8mR Worlds: Auf “Wyvern” zum Titel – On Board Bericht vom Genfer See

Bord an Bord mit dem König

Eckart Kaller und Matthias Adamczewski haben mit ihrer Crew den Sira Cup bei der 8mR WM knapp vor dem norwegischen König Harald gesichert. Der Taktiker erzählt von dem Duell.

„Nach Luv sind es drei Längen und in Lee hängen wir drauf. Das ist doch Mist, so geht das nicht!“ Thorsten ist richtig sauer, nur für einen Moment aber er hat recht. Auch zum zweiten Start sind wir zu spät an der Linie. Das bedeutet meist wegwenden und ein Achter wiegt 8 Tonnen. Jeder kann sich ausrechnen was das bei 6 Knoten Wind bedeutet…

Eigentlich wollen wir ja richtig vorn mit dabeisein. Auch wenn Thorsten immer wiederholt: „Jeder kommt dahin, wo er hingehört.“

Es ist der erste Tag des Worldcups. Wir segeln so das erste Mal zusammen und müssen uns noch ein wenig finden. Ecki hat mich im März gefragt ob ich als Taktiker und Großsegeltrimer dabei bin. Ich bereue es nicht. Hier am Genfer See herrscht schon Hochsommer und die Truppe ist super. Was fehlt sind zwei Klemmen für die Genuaschot aber der Eigner möchte nicht, dass wir Löcher ins Deck bohren. Damit sind wir nicht allein, beim Gespräch mit dem norwegischen Genuatrimmer erfahre ich, dass auch an Bord der Sira nichts verändert wird. Schließlich hat der Vater des Königs das Schiff genau so gebaut. Allerdings ist das mehr als 75 Jahre her.

Am zweiten Tag läuft es besser, viel besser. Startschiff bevorteilt, mit Schwung im oberen Drittel an der Linie im Richtigen Moment nach rechts hinter zwei Booten durch und dann mit freiem Wind bis zur Layline. Der Rest ist Formsache.

Doch es sollte noch besser kommen. Auch im zweiten Rennen des Tages kommen wir wieder gut weg und segeln immer frei. bei diesen Yachten ist das mit am wichtigsten. Dazu sind wir richtig schnell. Am Luvfass sind nur drei moderne Typen vor uns, die direkte Konkurrenz hängt uns zwar im Nacken aber vor dem Wind finden wir die beste Spur und am Leefass ist unser Vorsprung beruhigend. Nur ein Schweizer Team hält mit. An der Kreuz segeln wir taktisch auf Sicherheit doch mit unserem Speed setzen wir uns weiter ab. Da sich das Feld hinter uns behakt ist der Vorsprung im Ziel beträchtlich.

Abends im Yachtclub sind wir beim Käsefondue bester Laune. Überall Alinghi, die Societé Nautique Geneve ist eine erste Adresse des Segelsports.

Zum WM sind insgesamt 24 Boote aus 8 Nationen angereist. Dabei sind auch drei moderne Yachten. Unser Boot wurde 1928 gebaut und ist damit nicht einmal das älteste im Feld. Unser Ziel ist es daher den Sira-Cup zu gewinnen. Benannt nach der Yacht des Norwegischen Königs, der auch am Start ist. In der Wertung 21 Boote die unter ähnlichen Voraussetzungen segeln.

Der dritte Tag beginnt wieder sehr erfolgreich für uns. Wir wähnen uns auf der Siegerstraße, als wir im letzten Rennen sogar vor den modernen Yachten das letzte Luvfass erreichen. Doch dann lesen wir unsere Nummer auf der Liste der Frühstarter.

Jetzt dürfen wir keine groben Fehler machen. Sonst verabschieden wir uns aus den Medaillenrängen wie es das finnische Team von der Luna mit zwei Frühstarts gemacht hat.

Alles läuft jetzt auf einen Zweikampf zwischen dem Norwegischen König und uns hinaus. Gute Konkurrenz übrigens, denn Harald der Fünfte hat Volvo Ocean Segler genauso an Bord wie TP52 Cracks. Beim Abendessen sitzen wir zusammen, bis sich der König per Motorboot ins Hotel bringen lässt. Ich steige dann immer aufs Klapprad und radle zu unserer Unterkunft im Bahnhofsviertel.

Der letzte Regattatag zeigt, dass auch Glück zu Segeln gehört. Schlecht gestartet, auf der falschen Seite sind wir hinten und es geht auch nicht so recht nach vorn. Drei Töne, die den Abbruch der Wettfahrt signalisieren, kommen uns da gelegen.

Nach einer weiteren Stunde warten auf Wind setzt sie schließlich eine Brise aus Nord durch. Jetzt geht es immer über Rechts raunt Ecki mir zu. Ich sehe in der Mitte mehr Wind und so segeln wir auf dem Weg zur Luvtonne über das gesamte Feld hinweg.  Vor dem Wind segeln wir mehr auf Stärke als auf die Dreher und bauen so unsere Führung aus. 9 Punkte Vorsprung auf den Zweitplazierten vor dem letzten Rennen. Leichte Vorfreude keimt bei uns auf es ist bereits fünf Uhr.

Einen Anruf meiner Frau muss ich schnell wegdrücken, denn die Wettfahrtleitung will zehn Wettfahrten segeln. Also wird noch einmal gestartet. Wir sind zu spät an der Linie, müssen zweimal Wenden und sind hinten. Doch mit einem Brisenstrich finden wir wieder den Anschluß an die Spitze. Für mich ist klar, sechs Boote, darunter unserere ärgsten Konkurrenten,  kommen von rechts, wir reihen uns dahinter ein und segeln unser Rennen locker durch.

Nix da. In der Hoffnung ganz nach vorn zu fahren unterwendet Ecki das letzte Boote der Reihe an der Luvtonne. Das schiebt sich jedoch unbeeindruckt von unserer sicheren Leepostition über uns rüber und es folgen acht weitere Yachten. Der König an zweiter Stelle und wir 14te. Nix da mit Weltmeister!

Bevor Diskussionen und Schuldzuweisungen aufkommen lenken wir die Konzentration wieder auf Rennen. Zwei Runden bleiben uns noch bis ins Ziel. Mit einer Halse unter die Küste kommen wir wieder dichter ans Feld. Die segeln für die Kreuz wieder auf die rechte Seite des Kurses unter Land. Doch der Wind setzt sich jetzt in der Mitte durch und wir runden das benachteiligte linke Leefass mit Fahrt, während auf der anderen Seite unter Land alle in der Flaute stehenbleiben. Wir sind wieder dabei, zudem die Norweger von zwei auf fünf zurückgefallen sind.

Auf dem Weg zu Luvtonne bleiben wir unter der Layline im Wind, während sich von oben die Abendflaute herunterschiebt. So überholen wir zwei Yachten, die auf der Layline in der Flaute hängenbleiben. Auf dem letzten Vorwindgang überholen wir dann noch zwei Boote, die zu weit auf unter Land segeln. Mit frischem Wind können wir tiefer segeln und deren gesegelter Extraweg bringt uns vor, nur vier Plätze hinter die Sira. Wir sind Weltmeister und Thorsten unser Spitrimmer hat am Ende recht. Jeder kommt dahin, wo er hingehört

Ergebnisse World Cup gesamt

Ergebnisse Sira Cup

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2 Kommentare zu „8mR Worlds: Auf “Wyvern” zum Titel – On Board Bericht vom Genfer See“

  1. avatar stefan sagt:

    8er (ausser Andi Lochbrunner mit seiner Elfe II) haben kein Karbonrigg!

    ….und die Elfe hat das auch nur, weil die ältesten 8er, die nach der first rule vermessen werden, hierfür keine Regel haben, die das ausschließt.

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    • avatar stefan sagt:

      Unabhängig davon natürlich herzliche Glückwünsche an Ecki und seine Crew!

      Und auch dem glücklichen Eigner, der nun endlich nach all den Jahren den Sira-Cup gewonnen hat.

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