America’s Cup: Artemis versenkt Matchball – 5:3 gegen Japan nach aggressivem Luvmanöver

Luvkampf zum Sieg

Artemis hat sich mit einem soliden Sieg gegen das Softbank Team den Weg in das America’s Cup Finale gebahnt. Bei starkem Wind waren gute Nerven in einer knappen Bord-an-Bord-Situation entscheidend.

Es ist wieder dieser eine enge Moment, in dem sich das Blatt wendet. Wenn es knapp wird, funktioniert das Artemis Team. Dann behält Nathan Outteridge die Nerven, und Taktiker Ian Percy den Überblick, auch wenn er brutal an der Kurbel gefordert ist.

Dabei beginnt dieses Matchball-Duell überhaupt nicht gut für das schwedische Team. Dean Barker puscht den australischen Steuermann von hinten früh zur Startlinie, zu früh. Outteridge muss die Leeposition frei machen, von der Linie wegluven und hat nicht mehr genug Platz zum Beschleunigen.

Barker puscht Artemis von hinten zur Linie…

Artemis, Softbank

Aufgewühltes Wasser, beinharte Vorstart-Jagd. Artemis mus Gas geben, um die Überlappung von hinten zu vermeiden… © ACEA 2017 / Photo Ricardo Pinto

…Der Abstand zur Linie wird geringer und es steht noch zu viel Zeit auf der Uhr…

…Barker kann mit mehr Abstand Speed aufnehmen…

…und den Start klar gewinnen.

Das Softbank Team Japan gewinnt den Start klar. Mit gutem Vorsprung nähert es sich der ersten Tonne. Aber das kritische Manöver des Abfallens mit gut 45 Knoten Speed gelingt nicht besonders gut. Barker steuert einen weiten Bogen. Artemis dagegen geht deutlich enger um die Tonne, ein Manöver, dass für die Schweden vor zwei Tagen noch heftig daneben ging.

Beim Abfallen an der ersten Tonne lässt Japan viel Platz und Artemis rauscht in der Innenkurve wieder heran.

So hat Outteridge den frühen Rückstand wett gemacht und baut von hinten mächtig Druck auf den Gegner auf. Am Leetor versucht Ian Percy gar nicht erst einen komplizierten Split mit einem zusätzlichen Manöver anzusagen. Artemis macht wieder das bessere Rundungsmanöver, kann einen etwas höheren Kurs steuern und ist nach der Wende immer noch ganz nahe dran am Kontrahenten.

Eigentlich die perfekte Position

Dennoch behält Barker eigentlich eine sichere Deckungsposition bei. Etwas in Luv versetzt hält er den Speed der Schweden und hat mit Wegerecht die Kontrolle. Vier Bootslängen vor der Spielfeldbegrenzung wechselt die Vorfahrt, aber Barker hat genug Vorsprung, um sich frei zu halten.

Barker wendet eigentlich in der perfekten Deckungsposition. Aber die Wende geht daneben. Die Bugspitzen tauchen ins Wasser…

…Artemis rauscht von hinten heran, stellt die Überlappung her…

…und darf luven (Regel 17 gilt nicht)

Outteridge protestiert sicherheitshalber, aber Barker ist genug bestraft durch den Fahrtverlust.

Outteridge wendet und Barker kontert das Manöver eigentlich in der perfekten Position voraus und etwas nach Luv versetzt. Aber die Wende geht völlig in die Hose. Beide Bugspitzen bohren sich ins Wasser, das japanische Boot bleibt nahezu stehen, und plötzlich rauscht Artemis von hinten heran.

Das wäre in einer normalen Regatta kein so großes Problem. Weil ein Boot, dass sich von hinten nähert, nur vor dem Start Luvrecht hat, danach aber nicht.  Diese Regel 17 ist beim America’s Cup aber gestrichen, um mehr Führungswechsel zu ermöglichen.

Mit Speed von hinten

Barker befindet sich also in einer schwierigen Position. Er kann nichts machen. Outteridge kommt mit mehr Speed von hinten, stellt die Überlappung her, luvt leicht an, und das schwarze Boot muss mit einem Ausweichschlenker nach Luv reagieren. Dabei verliert es noch mehr Fahrt und viel Zeit, bis es wieder die Geschwindigkeit der Schweden aufnimmt.

Das Rennen ist entschieden. Japan bleibt zwar dran, ist aber nicht so stabil um ernsthaft Druck aufbauen zu können. Den Artemis-Fans bleibt noch einmal das Herz stehen, als die letzte Halse völlig misslingt und gleich 100 Meter Vorsprung verloren gehen. Aber Barker schafft nicht mehr den Turnaround.

Das war’s. Die Halbfinal-Paarung steht fest: Artemis gegen Team New Zealand. Genau so hatte man es vor dem Start der Regatten erwarten können. Aber schließlich waren die Rennen doch viel enger als erwartet. Die Schweden drehen noch einen 1:3 Rückstand zum 5:3. Das hätte auch ins Auge gehen können.

Oracle muss sich fürchten

Für Oracle dürften beide Finalgegner gefährlicher werden als das Softbank-Team, das von vielen spöttisch als Junior-Partner gesehen wird. Nur durch den Design-Austausch mit dem Cup-Verteidiger konnten die Japaner in kaum zwei Jahren so weit kommen.

Larry Ellison hatte den komischen Deal mit seinem Milliardär-Kollegen und Freund Masayoshi Son eingefädelt, um die Zahl der Herausforderer zu vergrößern. Nun hat sich das Team mit einer Leistung verabschiedet, die zuvor nicht für möglich gehalten worden war. Es will weiter dabei bleiben, und mit der Finanzmacht des Japaners im Rücken kann es im nächsten Zyklus zu einer echten Macht werden.

Artemis dagegen hat auch das Zeug, den Cupverteidiger zu schlagen. Das Team von Torbjörn Tornquist hat nach der desaströsen Kampagne für 2013 ohne Pause weiter gemacht, und es ist nach dem Tod von Andrew Simpson als Einheit zusammengeschmolzen. Deshalb war es erstaunlich, wie holprig Artemis die Vorrunde absolviert hat. Nun scheint das Team bereit für den ganz großen Coup. Es hat zwar einige Tiefen durchleiden müssen aber zweimal konnte es Oracle besiegen.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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