America’s Cup: Artemis holt drei Siege und führt 4:3 – Wieder muss der Schiri eingreifen

Passt das? Passt nicht!

Das spannende 7. Rennen:

Artemis war schon fast draußen und wird nun doch noch seiner Favoritenstellung gerecht. Eine dramatische Situation im dritten Duell des Tages ist der Höhepunkt. Wieder stehen die Umpires im Blickpunkt.

Zweimal hat sich Dean Barker beim Start abkochen lassen. Zuerst vermasselt er eine hübsche Leeposition mit einem unbedrängten Frühstart.

JPN hat genug Platz, um frei zur Linie zu beschleunigen…

…aber Barker startet zu früh. Das blaue Blinklicht erscheint. Zwei Längen warten.

Dann gerät er etwas nahe an die Start-Anlieglinie und Outteridge kann in Luv drüber rutschen.

JPN gerät links zu nahe an die Anlieglinie und muss zum Start hochquetschen

Das sind schon die beiden Fehler, die aus einem 1:3 den Ausgleich zum 3:3 für die Schweden machen. Denn die Rennen der beiden gleich schnellen Schiffe sind, wie von vielen Beobachtern prognostiziert, danach eher langweilig.

Die Schweden verteidigen den Vorsprung nach allen Regeln der Match Race Kunst, und es zeigt sich, wie sehr das angreifende Boot auf verlorenem Posten ist, wenn der Gegner keine Fehler macht.

Extrem enges Match zwischen Artemis und Softbank. © ACEA 2017 / Photo Gilles Martin-Raget

Japan ist zwar flott und stabil unterwegs, aber eben nicht das Stück besser, um eine Deckung durchbrechen zu können. Seglerisch funktioniert es kaum. Das wird bei diesem Duell klar. Mit diesen AC50 kann man nicht mal eben eine zusätzliche Wende einbauen, um eine Winddrehung auszunutzen.

Man muss warten bis die Batterien von den Grindern wieder aufgefüllt werden. Sonst platscht das Boot ins Wasser. Die beiden Rennen zeigen, wie machtlos das achteraus liegende Boot durch diese technischen Vorgaben ist. Artemis hat keine Probleme, den Vorsprung zu verteidigen.

Dramatik im letzten Rennen

Diese Erkenntnis mag schon etwas ernüchternd sein für den Zuschauer, der Spannung und Dramatik erwartet. Aber die kommt dann doch noch im letzten Duell der beiden Kontrahenten.

Dean Barker behauptet diesmal die Leeposition beim Start, geht absolut gleichauf mit den Schweden über die Linie und nutzt den Vorteil beim Speedrun bis zur ersten Marke für eine frühe Führung.

Der letzte Start. Beide Boote sind gleichauf…

…JPN hält den Lee-Vorteil bis zur ersten Tonne und führt.

Nun sollte er es auch schaffen, den Vorteil zu sichern. Aber Artemis erreicht schon am ersten Tor den Split durch eine sehr geschickte Positionierung.

Schlaue Positionierung von Artemis für den Split. Etwas nach Luv versetzt könnte SWE noch beide Tonnen runden. JPN muss die Entscheidung früher fällen. SWE kann reagieren und die Alternative nehmen.

Die reicht noch nicht aus für ein Überholmanöver auf der nächsten Kreuz, aber der Split bleibt bestehen. Erst eine Runde später zahlt er sich aus. Kurz vor den Luvtonnen schafft  das Softbank Team plötzlich nicht mehr den Cross vor den Bugspitzen, muss extrem abfallen und achteraus passieren. Aber beim nächsten Cross hat Dean Barker dann Vorfahrt. Oder nicht?

Zum ersten Mal in diesem Rennen muss JPN mit einem extremen Schlenker hinter SWE abfallen…

…Die speziellen America’s Cup Regeln geben dem Innenlieger SWE Recht, wenn er seinen richtigen Kurs um die Tonne steuert. Outteridge protestiert…

…Die Schiedsrichter entscheiden sich als die Boote auf dem Vorwindkurs sind. Game over für JPN.

Bei normalen Regatten dürfte Artemis nicht in die Zone wenden. Aber beim America’s Cup sind die Regeln in diesem Fall geändert. Outteridge darf Platz zum Wenden verlangen, Barker muss genug Abstand gewähren. Er tut es nicht nach der Meinung der Schiedsrichter, die an Land in einem Container sitzen und die Wiederholung der Szene am Bildschirm mehrfach durchlaufen lassen können.

Passt es? Passt nicht! Die entscheidende Szene im 3. Duell des Tages zwischen SWE und JPN. © ACEA 2017 / Photo Gilles Martin-Raget

Damit ist auch der dritte Punkt an diesem Tag für das japanische Team verloren. Eine ärgerliche Situation, denn Barker hätte nur ein wenig weiter in Luv positioniert sein müssen, und er wäre locker mit mehr Speed in der Außenkurve an Artemis vorbei gezogen.

So sehen sich die Japaner am Freitag einem Matchball gegenüber. Aber es ist nicht zu sagen, ob Schweden ihn wirklich verwandeln kann. Beide Boote liegen in ihren Leistungswerten absolut gleichauf. Es wird zu einem großen Teil auf den Start ankommen. Und vielleicht auf den Wind. Der soll dann wieder stärker wehen. Und zuletzt hatten die Softbank Segler dabei besser ausgesehen.

 

 

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Carsten Kemmling

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Ein Kommentar „America’s Cup: Artemis holt drei Siege und führt 4:3 – Wieder muss der Schiri eingreifen“

  1. avatar E2nO sagt:

    Wobei sich wohl für heute (Freitag) die Frage stellt: Kann überhaupt gesegelt werden?
    Die Windprognose liegt zwischen 20 und 30kt …

    Aber eigentlich ja perfekt für ETNZ, wenn es beim dem Duell heute anstelle eines Gewinners nur einen “Überlebenden” gibt, der dann erst mal sein Boot zusammenflicken muss 🙂

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