America’s Cup: Bei Emirates Team New Zealand gärt es weiter

Ist Dalton noch zu halten?

Grant Dalton (l.) und Dean Barker haben sich offenbar nur noch wenig zu sagen. © TNZ

Grant Dalton (l.) und Dean Barker haben sich offenbar nur noch wenig zu sagen. © TNZ

Während die Gegner schon für den 35. AC trainieren, kommt der Cupfinalist aus Neuseeland nicht zur Ruhe. Nachdem er Steuermann Dean Barker abgesetzt hat, hagelt es öffentlich harsche Kritik an Teamchef Grant Dalton.

Neuseeländische America’s Cup-Projekte sind meist hochkarätig, aber selten gradlinig. Von der Rote-Socken-Kampagne zur Finanzierung durch Strumpfverkäufe über die Ächtung des Heroes Russell Coutts als Vaterlandsverräter nach dem Wechsel zu Alinghi bis heute. Im Emirates Team New Zealand steht nun der Boss Grant Dalton zur Disposition – öffentlich, denn in dem zuletzt mit 25 Millionen Euro Steuergeldern unterstützten Syndikat ist kein Raum für Eitelkeiten.

Nach dem knapp verlorenen Cupfinale 2013, als Emirates Team New Zealand nach einem umstrittenen Ruhetag den Faden verlor, steht auch der Teamchef in der Kritik.  Foto: Abner Kingman/ACEA

Nach dem knapp verlorenen Cupfinale 2013, als Emirates Team New Zealand nach einem umstrittenen Ruhetag den Faden verlor, steht auch der Teamchef in der Kritik. Foto: Abner Kingman/ACEA

Seit der bitteren, aus Sicht der Kritiker völlig unnötigen Finalniederlage von San Francisco in letzter Minute gegen Oracle Racing muss sich der Kopf des Teams unangenehme Fragen gefallen lassen. Die Vorwürfe: Mit seinem eigenmächtigen Wunsch ohne Wissen und Zustimmung der sportlichen Leitung, bei 7:1-Führung einen Ruhetag einzulegen, habe Dalton dem Gegner die notwendige Zeit gegeben, vor allem das Am-Wind-Foilen entscheidend zu verbessern.

Sportlicher Zenit überschritten

Dalton wollte nur einigen Sponsoren, die noch nicht vor Ort waren, eine rechtzeitige Anreise ermöglichen, um den vermeintlichen Triumpf mitzuerleben, der dann kläglich in die Hose ging.

CEO Grant Dalton, rechts am Grinder, ist immer mit dabei, wenn der Kiwi-Kat das Fliegen lernt. © Chris Cameron / Emirates TEam New Zealand

Kritiker fordern den Rücktritt von CEO Grant Dalton, rechts am Grinder. © Chris Cameron / Emirates TEam New Zealand

Zweiter Kritikpunkt ist die Position an Bord, die Grant Dalton als Grinder einnahm, obwohl es mit Winston Macfarlane einen jüngeren und kräftigeren Segler gegeben hätte, der sich besser auf die Aufgabe konzentriert hätte. Der damals 56-jährige, der fünfmal auch siegreich am Whitbread Race rund um die Welt teilnahm, hatte seinen sportlichen Zenit längst überschritten. Den Platz in der Crew teilte sich der Managing Direktor offenbar selbst zu – ohne Zustimmung von Skipper Dean Barker.

Mit dessen Degradierung vom Steuermann und Segeldirektor zum Performance Manager und Coach hat Dalton das gesamte Team, dessen Fans und Unterstützer sowie die Medien endgültig entzweit. Die Inthronisierung von 49er- und Moth-As Peter Burling zum neuen Skipper ist sportlich ein Neuanfang. Aber die Personalentscheidung sickerte einmal mehr auf nebulösen Wegen im Dunstkreis des Teamchefs nach draußen.

Mehr als 100.000 im Monat

„Wir sind diese kindischen Mätzchen leid, Informationen zu lancieren, wenn es passt, und Antworten zu verweigern, wenn sie dringend geboten wären“, kommentierte der renommierte Journalist Murray Deaker in der Tageszeitung „The New Zealand Herald“. Die ganze Nation habe diese Possen längst satt. Nicht Barker hätte gehen sollen, sondern Dalton, der mehr als 100.000 Euro im Monat verdient, aber seine Zielstrebigkeit verloren sowie Respekt und Vertrauen komplett verspielt habe, forderte Deaker.

Schnell bemühte sich der angeschossene CEO um Rückendeckung und fand diese bei Milliardär Matteo de Nora. Der in Monaco lebende Italo-Schweizer hat viel Geld ins Team New Zealand gepumpt und verteidigte die Entscheidung „des Top-Managements und Aufsichtsrats“ gegen Barker als „klar, couragiert und notwendig“. Er (de Nora) halte Dalton für die besten Mann an der Spitze, mit dem er das Team auch bis zum nächsten Cup 2017 weiter unterstützen würde.

Trainieren schon fleißig auch am Wind im Foilmodus mit neuen AC45: Artemis und Oracle. © Pressure Drop

Trainieren schon fleißig auch am Wind im Foilmodus mit neuen AC45: Artemis und Oracle. © Pressure Drop

Während Cupverteidiger Oracle und Herausforderer Artemis schon eifrig auf ihren neuen 45ern trainieren und Luna Rossa sowie Ben Ainslie Racing längst auf den alten, stehen die Neuseeländer vor weiteren Zerreißproben. Um wieder Zuschüsse der öffentlichen Hand zu bekommen, müsste zwingend eine Regatta der AC-Weltserie in Auckland stattfinden. Das scheint allerdings wahrscheinlich, nachdem Sydney keine adäquate Bewerbung abgegeben hat.

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https://northsails.com/sailing/3di-nordac

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