America’s Cup: Gerüchte und Diskussionen – Challenger of Record aus Australien?

"Es wäre falsch, das zu tun"

Der America’s Cup ist entschieden, und jetzt beginnt es auf klassischer Weise in der Gerüchteküche zu brodeln. Wichtigstes Thema ist dabei zuerst die geheimnisvolle automatische Höhenverstellung des Tragflächensystems, das Oracle zum Sieg verholfen haben soll.

Das hätte auch ins Auge gehen können. Oracle an der Luvtonne im letzten Rennen. © ACEA|Ricardo Pinto

Das hätte auch ins Auge gehen können. Oracle an der Luvtonne im letzten Rennen. © ACEA|Ricardo Pinto

Die genaue Funktionsweise liegt immer noch im Dunkeln. Selbst Teamchef Grant Dalton sagt, dass er selbst nicht genau wisse, wie es funktioniert. Er sagte aber dem Sender Radio Sport, dass er die Entscheidung der Vermesser akzeptiere, die das System offenbar als legal ansehen.

Er wandte sich scharf gegen die Gerüchte, dass sein Team gerichtlich dagegen vorgehen wolle. “Es wäre sehr falsch, so etwas zu tun.” Vor den Rennen habe er mit einem Antrag an die America’s Cup Jury versucht, den Einsatz zu verhindern. Aber das habe eben nicht funkioniert.

Dem New Zealand Herald sagte Dalton, dass er nun eine harte Zeit erwarte, in der seine Segler von anderen Teams umworben werden. In einer solchen Phase der Unsicherheit hatte 2000 Ernesto Bertarelli zugeschlagen und die besten Team New Zealand Segler für sein Alinghi Team verpflichtet. Prompt verlor Neuseeland 2003 den Cup gegen das Schweizer Team. Es gibt zwar Gerüchte, dass das Team New Zealand beim Volvo Ocean Race teilnehmen werde und somit auf einer gewissen Basis zusammenbleibe. Aber für die Hochseeregatta sind überwiegend andere Segler gefragt. Und ein Designteam benötigt man für die neuen One Design Volvo 65 auch nicht.

Kim Dotcom als Sponsor oder PR-Gag?

Verschiedene Medien unter anderem Spiegel online berichten, dass der umstrittene deutsche Internet-Millionär Kim Dotcom dem Team helfen werde. Der gebürtige Kieler, der nach Neuseeland auswanderte und mit dem Netz-Speicherdienst Megaupload Millionen verdiente, aber wegen vermeintlicher Urheberrechtsverletzungen vor Gericht steht, schrieb über seine geplante Unterstützung per Twitter. Es ist alleridings schwer zu glauben, dass mehr als ein PR-Gag dahinter steckt.

Dafür erhärten sich Gerüchte, dass der nächste Challenger of Record aus Australien kommen könnte. Die New York Times berichtet, dass der Hamilton Island Yacht Club der heißeste Kandidat ist. Tom Ehman, Vize Kommodore des verteidigenden Golden Gate Yacht Club, bestätigte eine Herausforderung erhalten zu haben, wollte aber die Identität nicht preisgeben.

Sydney Hobart Sieger jetzt zum Cup?

Hinter dem australischen Verein steckt die reiche Oatley Familie. Bob Oatley hat mit der “Wild Oats XI” mehrfach das Sydney Hobart Rennen gewonnen. Hinter dem Hamilton Island Resort, das vom ehemaligen Illbruck Challenge und Volvo Ocean Race CEO Glenn Bourke geführt wird und vom America’s Cup Race Management CEO Iain Murray mitgegründet wurde, steckt jede Menge America’s Cup Know How.

Dieses australische Team scheint keine abwegige Idee. Zudem haben mit Jim Spihill, Glenn Ashby, Darren Bundock oder Kyle Langford jede Menge Australier High Speed Erfahrung mit den aktuellen Cup Finalisten gesammelt.

Weitere Herausforderer sollten Artemis sein und Luna Rossa, die beide keinen Zweifel daran gelassen haben, dass sie noch einmal antreten wollen. Zudem hat sich auch der Franzose Franck Cammas, der gerade sich gerade anschickt, den Little America’s Cup zu gewinnen, so geäußert, dass der nächste AC sein Ziel sei. Dafür macht auch die Investition in die Foiling Technologie Sinn, die er für den Little AC geleistet hat.

Es ist allerdings nicht klar, wo das Budget herkommen soll. Groupama hat sich nach dem Jules Verne und Volvo Ocean Race Sieg aus den großen Sponsor-Aktivitäten im Segelsport zurückgezogen.

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Andreas John

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21 Kommentare zu „America’s Cup: Gerüchte und Diskussionen – Challenger of Record aus Australien?“

  1. avatar pro ac sagt:

    F. Cammas wäre eine echte Bereicherung. Er und sein Team machen doch eigenlich die coolsten Sachen. Bei Luna Rossa und Artemis komme ich bis heute nicht dahinter was die zu einer Teilnahme motiviert haben könnte – der Sieg war’s nicht…

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  2. avatar <°((( ~~< sagt:

    “… was die zu einer Teilnahme motiviert haben könnte…”
    Das Geld musste dringend weg. Es ist derselbe Grund, warum Leute einen Porsche Cayenne kaufen, statt einen anderen gruseligen SUV für die Hälfte. Sicher, es geht um drei Nullen mehr, aber der Anlass ist genau derselbe.

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    • avatar pro ac sagt:

      Die Mission wäre dann wirklich geglückt. Bei Artemis: 2 Boote für 4 (?) Regatten ohne Siegeschance. Wäre nicht der tragische Unfall passiert wäre das ja fast schon lustig…

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  3. avatar Fons sagt:

    Kann man Geld wirklich nicht besser verwenden, als für so einen redundanten Blödsinn wie den AC zu verpulvern?

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 9 Daumen runter 24

    • avatar <°((( ~~< sagt:

      Sicher, für 100 Millionen könnte man in einem kleinen Land wie Deutschland so ziemlich jedem segelnden Jugendlichen vernünftige Segel-Kleidung und ein ordentliches Boot kaufen.

      Oder man könnte in einem mittleren Entwicklungsland Hunger und Krieg ein für alle mal beenden. Aber das dauert. Und wo doch das Geld so dringend weg musste ist halt ein Investment in Mega-Segelei unter diesem Aspekt doch viel effektiver, wissen wir ja alle.

      Andererseits sitzen da ja durchaus auch zahlreiche Ingenieure, Bootsbauer, Meteorologen, Absolventen in Sportmanagement und Werbestrategen und ernähren davon ihre Familien. Sollen wir denen das nicht gönnen? Tja.

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      • avatar Kauni sagt:

        Glücklicherweise liegt diese Entscheidung nicht in der Hand von Sozialneid getriebenen Weltverbesserer.

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        • avatar abcdcat sagt:

          Zumal solche “Verbesserer” am wenigtens zu Fortschritt und Weltverbesserung beizutragen vermögen!

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          • avatar Heinrich sagt:

            Wenn man immer nach dem Sinn fragen würde, dann dürfte man überhaupt nicht segeln, egal, ob dabei 1€ oder 100.000.000€ verbraten werden.

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        • avatar <°((( ~~< sagt:

          Hey Kauni, ich seh schon, wir verstehen uns: Weltverbesserung ist irgendwie Käse, so furchtbar mühsam wie das ist. Und Hunger und Krieg sind doch gar nicht bei uns sondern ganz weit weg, da müssen wir uns nicht drum kümmern. Für uns ist es wirklich viel wichtiger, dass es ein schönes Fernsehprogramm mit packenden Segelwettkämpfen gibt. Das seh ich ganz genauso.

          Mit Sozialneid meinst Du die Leute, die dem Larry Ellison den Sieg nicht gönnen, weil er mit seinem vielen ekligen Geld eine widerliche *Söldnertruppe* angestellt hat?

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          • avatar Kauni sagt:

            und wie – alles klar, am besten du spendest deinen Fernseher damit du das ganz Leid von Formel 1, Fußball, Olympia usw. nicht weiter ertragen musst.

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    • avatar Alex sagt:

      Offensichtlich und zum Glück auch zu unserer Unterhaltung, haben einige kein Problem damit einen Bruchteil ihres Geldes für so einen redundanten Blödsinn wie den AC zu verpulvern.

      Unser Staat, der eigentlich mit für die Jugendförderung einstehen sollte, verpulvert weit mehr Geld für wesentlich größeren Blödsinn.

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  4. avatar Stefan sagt:

    …nachdem Ernesto Bertarelli im August die Hamilton Island Race Week als charternder Gast bei Bob Oatley verbracht hat, wundert mich diese Herausforderung nicht sehr. Da hat sich einer mit AC know how versorgt, wenn nicht sogar mit mehr. Brad Butterworth war ja auch anwesend, würde mich nicht wundern diesen Namen in der Sache noch häufiger zu lesen.

    http://www.hamiltonislandraceweek.com.au/media/news/pages/article-121.aspx

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  5. avatar Kauni sagt:

    Bin mir sicher Alinghi kommt jetzt wieder rein, aber nicht unter australischer – und auch nicht unter Schweizer Flagge 🙂

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    • avatar stefan sagt:

      …nicht unter schweizer Flagge?

      Nun zumindest wahrt sich die SNG die Option der Teilnahme in dem sie weiterhin jährlich ihre “Régate Annuelle en Mer” ausrichten.

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  6. avatar boatsailing sagt:

    Ist mir alles egal, solange Team New Zealand drinbleibt! Ich würde sie echt vermissen – und sie waren die besseren Segler, ohne Autofoil System.

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    • avatar ac pro sagt:

      Ich glaube, dass gerade der AC in Zukunft von Einzelpersonen mit dem entspr. Budget dominiert wird. Die werden sich ihren Trupp nach eigenen Vorstellungen zusammenstellen. Das ist wahrscheinlich auch der Character des ACs: Die Superreichen im Wettkampf.

      Hätte ETNZ den Cup gewonnen wäre diese Tendenz noch etwas hinausgezögert worden….

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      • avatar Alex sagt:

        Das war doch schon immer so, eine Spielwiese für Superreiche und so sollte es auch bleiben.
        Ich wollte die Leute nicht in Klassen wie RC44 M34 Farr40 u. 400 oder all den anderen sehen.
        Solange wie sie ihre eigene Spielwiese haben, lassen sie die Anderen weitestgehend in Ruhe und zerstören sie nicht mit einer Geldflut.

        Einen Nationenwettkampf auf den AC45 ja, im LV und AC nein.

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  7. avatar Hannes sagt:

    Es war immer der Cup der Superreichen Egomanen und so wird es auch immer bleiben.
    Die kleinen Syndikate, die gelegentlich die großen ärgern können sind natürlich das Salz in der Suppe.

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  8. avatar Olaf sagt:

    In NZ wird jetzt schon für den AC 35 gesammelt…

    https://www.facebook.com/TeamNZ?directed_target_id=0

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