America’s Cup: Ainslie holt ärgsten Widersacher Giles Scott ins Boot

"Nett sein reicht nicht"

Ainslie BAR

Das BAR Team beim November Training vor England. © BAR

Ben Ainslie holt den zurzeit dominantesten Olympiaklassen-Segler Giles Scott in sein America’s Cup Team. Einen der wenigen, die ihn im Finn Dinghy schlagen konnten.

Giles Scott

Finn Dinghy Überflieger Giles Scott segelt jetzt für seinen alten Widersacher Ben Ainslie. © BAR

Die Briten basteln fortlaufend an einem konkurrenzfähigen America’s Cup Team. So war es eine Überraschung, dass Ben Ainslie seinen Kumpel und Laser-Olympiasieger Paul Goodison zu Artemis ziehen ließ. Aber die Verpflichtung seines Finn-Widersachers Giles Scott macht Sinn.

Scott (27), der 2014 die Finn EM mit 50 Punkten Vorsprung gewann und die WM mit 14 Punkten, hatte Ainslie nach dessen Rückkehr in das Finn 2010 beim Kampf um das Olympiaticket schwer unter Druck gesetzt. Und nicht wenige glauben, dass Scott die Goldmedaille 2012 souveräner geholt hätte als der Altmeister. Denn die Olympia-Premiere in Weymouth gewann der ISAF Youth Weltmeister (2005) vor Ainslie.

Besonders körperlich ist der 1,95 große und 100 Kilo schwere Athlet überlegen. Und inzwischen hat er die Erwartungen erfüllt. In den vergangenen sieben Rennen blieb der Weltmeister ungeschlagen. Und niemand ist in Sicht, der diese Dominanz brechen könnte.

Ainslie BAR

Tragflächen-Segeln mit dem AC45. © BAR

Bei den relevanten Olympia-Qualifikationen behielt Ainslie dann doch die Oberhand. Scott sagt: “Ich konnte einige Regatten gewinnen, aber als es um die Ausscheidung ging konnte Ben seine beste Leistung abrufen”.

Bloß nicht zu nett sein

Dabei konnte er sein Vorbild ordentlich ärgern. Ainslie erinnert sich: “Er ist ein sehr netter Typ. Aber in der Vorbereitung auf die Spiele 2008 habe ich ihm gesagt, dass es schön ist nett zu sein, aber das reicht nicht. Er muss lernen, für sich selbst zu stehen und sich nicht herumschubsen zu lassen.” 2012 sei es dann eine völlig andere Sache gewesen, als er gegen ihn angetreten ist.

Scott gibt zu: “Ich habe meine Einstellung geändert. Ich musste aufhören, Ben auf ein Podest zu stellen, um ihn als Gegner zu sehen, den ich besiegen wollte. An Land gab es bei unserem Umgang keinen Unterschied, aber auf dem Wasser wollte ich seine Dominanz brechen.”

Ainslie BAR

Giles Scott über das Foilen mit Paul Campbell James auf einem Nacra 20. © BAR

Ainslie spricht mit großem Respekt über Scotts Wandel. Man lernt sich menschlich extrem gut kennen während einer Olympiakampagne. Im Kampf um den einen Spot lassen die Segler ihre Masken fallen und zeigen auch ihre dunklen Seiten. Aber das scheint für beide Athleten nicht abschreckend gewesen zu sein.

Scott segelte für Luna Rossa

Die verlorene Olympiaqualifikation versetzte den jungen Briten zudem in die Lage, America’s Cup Luft zu schnuppern. Erst segelte Scott einige AC45 Rennen für das Korea Team, dann wechselte er zu Luna Rossa und segelte mit dem AC72 in San Francisco.

Diese Erfahrung macht ihn zu einem wichtigen Mitglied in Ainslies Segel-Mannschaft. Dazu kommt die enorm ausgeprägte Physis des Finnseglers. Nach der Reduktion der Segelcrew von zehn auf acht Segler ist es klar, dass die gesamte Crew außer dem Steuermann hart an den Grindern arbeiten muss.

Niemand kann allein für die Taktik abgestellt werden. Und auch für reine Grinder-Kraftpakete ist wohl nicht genug Platz an Bord. Deshalb ist es kein Wunder, dass Artemis jetzt schon sieben Goldmedaillen-Gewinner verpflichtet hat.

Ainslie BAR

Vorsicht, Berufsverkehr. © BAR

Alle Segler sollten zudem das Foilen beherrschen. So üben die Kiwis grundlegende Fähigkeiten mit der Moth und alle Teams haben Zweimann-Kats auf Tragflächen im Einsatz. Giles Scott trainierte schon vor der Team-Basis in England mit einem Nacra 20 Kat.

Dort bewegt BAR aber auch schon regelmäßig seinen AC45 Kat, bei dem das Designteam verschiedene Flügel-Konfigurationen ausprobiert. Die Trainingseinheiten im britischen November dürfte allerdings hart sein. Da können die Italiener vor ihrer Basis in Sardinien und Artemis in San Francisco effektiver arbeiten.

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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