America’s Cup: Erfolg in San Francisco, aber Artemis und Kiwis spielten nicht mit

Aufreizende Lustlosigkeit

Das Team New Zealand testet seine Windspeed-Anzeiger auf dem Autodach:

Während die Segelwelt immer noch über den eleganten Abgang von 400 Meter Sprint-Legende Michael Johnson schmunzelt, feiert das America’s Cup Management das Debut des Cup-Zirkus in San Francisco. Die Zahlen sind beeindruckend.

So sollen an sechs Tagen 150.000 Menschen das Event besucht haben. Zum Höhepunkt am Sonntag wurden 40.000 gezählt. Die Zuschauerflotte auf dem Wasser sei zum Finale auf 450 Schiffe angewachsen. Die 6600 bezahlten “Stadion”-Plätze seien an allen Tagen ausverkauft gewesen

Die 45 Youtube Videos verzeichneten 500.000 Kontakte, die neue America’s Cup Website sei in der Zeit von 300.000 eindeutigen Besuchern erreicht worden, die sich mehr als eine Millionen Seiten angesehen hätten.

Vom 2. bis 7. Oktober sollen diese Zahlen noch getoppt werden. Dabei ist es für die Aufmerksamkeit offenbar kein Problem, dass es bei der America’a Cup World Series nur um die Goldene Ananas geht.

Aufreizende Lustlosigkeit

Die beiden Top-Herausforderer Artemis und Team New Zealand zeigten eine schon fast aufreizende Lustlosigkeit. Sie werden nicht absichtlich schlecht gesegelt sein, aber es fehlte der Fokus für gute Ergebnisse mit den AC45 Einheitskatamaranen. So ist kaum zu erklären, wie der im Finale lange Zeit führende Terry Hutchinson mit Artemis zurückgefallen ist. Und Kiwi Dean Barker hat wohl selten ein Leetor so unglücklich angesteuert wie im Finale, als er vor dem Wind von Rang drei fast ganz nach hinten rutschte.

Das neuer AC72 Geschoss von Artemis ist in San Francisco angekommen. © Sander van der Borch/Artemis

Das neuer AC72 Geschoss von Artemis ist in San Francisco angekommen. © Sander van der Borch/Artemis

Aber tatsächlich haben die großen Teams im Moment andere Dinge im Kopf, als die Show-Fleetraces mit den AC45 zu gewinnen. Sie müssen lernen ihre 72Fuß Rennmaschinen zu beherrschen. Leetonnenrundungen in der Flotte wird es beim echten Cup nicht geben.

Und die Match Races werden wohl auch nicht so eng werden wie das Duell-Finale zwischen Coutts und Spithill, bei dem sich die Oracle Teampartner dreimal überholten. Spithill zog auf der ersten Vorwind vorbei, bremste aber am Leetor mit zwei ungezwungenen engen Halsen und ließ auf der Kreuz die Gennaker-Wurst stehen.

Coutts überholte sofort wieder, ließ aber an der letzten Leetonne ohne Not die Türe weit offen. Spithill zog seinerseits vorbei, musste aber noch einen Penalty ausführen, weil er zuvor das Spielfeld verlassen hatte. Die beiden Teams zeigten ein spannendes Match, hatten aber wohl auch im Hinterkopf, dass es der Show abträglich sein könnte, wenn ein Team weit voraus segelt.

Die großen Teams konzentrieren sich auf ihre neuen Geschosse. Artemis wartet noch auf seinen Flügelmast. © Sander van der Borch/Artemis

Die großen Teams konzentrieren sich auf ihre neuen Geschosse. Artemis wartet noch auf seinen Flügelmast. © Sander van der Borch/Artemis

Die Action, der japsende Coutts, die Dramatik an Bord hat viele Zweifler von der neuen Art des Segelns überzeugt. Aber es ist fraglich, ob die großen Rennmaschinen dieses Niveau beim echten Cup halten können.

Potenzial für Weltliga

Die Fleetraces sind der eingentliche Clou der America’s Cup World Series. Wenn es stimmt, was gemunkelt wird, war es schlau von Larry Ellison, das China Team künstlich am Leben zu halten, und auch dem französische Energy Team sowie Korea alles andere als Steine in den Weg zu legen. Die Serie mit den AC45 Einheits-Katamaranen hätte das Potenzial, eine eigene Weltliga zu tragen.

Der erste von zwei geplanten AC72 Neubauten für Artemis Racing. © Sander van der Borch/Artemis

Der erste von zwei geplanten AC72 Neubauten für Artemis Racing. © Sander van der Borch/Artemis

Aber zurzeit liegt der Fokus der vier AC-Teams Oracle, Artemis, Team New Zealand und Luna Rossa wieder bei den AC72 Design. Auch das kann spannend werden. Besonders aus technischer Sicht. Aber der America’s Cup wir im Match Race ausgetragen. Und San Francisco hat deutlich gezeigt, dass Match Races mit Katamaranen äußerst zäh sind. Es fehlt die Würze ohne die packende Vorstart-Duelle der alten Cupper.

Es wird sich zeigen, was sich die Organisatoren noch einfallen lassen, um die Aufmerksamkeit hoch zu halten. Bisher war ihre Arbeit nicht so schlecht. Sie zeigten Lernfähigkeit. So scheinen zumindest die ärgerlichen Speed-Rennen dem Rotstift zum Opfer gefallen zu sein.

 

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Carsten Kemmling

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3 Kommentare zu „America’s Cup: Erfolg in San Francisco, aber Artemis und Kiwis spielten nicht mit“

  1. avatar Uwe sagt:

    “Die beiden Teams zeigten ein spannendes Match, hatten aber wohl auch im Hinterkopf, dass es der Show abträglich sein könnte, wenn ein Team weit voraus segelt.”

    Das Spektakel der Luna Rossa kurz vor dem Ziel war wohl auch eine Showeinlage.
    Die Regattaergebnisse schienen darüberhinaus stärker vom Zufall als vom seglerischen Können beeinflusst worden zu sein. Geringfügige Schwankungen der Windstärke auf der einen oder anderen Seite des Kurses führten zu erheblichen Geschwindigkeitsunterschieden und Führungswechseln.
    Die visuelle Aufbereitung der Wettfahrten war jedoch Klasse.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 7 Daumen runter 6

  2. avatar wm sagt:

    Da ist schon viel Show dahiner damit die Events Fahrt aufnehmen. Da wird auch mal ein Crash mit dem Startschiff in Kauf genommen. Nur der Abgang des Herrn Johnson – der war echt 😉

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 4 Daumen runter 5

    • avatar Backe sagt:

      Das ganze erinnerte streckenweise ein bisschen an Wrestling … kommt ja auch aus dem Heimatland des großen Showbiz.

      Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 7 Daumen runter 4

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