Abgewrackt: Ellisons “Sayonara” – Gewinner des tragischen Sydney-Hobart-Races 1998

"Eine dumme Art zu sterben"

Sayonara, Ellison

Ellisons Maxi bei deftigen Bedingungen des Sydney-Hobart Race 1998 © Courtesy Grove/Atlantic Inc

Der 80 Fuß Maxi „Sayonara“, mit dem Oracle Boss Larry Ellison ins Grand Prix segeln einstieg ist in San Francisco abgewrackt worden. Bug- und Heckpartie liegen abgesägt auf den Gleisen von Pier 80.

Sayonara, Ellison

Die traurigen Reste von USA 17 ‘Sayonara’ auf Pier 80 in San Francisco

Hier hatte das Boot in den vergangenen Jahren gestanden. Seit der Langstrecken Regatta Chicago Mackinac 2000 hatte Ellison keine Verwendung mehr dafür. Dabei war „Sayonara“ das Schiff, das ihm die Welt des Profi Regattasegeln eröffnet hatte. Mit diesem Werkzeug lernte er, wie sich mit geschicktem Management auch auf dem Wasser das Beste aus seinen schier unerschöpflichen Ressourcen machen ließ.

Duell mit Hasso Plattner

Fünf Titel bei Maxi Weltmeisterschaften und der Sieg im Sydney-Hobart Race 1998 reichten ihm. “Sayonara” ist ein klingender Name in der Welt des Regattasports. Mit diesem Schiff setzte Ellison das Oracle-SAP Business Duell gegen Hasso Plattner auf dem Wasser fort. Und 1996 kam es zur legendären “Mooning Affäre”.

Der Deutsche soll dem Amerikaner nach einem Mastbruch den Hintern gezeigt haben weil dieser ohne zu helfen mit “Sayonara” vorbeigesegelt war. Tatsächlich soll sich die Aktion aber auf die unterlassene Hilfeleistung Tender-Besatzung bezogen haben. Ellison stichelte. Der Streit setzte sich sogar in den Leserbriefspalten des Spiegels fort. Der Zweikampf zwischen “Sayonara” und “Morning Glory”, auf denen damals Chris Dickson und Russell Coutts Dienst taten, wurde medial immer mehr ausgeschlachtet.

Aber Ellison wurde schließlich durch die brutalen Bedingungen in der Waschmaschine der berüchtigten Bass Strait zwischen Australien und Tasmanien vom Hochseesegeln kuriert. „Das ist eine dumme Art zu sterben“ erkannte Ellison damals. 1998 im Orkan mit bis zu 12 Meter hohen Wellen war es ums blanke Überleben gegangen. Sechs Segler starben, fünf Yachten gingen verloren.

“Sayonara”, das “two in one” Boot

„Sayonara“ war aus einer Laune heraus entstanden. Anfang der Neuziger hatten Segelfreunde Ellison auf die attraktive Transpac Regatta von Kalifornien nach Hawaii aufmerksam gemacht. Daraufhin bestellte Ellison bei Bruce Farr, dem damals führenden Konstrukteur, eine Art „two in one“ Boot.

Sayonara, Ellison

Mit ‘Sayonara‘ stieg Ellison ins Grand Prix Segeln ein © Oracle

Es sollte das Beste aus der damaligen IMS Vermessung für Maxis bei den windreichen Big Boat Regatten in San Francisco und anderen ILC Veranstaltungen machen. Zugleich sollte es sich für die Transpac Langstrecken-Regatta eignen. Die wird normalerweise auf einem Raumschots-Kurs bei eher leichterem Wind entschieden.

Diese widersprüchlichen Aufgaben wurden von Farr mit einem etwas schlankeren als damals bei Maxis üblichen und möglichst langem Rumpf mit variablem Ballast gelöst. Als Maxi verdrängte „Sayonara“ 24,4 t. Für das Transpac ließen sich 3 t Innenballast herausnehmen.

Die Bauweise in Karbon, die tiefe Ballastanordnung und der beeindruckende Ballastanteil ergaben eine enorm steife und leistungsfähige Yacht. Die Massenkonzentration ließ wenig Substanz für das eigentliche Boot übrig.

Funktional auch im Überlebensmodus

Umso erstaunlicher, dass der Leichtbau das Sydney-Hobart Race überstand. Der Film mit Ausschnitten von „Sayonara“ und anderen Booten im Überlebensmodus zeigt, was sich damals auf dem 630 sm Kurs abspielte.

Das Partialrigg bot Power bei viel Wind. Zwei Spinnakerhöhen, eine über dem Vorstag und eine weitere zum Top hin ließen „Sayonara“ bei wenig Wind laufen. Der smarte two in one Maxi ließ sich rasch, mit einer Kiel- und Ruderkonfiguration ohne zeitraubende Umbauten oder kostspielige Nachvermessungen an die beiden verschiedenen Regattabetriebsarten anpassen.

Abgesehen von einer Kühlbox, großen Pantry und dem Komfort einer Dusche in der Vorpiek für Langstreckenregatten war das Interieur mit dem vorgeschriebenen Minimum an Rohrkojen spartanisch und leicht.

Sayonara

Der letzte Schei der Regattabahnen Stand 1995: “Sayonara” © Bruce Farr

Mit Rücksicht auf die Ende 1994 eingeführte ILC Maxi Vermessung entstand „Sayonara“ so spät wie möglich bei der neuseeländischen Cookson Werft in sehr kurzer Zeit. Sie debütierte bei der Oakland – Catalina Regatta und wurde viele Jahre professionell von Melinda und Bill Erkelens betreut.

19 ist eigentlich kein Alter für eine kostspielige Hightech Yacht. Aber zwei Jahrzehnte sind eine lange Zeit für ein durch geänderte Vermessungen und neue Interessen des Eigners obsoletes Regattaboot. Ellison hätte „Sayonara“ aus sentimentalen Gründen verwahren können. Aber nach dem prägenden Sydney-Hobart Erlebnis hatte er wohl längst den Spaß an seiner alten Yacht verloren.

Sayonara, USA 17, Farr Design Nr 323, Länge 24,13 m, Wasserlinie 20,16 m, Breite 5,27 m, Tiefgang 4,06 m, Verdrängung max. 24,44 t, Ballast 17,3 t,

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Erdmann Braschos

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2 Kommentare zu „Abgewrackt: Ellisons “Sayonara” – Gewinner des tragischen Sydney-Hobart-Races 1998“

  1. avatar andreas sagt:

    Da wird schon irgendwas großes, vermutlich strukturelles kaputt gewesen sein. Hoffentlich. Kein normaler Mensch zersägt eine intakte Yacht, nur weil er ihrer überdrüssig ist. Wiederum: ist LE ein solcher? Da sind wohl Zweifel angebracht.

    Wer macht mit bei einem Kollektivmooning für Larry!?

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 8 Daumen runter 0

  2. avatar x-claim sagt:

    Ich fand den Bericht sehr interessant – Vielen Dank dafür und auch für den Link zum Video!

    Für ein solches Schiff ist es wirklich eine Saudumme Art zu enden!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 0

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