Teilnehmerbericht von der kultigen Alster-Langstrecke

Alsterglocke: "Gehirnlos links oder rechts rum."

 

Typisch Alsterglocke. Boxenstopp am HSC-Steg zum Nachtanken und Crew-Wechsel. © Pepe Hartmann

Das Wetter ist gemalt. Sonne, angenehme Temperaturen weit über dem Gefrierpunkt, und Wind im mittleren Sektor. 78 Teams wollen sich dieses Spektakulum nicht entgehen lassen. Pünktlich um 11hundert ist Start für die Meute.

Für mich bedeutet dies, zu früher Stunde erst einmal das Gleichgewicht finden zu müssen. Zum Glück dürfen wir heute die erste Runde fahren. Am Steg also schnell ein Kontergetränk, und nach einer kurzen Einweisung auf der J24 ROTOMAN geht es dann los.

Am Start schwächeln bereits die ersten Crews. Merke: nicht immer ist Start dort, wo das Zielschiff liegt, und: wer sich die Segelanweisung durchliest, ist oftmals im Vorteil. Die halbe Gegnerschaft war bereits wegen Spätstart aus dem Rennen.

Die erste Runde segeln wir recht konzentriert, der fliegende Wechsel am Steg des HSC klappt hervorragend, und unser zweites Team gibt anständig Gas. Ich bekomme noch ein zweites Konterbier und nach 15 Minuten steht der nächste Wechsel an.

Dem geneigten Auswärtigen sei das Regularium dieser Sportveranstaltung einmal erklärt. Jede Bootsklasse darf melden. Bedingung ist, dass jedes Schiff mit doppelter Mannschaft belegt ist. Gesegelt wir in drei Startgruppen, um das Feld etwas auseinander zu ziehen, nach Yardstick. Die Geschichte wird hier erklärt.

Je nach Windrichtung geht es dann immer schön gehirnlos links, oder rechts rum. Nach jeder Runde wird das Team fliegend gewechselt. Im Laufe des Mittags entscheidet die Wettfahrtleitung dann, wie viele Runden insgesamt zu segeln sind.

Klingt einfach, ist es aber manchmal nicht. Zum Wechsel müssen nicht nur der Steg im Auge behalten werden, sondern auch die anderen Boote, die  – natürlich – ebenfalls wechseln wollen. Ebenso ist darauf zu achten, dass man nicht mit der kompletten Crew abspringt, und das Boot dann seinem Schicksal überlässt.

Zurück zu unserem Team. Nach der Hälfte der Regatta liegen wir irgendwo im Feld. Genau bestimmen kann man die Position nicht. Wir haben aber die anderen J24-Teams relativ sicher im Griff.

Die „RGT“ mit Stefan Karsunke und Peer Kock macht uns als einzige noch ein wenig Arbeit. In Runde sieben (oder ist es Runde neun?) passiert es dann: unser zweites Team geht gerade höchst motiviert auf die Bahn, als Stefan mit maximaler Vorfahrt (rechts vor links, Wind von rechts, usw…) zum Wechsel angerauscht kommt.

Den fälligen Protest zieht Peer dann zurück, nachdem wir ihm beim Zwischengetränk überzeugt haben, dass sein Wechsel außerhalb unserer Wechselzone statt gefunden hatte.

Bei einigen Teams liegen in der Zwischenzeit die Nerven blank. Auf der Neptun 22 versucht der Vorsegel Trimmer mit beherztem Sprung ins Wasser die Genua ganz schnell dicht zu holen. Ist dann wohl doch zu dicht angeknallt, deute ich aus der Schimpftirade des Steuermanns.

Sehr auffällig ist der Versuch einer Segelkollegin nach dem Wechsel das Schiff am Heckkorb noch ein wenig anzuschieben. Das ist verboten, wird in diesem Fall auch sofort bestraft. Der Steuermann zieht nämlich hoch an den Wind, das Boot entfernt sich vom Steg, und ihren jämmerlichen Versuch, hinter dem Schiff hinterher, übers Wasser zu laufen, möchte ich nicht weiter kommentieren.

Nach 14 Runden werden wir nachmittags von Wettfahrtleiter Sven Johannsen ins Ziel geholt. Für uns springt ein schöner 9. Platz heraus. Unser Dank gilt dem gesamten Team vom HSC für die – wieder einmal – tolle Veranstaltung. Da ich dieses Jahr schon wieder nicht ins Wasser gefallen bin, überlege ich nächstes Jahr noch einmal an den Start zu gehen.

Die zweite Halbzeit der Regatta geht irgendwann spät zu Ende. Wie schön, dass man auf dieser Veranstaltung immer wieder Freunde, auch aus den anderen Bootsklassen, zum schnacken treffen kann.

Mit 16 Booten waren unsere J24 einmal mehr die Klasse mit der größten Meldezahl. Die Klasse lebt. Wer mehr erfahren möchte sei hiermit herzlich eingeladen, uns auf der Hanseboot an unserem Stand zu besuchen. Manni König wird sein nagelneues Schiff ausstellen.

Von Rollo Böhm J24 Klasse

Ergebnisse

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Carsten Kemmling

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