AJ’s Mottenkiste: Zögerlicher Start beim 2. Moth Fest am Mar Menor/ESP

"Vielleicht sogar Angst..."

Motten Stunt mit Piloten auf der Startrampe kurz vor dem Flug ins Wasser. © SegelReporter

Dieses bockige Miststück hat mich vor 10 Tagen sauber abgeworfen. Der Preis für den Kitzel des Fliegens, die vielen blauen Flecken und leichte Einschläge auf dem Schienbeinen, waren nichts dagegen.

Mir blieb die Luft richtig weg, Carsten schrieb schon darüber. Rippenprellung und abgefetztes Schwertfoil das Ergebnis. Eigentlich tut das kaputte Turngerät mir mehr weh als die Wehwehchen. Aber dieses Mal war es anders.

Ich zweifelte an, ob es sinnvoll wäre, beim Moth Fest am Mar Menor, südlich von Alicante in Spanien teilzunehmen. Ja, ich muss zugeben, ein wenig Respekt, oder vielleicht sogar Angst, machte sich nach meinem Crash auf der Schlei bei mir breit. Wasser wird ganz schön hart, bei knapp 40 km/Std.

Kurzum ich bin dann doch nach Spanien geflogen. Den ersten Tag mit Regen und 20 Knoten Wind kneife ich. Es gibt immer etwas zu Basteln an einer Motte. Nur drei Engländer wagen sich raus und schossen zeitweise mit mehr als 25 Knoten über den Parcours – sehr beeindruckend. Ich spüre beim bloßen Ansehen meine Rippe.

So sieht es aus, wenn alles fluppt und der Pilot gut drauf ist. © Alan Hillman, pro-vela.com

Gestern dann die übliche Thermik, 14 Knoten, eigentlich angenehm und für mich sauber zu beherrschen. Dennoch habe ich ein mulmiges Gefühl.

Die ersten fahren raus und direkt nach der Hafenmole kommt die steile Kabbelwelle – Gift für Motten. Sofort drehen die ersten ihre Stunts ein. Das passiert schnell, wenn der Hight Adjustor, der Flughöhenbegrenzer, nicht richtig eingestellt ist.

Hoch fliegen ist wegen des geringen Widerstandes zwar schnell, aber auch gefährlich. Einmal mit den horizontalen Foils zu nah an der Wasseroberfläche, und ohne Ansage folgt der Purzelbaum. Bei Wellen passiert das sehr schnell, wenn Luft unter die Flügel kommt.

Ich schaue mir das Schauspiel ganz genau an. Nach den ersten Stunts werden die nachfolgenden Motten-Piloten vorsichtiger. Ich spüre beim Zusehen sofort wieder meine Rippe. Erste glasige Schaumkämme sehe ich. “Vielleicht ist es für das erste Mal nach meinem folgenschweren Sturz doch schon ein wenig zu viel Wind und es soll ja auch noch auffrischen.“ … schon wieder das Zippen an der Unterseite des Brustkastens.

“Nee, jetzt gibt es kein zurück, Du hast die Foils gesteckt und musst nur noch Dein Fluggerät ins Wasser tragen. Ein Mehlauge bist Du nicht.“ Ein weiterer Check, der Dritte schon, und ich gehe es an.

Ohne Log geht auf der Motte nichts mehr. Das Gefühl des Piloten wird in Zahlen gegossen. Tolle handliche Technik. © SegelReporter

Ups, und schon im Hafen fliege ich. Oh wei, viel zu hoch. Gerade noch rechtzeitig regele ich das Mainfoil runter und trimme auf den Bug. Also kurbele ich mit dem Pinnenausleger das Ruderfoil unter den Rumpf, so dass er mehr Auftrieb am Heck erzeugt.

Ich schieße an der Hafenmole vorbei mit 20,9 Knoten, die Wellen sind kein Thema. Mein Speed Puck sagt mir dann später, dass das mein Topspeed für den super tollen Segeltag ist.

Learning of the Day: Nach dem kapitalen Sturz auf der Schlei war es gut, möglichst schnell wieder die Motte zu besteigen. Ansonsten macht sich die Angst breit. Sie wird im Laufe der Zeit eher größer als kleiner.

Smile of the day nach Anlaufschwierigkeiten © Alan Hillman, pro-vela.com

Nun, ich bin kein Experte, aber nach einem Sturz vom Pferd soll das ja wohl auch so sein.

2. Moth Fest 2011: Hier kommen dieses Jahr 40 Motten aus ganz Europa zusammen, um gemeinsam zu trainieren, sich zu messen in Up-and-Downs, Slaloms und auf Langstrecken. Der Spaß und Austausch steht im Vordergrund.

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Andreas John

Der Mann aus dem Hintergrund. Mehr zu ihm findest Du hier.
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