America’s Cup: Artemis bringt neuen Cupper ins Spiel – Porträt eines der größten Favoriten

Phönix aus der Asche

Artemis Racing hat seinen neuen 15 Meter Katamaran getauft. Das 119-köpfige schwedische Team mit seiner Vielzahl von Olympiasiegern ist der vielleicht stärkste Herausforderer.

Die Schweden von Artemis haben als viertes der sechs America’s Cup Teams ihren neuen Katamaran zu Wasser gelassen, mit dem sie um die Silberkanne segeln wollen. Wie zu erwarten sind wegen der Onedesign Vorgaben von Segelflügel und Plattform keine auffälligen Unterschiede zum Oracle-Boot festzustellen. Die Differenzen liegen im Detail. Es kommt auf die elektronische Steuerung der Trimm-Elemente, die Hydraulik-Anlage, die Aerodynamik und die Formgebung der Tragflächen an.

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Artemis übt schon mal das Fliegen mit dem neuen Cupper. © Austin Wong / ACEA

Der Artemis Rennstall gehört dem schwedischen Milliardär Torbjörn Törnqvist (64), dessen Vermögen auf 3,3 Millarden Dollar geschätzt wird. Er hatte bei seiner Herausforderung für den 34. America’s Cup mit harten Niederschlägen zu kämpfen, die schließlich in dem Todesfall von Andrew Simpson gipfelten. Es ist ein Wunder, dass er  weiterhin das Cup-Spiel spielt, denn San Francisco bedeutete für Artemis eine desaströse Kampagne.

Star-Designer Juan Kouyoumdjian, dessen Entwürfe drei Volvo Ocean Races gewannen, griff bei der Konstruktion des 72 Fuß Katamarans völlig daneben, indem er nicht auf die Tragflächen-Technik setzte. Bei dem Weg aus der Sackgasse kam es zu Zerwürfnissen im Team um den CEO Paul Cayard. Der Amerikaner flog raus, aber die verpasste Design-Zeit im Hinblick auf das neuartige Foilen konnte nicht mehr aufgeholt werden.

Ein Skandal

Dann trennten sich auch noch die Wege von Artemis und Steuermann Terry Hutchinson, dem vielleicht besten US-Segler überhaupt. Ein heftiger Streit mit Törnqvist soll dazu geführt haben. Hutchinson sagt, er habe die Sicherheit des Katamarans schon früh bezweifelt. Zehn Wochen nach seiner Beschwerde brach er aus einander und begrub Andrew Simpson unter sich. “Es war allgemein bekannt, dass dieses Boot nicht sicher ist. Eine Tragödie”, wird Hutchinson in einem Interview mit der Zeitschrif Maxim zitiert. Eigentlich ein Skandal, aber so richtig ist er dann doch nicht thematisiert worden. Die genauen Umstände, die zur fehlerhaften Konstruktion führten, wurden nie erschöpfend geklärt.

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Frau Törnqvist tauft den neuen 15 Meter Kat. © E. McCreight

Aber der Schicksalsschlag hat Törnquist besonders mit dem Doppelolympiasieger Ian Percy zusammengeschweißt, den er zu neuen Teammanager beförderte. Artemis war der erste Rennstall, der mit Vollgas in die nächste Kampagne startete. Und der Schwede ließ sich auch von geschäftlichen Problemen mit seiner Rohstoffhandel-Firma Gunvor nicht vom Segeln abhalten.

Artemis könnte nun nach 2013 wie der Phönix aus der Asche aufsteigen. Zwar waren die Leistungen bei der America’s Cup World Series mit insgesamt vier letzten Plätzen in neun Regatten noch etwas wechselhaft. Aber eigentlich sollte die Crew die Stärke von Artemis Racing ausmachen.

Die 12 Segler bringen die Erfahrung von 64 America’s Cup Kampagnen und 14 Siegen mit sich. Und im Segelteam ragen die Olympiasieger heraus. Neben Taktiker Percy (2000 Finn, 2008 Star) Steuermann Nathan Outteridge (2012 49er) und Wing Trimmer Ian Jensen (2012 49er) macht auch Paul Goodison (2008 Laser) als zweiter Steuermann und Moth Weltmeister große Fortschritte. Auch Fredrik Lööf (2012 Star) wird immer wichtiger im Team.

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Torbjörn Törnquist mit Nathan Outteridge zeigen Flagge. © Austin Wong / ACEA

Die Egos mussten sich aber wohl erst einmal zusammenraufen. Lööfs ex Vorschoter Max Salminen, Finn Olympia-Sechster in Rio wird inzwischen genauso wenig auf der Crewliste geführt wie der hoch dekorierte Coach Rod Davies, 1984 Olympiasieger in der Soling. Aber Steuermann Nathan Outteridge lieferte bei seinen jüngsten World-Series-Auftritten am Steuer dann doch die überragende Serie von 1/1/2 ab.

Doch die wahre Stärke dürfte sich im Design-Bereich zeigen. Die Schweden konnten durch ihren frühen Kampagnen Start, die hellsten Köpfe der Branche rekrutieren, und inzwischen ist das gesamte Team auf 119 Köpfe angewachsen. Das Ergebnis wird sich in den nächsten Wochen auf dem Wasser zeigen.

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Insgesamt arbeiten 119 Menschen für Artemis. © E. McCreight

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Der Teamchef bei der Ansprache in Bermuda. © E. McCreight

 

 

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Carsten Kemmling

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