America’s Cup Artemis Unfall: Kenterung erfolgte nach Strukturschäden

Die Sinne waren geschärft

CNN Bericht zum Artemis Unglück:

Der tragische Unfall beim schwedischen America’s Cup Herausforderer Artemis ist offenbar nach dem Bruch des vorderen Beams erfolgt. Die Struktur des Katamarans kollabierte.

Die kollabierte Artemis Plattform nach der Kenterung.

Die kollabierte Artemis Plattform nach der Kenterung.

Die Ursache für die Kenterung des Artemis America’s Cuppers hat offenbar technische Hintergründe. Einem Bericht des US-Magazins wired zufolge soll vor dem Unfall die vordere Verbindung zwischen den beiden Katamaran-Rümpfen gebrochen sein.

Damit wäre der Unfall nicht mehr vergleichbar mit dem Oracle Crash vom vergangenen Jahr, bei dem im Video der Überschlag nahezu in Zeitlupe erfolgte. Die Segler hatten noch Zeit, sich im Netz des Trampolins festzukrallen und kontrolliert abzuspringen.

Artemis Kenterung

Vom Steuerbord-Rumpf ist nur noch das Heck übrig geblieben, das Trampolin hat seine Spannung verloren.

Beim Artemis Crash ist aber offenbar das gesamte System kollabiert. Die Bilder zeigen, dass schließlich sogar der Steuerbord-Rumpf kurz vor dem Ruder durchgebrochen ist. Das gesamte Trampolin, das zwischen den 22 Meter langen Rümpfen und den 14 Meter breiten Beams gespannt ist, hat seine Spannung verloren und könnte als Falle gewirkt haben.

Besonders tragisch ist die Tatsache, dass Artemis schon vor dem ersten Segeltag Probleme mit diesem Bauteil hatte. Nach den ersten Last-Tests im Oktober 2012, die im Schleppmodus stattfanden, wurde das Schiff nach “Geräuschen am vorderen Beam” wieder zurück in die Halle geschoben.

Team New Zealand übt die "Kenterung"

Team New Zealand übt die “Kenterung” am zehn Meter Sprungturm. © Chris Cameron/ETNZ

Ob der gesamte Beam danach ausgetauscht oder repariert wurde, ist nicht bekannt. Das Schiff war allerdings zuletzt massiven Umbaumaßnahmen unterzogen worden, die dabei helfen sollten, Erfahrung zu sammeln für das Foilen des neuen Katamarans. Strukurelle Veränderungen dürften dabei allerdings nur eine geringere Rolle gespielt haben.

Inzwischen ist auch klar, dass sich auch Artemis massiv mit der Sicherheitstechnik auseinandergesetzt hat. Alle Segler führten kleine Sauerstoffflaschen mit sich, um die Tauchzeit im Falle einer Kenterung verlängern zu können. Mit Messern sollten sie sich freischneiden können, falls sie unter dem Trampolin gefangen wären.

Das Luna Rossa Team berichtet, dass die Segler jede Woche in einem Schwimmbad üben, die Luft unter Wasser anzuhalten. Ein Grinder sei als Lebensretter ausgebildet. Er übe mit den Seglern unter Wasser das durchschneiden von Leinen und Öffnen von Schäkeln. Das Team New Zealand zeigte sich in einem Video wie es am Sprungturm eine Kenterung simuliert. Die Sinne waren geschärft.

ETNZ im Schwimmbad

Ein Segler wird unter Wasser festgehalten, damit er das Befreien üben kann. © Chris Cameron/ETNZ

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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http://blueocean.berlin/magicmarine-team-werden/

4 Kommentare zu „America’s Cup Artemis Unfall: Kenterung erfolgte nach Strukturschäden“

  1. avatar Marc sagt:

    http://www.yacht.de/sport/news/nach-todesfall-stg-zieht-team-zurueck/a80039.html
    Da stellen sich mir einige Fragen:
    Kleiner Schnellschuss des STGs?
    Vielleicht hätten sie erst die Untersuchungen/Ursachen des Unfalls abwarten sollen?
    Wussten sie vorher nicht worauf sie sich einlassen? Erkundige ich mich nicht vorher um die Risiken, bevor ich junge Leute auf “schwer zu bändigende Rennboliden” setze? Immerhin hats ja geklappt beim Qualifying und da war den Berichten nach auch ordentlich Wind
    Oder fehlt einfach nur das Geld für die Kampagne und nun hat man einen “schönen” Anlass geschickt und ohne große Negativpresse abzusagen?

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 20 Daumen runter 11

  2. avatar Backe sagt:

    Auch am anderen Ende der Welt kocht das Thema heiß.
    Der NewZealand Herald hat einige interessante Informationen auf Lager, die beleuchten, dass die “Sicherheitsfrage” schon seit längerem diskutiert wurde:

    http://www.nzherald.co.nz/sport/news/article.cfm?c_id=4&objectid=10882937

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 1

  3. avatar AC 90 sagt:

    Ich denke schon, das der Rückzug diesem tragischen Unfall geschuldet ist. Wenn es tatsächlich eine Geldfrage ist….. Eine YAC- Kampagne soll ( so weit ich weiß ) bei 250000 bis 500000 Euro liegen. Immer noch ne Menge Geld, aber verglichen mit dem AC ein doch eher überschaubares Budget. Wenn man dafür schon keine Sponsoren findet, wenn es den so sein sollte, noch ein Grund mehr dieses Format komplett zu überdenken, nicht nur aus Sicherheitsgründen.

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  4. avatar omg sagt:

    Erschütternder Augenzeugenbericht von Nathan Outteridge in der australischen Zeitung “Newcastle Herald”:
    http://www.theherald.com.au/story/1492449/video-lake-olympic-medallists-safe-after-fatal-capsize/?cs=303

    Alle Crewmitglieder sahen den Bart’s Todeskampf mit an, reichten ihm noch ihre Sauerstoffflaschen und konnten ihren Kumpel doch nicht retten. Heftig!

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