America’s Cup: Ärger unter den Herausforderern

"Unsportlich"

Das Team New Zealand und Luna Rossa wollen Artemis zwingen, früher als geplant an den Start zu gehen. Der Fall wird wohl vor der Jury landen.

Americas Cup Training

Das Training in San Francisco ist in vollem Gange aber Artemis fehlt. © ACEA Gilles Martin Raget

Die Trauer um den Tod von Andrew Simpson führte im unmittelbaren Vorfeld des America’s Cups noch zu einer Art Waffenstillstand. Die Teams schienen einigermaßen einig über die zu ergreifenden Maßnahmen. Aber knapp drei Wochen vor dem Start des Louis Vuitton Cups haben die üblichen strategischen Ränkespiele zum Verbessern der Siegchancen begonnen.

So verlautet aus America’s Cup Kreisen, dass die Internationale Jury angerufen wird. Es geht um einen Streit zwischen dem Challenger of Record Artemis auf der einen und Team New Zealand mit Luna Rossa auf der anderen Seite.

CEO Grant Dalton, rechts am Grinder, ist immer mit dabei, wenn der Kiwi-Kat das Fliegen lernt. © Chris Cameron / Emirates TEam New Zealand

CEO Grant Dalton, rechts am Grinder, ist immer mit dabei, wenn der Kiwi-Kat das Fliegen lernt. © Chris Cameron / Emirates TEam New Zealand

Der Startzeitpunkt der Herausforderer Serie wird hefitg diskutiert. Die Neuseeländer und Italiener hatten vorgeschlagen, das erste Rennen des Louis Vuitton Cups vom 7. auf den 19. Juli zu verschieben, seitdem klar ist, dass Artemis es nicht zum Start der Rennen schaffen wird.

Es grummelt bei den Challengern, seit das schwedische Team, das den exponierten Status des ersten Herausforderers vom abgemeldeten Mascalzone Latino Team übernommen hat, deutlich machte, dass es mit seinem neuen Schiff frühestens Ende Juli eine Regatta segeln könne.

Auch der Letzte kommt ins Halbfinale

Das aktuelle Format erlaubt, dass Artemis die geplante jeder-gegen-jeden-Serie auslässt. Der Sieger käme zwar direkt in das Louis Vuitton Finale am 17. August, aber der Letzte erreicht immer noch das Halbfinale am 6. August, weil ja nur drei Teams am Start sind.

Die Sicherheitsempfehlungen von Ian Murrays Untersuchunsteam nach dem Unfall beinhalteten sogar das Streichen der 100.000 Dollar Strafe für das Auslassen von Rennen der Herausforderer Serie.

Diese Option will Artemis wahrnehmen, um die Trainingszeit vor dem ersten ernsten Rennen zu maximieren. Es ist mit seinem neuen Katamaran noch keine Minute gesegelt und muss noch lernen, das Schiff zu beherrschen.

Vor diesem Hintergrund ist es verständlich, dass das schwedische Team wenig von dem Vorschlag vom Team New Zealand und Luna Rossa hält, den alten Modus zu kippen. Die beiden wollen den Start der Rennen zwar um zwei Wochen auf den 19. Juli verschieben, aber auf das Halbfinale verzichten. Die ersten beiden Teams nach der Round Robin würden in das Finale einziehen.

Cayard tobt

Damit würde Artemis genau 18 Tage früher ernsthaft segeln müssen. Klar, dass CEO Paul Cayard tobt. “Daltons Vorschläge machen die Teilnahme für uns noch härter. Sie nutzen allein ihm selbst. Das ist inakzeptabel. Seine öffentlichen Aussagen  zeugen von schlechtem Benehmen und sind unsportlich.”

Das Artemis Team gebe sein Bestes, um sich wieder zu erholen und bei den Halbfinals, wenn nicht sogar etwas früher, dabei zu sein. Bis dahin solle der Zeitplan unverändert bleiben. Abwertende Vergleiche sollten besser unterlassen werden.

Den Neuseeländern mag es vordergründig darum gehen, nicht seelenruhig zuzusehen, wie Artemis möglicherweise doch noch in Fahrt kommt. Niemand weiß, ob das neue Schiff vielleicht doch wider Erwarten in kürzester Zeit den Vorsprung der anderen beiden Herausforderer aufholen kann.

Dalton unter Druck

Aber Dalton dürfte auch wegen Sponsor-Verpflichtungen unter Druck sein. Sein Team ist als einziges durch eine größere Anzahl von Unterstützern aus der Wirtschaft finanziert. Sein Gegenwert sind unter anderem Incentives bei der Regattabegleitung. Aber unbedeutende Trainingsrennen zwischen Luna Rossa und Neuseeland haben einen geringen Reiz. Das Amrica’s Cup Management hat schon angekündigt, dass es das Geld für gekaufte Karten erstattet.

In dieser Situation ist nun fraglich, ob Artemis tatsächlich den Vorschlag der Herausforderer-Mehrheit zurückzuweisen darf. Cayard beruft sich auf eine Veto Recht des Challenger of Record. Es ist aber nicht klar, ob es für diesen Fall Bestand hat. Deshalb wird wohl die internationale Jury darüber entscheiden müssen.

Seit Artemis sich eher dem Verteidiger Oracle Team USA zugewandt und auch einige gemeinsame Trainings absolviert hat, ist das Verhältnis zwischen dem unter schwedischer Flagge segelnden Team und den übrigen Herausfordern ohnehin nicht das Beste.

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Carsten Kemmling

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6 Kommentare zu „America’s Cup: Ärger unter den Herausforderern“

  1. avatar andreas borrink sagt:

    Ein kantiger, eher unsympathischer Bursche, dieser Dalton. Irgendwie hat ihn jawohl keiner so richtig lieb……ist ja auch nicht so smart und glatt wie unser Lucky Luke Cayard. Schon der Name erinnert ja irgendwie ständig an diese vier bösen Sträflinge……

    Er geht halt einen harten, konsequenten Weg. Da macht man sich reichlich Feinde. Aber so what, am Ende zählt der Erfolg und nicht die Brownie-Points! In meiner Beliebtheitsskala ist er jedenfalls auf dem Vormarsch.

    Bleib hart, Dalts!

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    • avatar Anwalt sagt:

      Ich finde der Gewinner des AC sollte einfach nur noch vom New Yorker Gericht entschieden werden. Ist weniger gefährlich, schont die Umwelt und nützt den Anwälten. Ich bin auch einer und würde gerne helfen 😉

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  2. avatar Super-Spät-Segler sagt:

    Den Einleitungstext “…zwingen, früher als geplant…” halte ich für ziemlich irreführend.

    Artemis kann/will nicht zum schon lange feststehenden Starttermin antreten und Dalton hat ihnen einen Aufschub angeboten.
    Allerdings lange nicht so viel, wie sie wollen. Artemis möchte ja die Vorrunde am liebsten komplett schwänzen!
    D.h.:Während LR und ETNZ in etlichen Rennen vorab ihr Material riskieren und ihre Mannschaften ermüden, nutzt Artemis die Zeit zum Training…

    Was unsportlich ist, liegt für mich auf der Hand.

    Artemis haten den ersten Wing zerstört, sich beim ersten Boot total verkalkuliert und das zweite Boot ist auch noch nicht klar. Sie sind nicht konkurrenzfähig. Daran ist ganz sicher nicht der Tod von Andrew Simpson Schuld, eher ist es andersrum.

    Unterdessen hat ETNZ eine komplette Halse hingelegt, ohne das Foilen zu unterbrechen:
    https://www.youtube.com/watch?v=stxnb5QICEg#t=1000
    Ab ca 16:40

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  3. avatar Christian sagt:

    Dieses rumgelaber und rumgeärger mit diesem blöden America’s Cup geht doch echt auf die Nerven… oder? Kann die Herren mal jemand in Optimisten setzen und eine Regatta gegeneinander Segeln lassen? Vielleicht merken sie dann wieder was Segeln eigentlich ist und dass es sogar Spaß machen kann…

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 8 Daumen runter 10

  4. avatar Christian sagt:

    Ja, gegen die Boote an sich und den Cup möchte ich ja auch gar nichts sagen. Finde es nur immerwieder nervig wieviel Streiterei es um das Thema gibt, das nimmt einfach viel von der eigentlichen Freude an den Booten, der Regatta und den Leistungen der Crews… Vielen Dank für die Links, das macht natürlich Laune da zuzusehen!

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