America’s Cup: Die neue Klassenregel für 2021 – Viele Onedesign-Elemente

"Radfahrer" verboten

Die Royal New Zealand Yacht Squadron und der Circolo della Vela Sicilia haben die Regeln der neuen AC75-Klasse für den 36. America’s Cup veröffentlicht.

Die America’s Cup-Verteidiger und -Herausforderer haben die mit Spannung erwarteten Regeln für den nächsten America’s Cup 2021 veröffentlicht. Auf 62 Seiten stellen sie dar, wie die Box Rule für die nächste Regatta in Auckland definiert ist. Sie ist das Spielfeld der Designer und stellt den Rahmen dar, in dem sie sich beim Bemühen um den Bau einer schnellstmöglichen Yacht bewegen dürfen.

Demnach beträgt die maximale Rumpflänge 20,6 Meter (68.5 Fuß) und erst mit dem Bugspriet die Länge über alles von 75 Fuß. Der Tiefgang ist auf 5 Meter beschränkt. Die  Breite über alles ist etwas schwer zu bestimmen, da sie von dem nach Luv schwenkbaren Foil-Arm abhängt. Demnach beträgt die maximale Spannweite 4.1 Meter.

AC75

Das krakenartige des AC75 Design findet seine Bestätigung in den neuen Klassenregeln. © America’s Cup Media

Die neue Klasse hält auch wieder Arbeit für die Segelmacher bereit. So sind 10 Großsegel und 29 Focks erlaubt. Es gibt aber viele vorgeschriebenen Onedesign-Elemente, auch um die Boote schließlich möglichst ähnlich aussehen zu lassen. So kommen auch die Foil-Arme aus einer Produktion.

Mast mit zwei Segel-Nuten

Der einheitliche Mast soll dem schon vorgestellten Prinzip mit zwei Segel-Nuten am Profil entsprechen. Wanten und Stage werden ebenfalls gestellt. Die Ausführung der Segel obliegt den Teams. Sie dürfen die Profile mit maximal acht Karbon-Latten für Groß und Fock stabilisieren. Aufblasbare Lösungen, über die zuvor spekuliert wurde, sind verboten.

Strikte Grenzen wurden in Bezug auf den erlaubten Bau der Anzahl der Komponenten definiert. Die Teams sollen dazu gebracht werden, weniger physisch zu testen und stattdessen im Rechner zu simulieren.

Damit setzt sich ein Trend fort, der schon beim vergangenen America’s Cup große Bedeutung erlangt hat. Der Erfolg vom Team New Zealand hat viel damit zu tun, dass es sein bahnbrechendes Design durch die Simulationsarbeit erst sehr spät auf dem Wasser zeigen musste. Es segelt schon am ersten Wassertag sehr stabil auf seinen Tragflächen.

Schwerathleten am Arm-Grinder

Die Größe der Crew ist auf 11 beschränkt. Der Gewicht-Durchschnitt beträgt 90 Kilogramm. Damit sind erneut Schwerathleten am Arm-Grinder gefragt. Wie erwartet sind  “Radfahrer” diesmal verboten.

Sie müssen diesmal allerdings nicht die Energie für die Hydraulik bereitstellen, sondern ziehen klassisch an den Schoten. Die Kraft zum Trimmen der Tragflächen wird durch Batterien bereitgestellt, die allen Teams gleichermaßen zur Verfügung gestellt werden.

“Wir wollen möglichst ähnliche Boote und Wettkämpfe auf Augenhöhe”, sagt der Deutsche Foil-Guru Martin Fischer als neue Design-Koordinator vom Luna Rossa Team, der mit seinem Kollegen vom Team New Zealand Dan Bernasconi maßgeblich an der Regelgebung beteiligt war. Deshalb hofft er, dass keine Regellücken entstanden sind, die einem Team besondere Vorteile gewähren – eine solche Lücke hatte für den 34. America’s Cup zur “Erfindung” des Foilens beim Cup geführt.

Bernasconi glaubt, dass dem Rumpf disemal eine größere Bedeutung zukommt, weil es darum geht, sich möglichst schnell aus dem Wasser zu heben. Er erwartet offenbar, dass bei wenig Wind  noch in Verdränger-Fahrt gesegelt wird.

Wie viel Herausforderer können sich das leisten?

Nun wird es spannend. Die wichtigsten Eckdaten wie Austragungsort und Sportgerät stehen fest, und potenzielle Teams müssen für sich entscheiden, ob es möglich ist, mit den aktuellen Vorgaben den America’s Cup zu gewinnen.

In den nächsten Wochen wird sich also zeigen, ob die Regelmacher einen guten Job abgeliefert haben. Wenn es zu teuer wird, dürfte sich kaum jemand finden, der gegen das Team New Zealand und Luna Rossa antritt.

Bisher hat das britische Land Rover BAR Team eine Herausforderung angekündigt wie auch das neue US-Team vom New York Yacht Club, dass sich gerade den Namen “American Magic” gegeben hat. 

Ds 62-seitige Deokument zur neuen Klassenregel

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Carsten Kemmling

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Ein Kommentar „America’s Cup: Die neue Klassenregel für 2021 – Viele Onedesign-Elemente“

  1. avatar Qiter sagt:

    Ich denke dass die Entwicklung so weit sein wird, dass auch bei leichtestem Wind gefoilt werden kann. Die Kitefoiler sind bei 5 Knoten auf dem Foil unterwegs, das werden die AC Boote dann vielleicht auch sein.. Es bleibt spannend!

    Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

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