speed macht, um in Lee durchzuschlüpfen. Er wendet, wenn der Windschatten des schräg voraus segelnden Bootes zu sehr schmerzt. Siebenmal.

Für die Deutschen Meister Meike Schomäker und Holger Jess wehte der Wind zu stark um ihre Titelambitionen ausspielen zu können. Sie belegten Rang 17. © Christophe Favreau

Bei der achten Wende scheint der Leedurchbruch zu gelingen. Aber die Anliegelienie zum Ziel ist zu nahe. Der Weg reicht nicht aus, um eine sichere Leestellung zu erreichen. Hunger ist blockiert. Der Rest des Feldes ist heran. Der Titel gerät langsam außer Reichweite.

Verzweifelt versucht er sich schließlich mit einer Halse zu lösen. Ein unorthodoxes Mittel in so einer Situation. Aber der Amerikaner scheint überrascht. Zumindest protestiert er nicht. Hunger rutscht durch wird sechster und hat den Titel.

Danach ist er etwas angesäuert. „Ich verstehe nicht, wie man einen Titel so sehr haben will. Ich mache so etwas nicht, um zu gewinnen. Ich segele immer, um möglichst viel aus einem Boot zu holen. Das ist für mich wichtig.“

Da ist sie wieder, die alte Diskussion, ob man jemanden blockieren darf, um sich einen Vorteil zu verschaffen. Die Regeln erlauben das, aber das Ethik-Gefühl auf der Regattabahn sagt häufig etwas anderes. Für viele Segler fühlt sich diese Taktik irgendwie nicht richtig an. Dagegen gehört sie in den olympischen Klassen und im Profi-Zirkus zum Handwerkszeug. Zahlreiche Goldmedaillen wurden auf diese Weise entschieden.

Aber Holt äußert sich nach seinem zweiten Vize-WM-Titel zerknirscht aber sportlich. „Wir segelten eine gute Regatta, aber sie waren besser.“ Vorschoter Smit sagt: „Vielleicht waren wir heute etwas konservativ. Wir hatten auf mehr Wind gehofft.“

Jens Findel und Johannes Tellen auf Platz elf segelten eine solide WM im 85 Boote-Feld. Claas Lehmann und Leon Oehme landeten auf Rang 16 und die Deutschen Meister Meike Schomaker/Holger Jess wurden 17. Moth- und 49er-Weltmeister Nathan Outteridge platziert sich bei seinem Fiven Debut auf Rang neun. Hasso Plattner trat bei den letzten drei Läufen nicht mehr an.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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6 Kommentare zu „505er WM: Wolfgang Hunger/Julien Kleiner verteidigen Titel in dramatischem Finale“

  1. avatar Thomas sagt:

    Wenn man zum 7. Mal Weltmeister wird sieht man das vielleicht lockerer als wenn man das zweite mal am Titel vorbeisegelt.

    Die Schilderung vor dem Zieleinlauf verstehe ich nicht ganz. Ich gehe mal davon aus, dass Hunger nicht wenden konnte ohne die Amerikaner zu behindern. Was spricht denn regeltechnisch in so einem Fall gegen eine Halse um hinter dem Heck der Gegner das Ziel anzulegen?

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    • avatar Christian sagt:

      Herzlichen Glückwunsch!!!

      Matchracetaktiken im Fleetrace sind legal (sofern die Fleetrace-Regeln eingehalten werden).

      Meiner Meinung nach sind sie auch vollkommen legitim. Sie addieren eine weitere taktische Dimension zum Segelsport und werten ihn somit auf. Speedbolzen allein bringt es doch nicht.

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  2. avatar jorgo sagt:

    Erstmal einen ganz herzlichen Glückwunsch an Woller und Julien!
    Ich verstehe allerdings nicht, warum Woller hinter her angesäuert war. Das war wohl noch das Rest-Adrenalin…. . Er hat solche taktischen Varianten ja selbst auch drauf und auch schon angewendet. Da wird sich mancher dran erinnern.
    Was allerdings wirklich uncool und klar Sch…. ist = Teamsegeln – wie am Anfang scheinbar praktiziert.
    Ich bin vor vielen Jahren mal ganz frustriert von einer Int.Schweizer Meisterschaft im 420 zurückgekehrt. In der letzten Wettfahrt wurde uns als Gast der klare Titelgewinn kollektiv von 5 Schweizer Booten zunichte gemacht. Das war echt heftig und eine ganz unsportliche Erfahrung! Zu Beweisen gibt es da wenig – schon gar, wenn die Jury aus dem Klub des Siegers kommt. Am Ende steht man als schlechter Verlierer da.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

  3. avatar planb sagt:

    @Christian: Ok Christian 🙂 Wo kommen die ganzen Judges her? Dial Down auch bei 20 Knoten aufm Downwinder?
    Taktische Dimension hin und her, früher beim Kaiser hats auch gesplittert, nur wusste man dann auch wer den Bock geschossen hatt. Heute isst in nem Feld wie bei den Fiven nicht mehr ganz so einfach.

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    • avatar Christian sagt:

      gab es eine Kollision? Hat jemand Regeln verletzt? (die Teamrace-Situation auf dem ersten Schenkel ist noch nicht eindeutig genug gewesen, um dagegen einen Protest zu gewinnen). Nach dem was bekannt ist nicht, und deshalb geht das Rennen in Ordnung.

      Auf 30 m Langkielyachten stellt sich die Situation natürlich anders da. Aber damit willst du die Fiven nicht wirklich vergleichen, oder? 😉

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